Tech-Industrie Wie sich das Silicon Valley mit Trump anfreundet

Donald Trump neben Paypal-Gründer Peter Thiel und Apple-CEO Tim Cook (rechts).

(Foto: picture alliance / AP Photo)

Apple-Chef Tim Cook und andere Tech-Bosse haben sich mit ihrem unberechenbaren Präsidenten arrangiert. Auch, weil sie gut daran verdienen.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Als Donald Trump im vergangenen August das Kunststück fertigbrachte, den Mord eines weißen Rassisten an einer linken Demonstrantin nicht als das zu bezeichnen, was es war, platzte vielen Top-Managern großer US-Unternehmen der Kragen. Reihenweise erklärten sie ihren Rückzug aus den beiden Wirtschaftsbeiräten, die der Präsident mit großem Tamtam eingerichtet hatte. Am Ende hatte die Austrittswelle ein Ausmaß erreicht, dass Trump sich genötigt sah, beide Gremien aufzulösen.

Die Wirtschaft übernimmt im gespaltenen Amerika die Rolle der Opposition gegen einen irrlichternden Präsidenten - so sah es damals aus. Und es war nur logisch, dass die Tech-Branche an vorderster Front dabei war. Sie hatte im Wahlkampf mehrheitlich die demokratische Kandidatin Hillary Clinton unterstützt und war gleich nach Trumps überraschendem Sieg wegen des Einreiseverbots für Bürger bestimmter Länder mit ihm aneinandergeraten. Die polternd-rotzige Art des neuen starken Manns war vielen Konzernchefs regelrecht zuwider. Die Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit und ging so tief, dass Trumps Leute mehrfach streuten, die Tech-Branche habe "unter Präsident Obama das Land regiert".

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Einzelne Tech-Größen besingen mittlerweile Trumps Politik

Ein halbes Jahr nach dem Eklat um die Wirtschaftsbeiräte ist von der Kluft zwischen Washington und dem Silicon Valley nicht mehr viel zu spüren. Sicher: Rein kulturell gesehen werden die Kapuzenpulliträger in den Führungsetagen von Apple, Google, Facebook und Co. und der breitbrüstige, zu große Anzüge tragende Mann im Weißen Haus wohl nie zusammenfinden. Ansonsten aber hat man sich weitgehend arrangiert: Trump weiß, dass er die neuen Stars der US-Firmenwelt braucht, will er tatsächlich den Wirtschaftsstandort stärken und gut bezahlte Jobs schaffen. Und die Konzerne haben erkannt, dass dieser Präsident nicht über Nacht verschwinden wird und es sich nicht lohnt, dauernd mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen.

Ja, mittlerweile geht es gar so weit, dass einzelne Tech-Größen Trumps Politik öffentlich besingen. Als der Präsident jüngst seine Steuerreform unterzeichnete, war es Apple-Chef Tim Cook, der als Erster ankündigte, Auslandserträge in dreistelliger Milliardenhöhe in die USA zu holen. Dabei benutzte er Formulierungen, die von Trump hätten stammen können: "Wir verspüren ein tiefes Gefühl der Verantwortung, unserem Land und den Menschen, die unseren Erfolg ermöglichen, etwas zurückzugeben." Von dieser Verantwortung war zu Zeiten, als die Steuersätze deutlich höher gelegen hatten, wenig zu spüren gewesen.

Auch bei der Visa-Vergabe an ausländische Tech-Experten, dem für die Branche wichtigsten Politikthema, kommen die Gespräche hinter den Kulissen offenbar gut voran. Von einer Fundamentalopposition des Silicon Valley gegen Trumps Reformpläne aus prinzipiellen oder gar ideellen Gründen kann jedenfalls keine Rede mehr sein. Zwar werden die Firmenchefs auch in Zukunft Rücksicht darauf nehmen müssen, dass viele ihrer Mitarbeiter in gesellschaftspolitischen Fragen eher den Demokraten nahestehen. Zugleich hat das erste Amtsjahr Trumps aber gezeigt, dass dieser Präsident der Wirtschaft zumindest kurzfristig glänzende Gewinne bescheren kann - und das ist es, worauf es schließlich ankommt, auch und gerade in der Tech-Industrie.

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