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Telefónica-Aktie:Datenschützer erheben Vorwürfe gegen Börsenneuling O2

Der Mobilfunker geht an die Börse und die Aktie steigt - eigentlich ein gelungener Start. Doch Datenschützer erheben schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen: Es wolle mit den Standortdaten seiner Kunden Geld machen.

A man holds a foam cutout of five euros which is an advertisement for a shop as he walks in central Barcelona

Wer geht wo hin? O2 weiß es. Szene aus der Innenstadt von Barcelona.

(Foto: REUTERS)

Gute Stimmung an der Börse: Der Mobilfunkanbieter O2 hat in den Augen der Händler einen gelungenen Börsenstart hingelegt. Nach dem milliardenschweren Börsengang stieg das Papier von Telefónica Germany bis auf 5,80 Euro und verbuchte damit ein Kursplus von 20 Cent gegenüber dem Ausgabekurs. Damit ist der größte deutsche Börsengang seit 2007 erfolgreich über die Bühne gegangen.

Die spanische Mutter Telefónica kassiert für die Platzierung von gut 23 Prozent ihrer Anteile an der deutschen Tochter rund 1,45 Milliarden Euro - Geld, das der hoch verschuldete Mutterkonzern gut gebrauchen kann. Telefónica sitzt auf einem Schuldenberg von 58 Milliarden Euro.

Der Konzern sucht weitere Einnahmequellen - und nimmt dafür auch die Daten ins Visier, die das Unternehmen über seine Kunden sammelt. Telefónica bewirbt seit kurzem ein Programm namens Telefónica Dynamic Insights, das sich an die Werbeindustrie richtet. Sein Versprechen: Der Geschäftspartner könnte über Bewegungsprofile nachvollziehen, warum wie viele Leute einen Ort besucht haben. Die Daten werden laut Telefónica anonymisiert und aggregiert zusammengestellt - damit wären Rückschlüsse auf einzelne Personen nicht möglich.

Dass das Unternehmen weiß, wo seine Kunden sind, ist nicht überraschend: Ohne diese Technik könnte O2 logischerweise keine Anrufe durchstellen. Was mit diesem Datenberg passiert, der zwangsläufig anfällt, ist jedoch umstritten. "Standortdaten sind hochsensibel, weil eben über sie eindeutig erkennbar ist, wo sich jemand aufhält. Insofern sehe ich es mit großen Bauchschmerzen, dass jetzt offensichtlich Telekommunikationsunternehmen beginnen, diese Daten in die Welt zu streuen", sagt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, dem Hessischen Rundfunk. Auf Twitter melden sich Kunden, die O2 mit der Kündigung drohen.

Ob die Technik auch nach Deutschland kommt, ist laut Telefónica noch offen. Deutsche Datenschutzgesetze würden selbstverständlich eingehalten, sagte der Konzern der SZ.

Andere Kundendaten wertet Telefónica schon länger für die Werbeindustrie aus. In Großbritannien bietet O2 seit Anfang 2011 kostenloses Wlan an, schreibt Techcrunch. Die dabei erhoben Daten werden über O2-Media vermarktet.