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Tarifverhandlungen:Eisenbahner fordern 7,5 Prozent mehr Geld

Lokführerstreik - Köln

Zugbegleiter bei der Arbeit: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt sind oft auch der "Blitzableiter" für Fährgäste, wenn es auf der Schiene mal nicht so läuft wie geplant.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Die Bahn verhandelt mit EVG und GDL über mehr Geld. Es geht um 160 000 Mitarbeiter.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Beim letzten Mal ging es kurz vor Weihnachten gerade noch glimpflich für die Bahnkunden aus: Mitte Dezember 2016 hatten sich die Deutsche Bahn und die Eisenbahngewerkschaft EVG auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt und so verhindert, dass ein Bahnstreik den Reisenden die Feiertage verdirbt. Wenn es nach der Bahn geht, könnte es dieses Mal gern wieder so laufen - nur vielleicht noch ohne die Schlichtung, die nach der Einigung mit der EVG noch notwendig war, um auch mit der Lokführergewerkschaft GDL eine Einigung hinzubekommen.

An diesem Donnerstag jedenfalls verhandeln Bahn und EVG abermals miteinander über die künftigen Arbeitsbedingungen für etwa 160 000 Eisenbahner. Die GDL ist am Freitag dran; bis Ende November sind zwei weitere Verhandlungsrunden angesetzt. Der vorangegangene Tarifvertrag lief Ende September aus, und sowohl GDL als auch EVG haben bereits ein ganzes Bündel an Forderungen präsentiert. Beide verlangen 7,5 Prozent mehr Geld. Die Lokführer setzen zudem auf höhere Schichtzulagen (es gibt bei der Bahn allein sieben verschiedene Zulagen für die Nachtarbeit) und feste Mindestvorschriften, wie viel Betriebspersonal in den Zügen eingesetzt werden muss. Die EVG wiederum will vor allem das tarifliche Wahlmodell ausweiten, das mit dem vorangegangenen Tarifabschluss vereinbart worden war.

Der Konzern beteuert, wie ungeheuer wichtig es ihm sei, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein

Vor zwei Jahren hatten sich Bahn und Gewerkschaften darauf geeinigt, dass die Mitarbeiter wählen können zwischen mehr Geld, mehr Urlaub oder einer kürzeren Wochenarbeitszeit. Konkret bekamen alle Bahner 2,5 Prozent mehr Geld, plus eine Einmalzahlung von 550 Euro. 40 Prozent entschieden sich darüber hinaus für einen zweiten Gehaltsschritt von 2,6 Prozent, zwei Prozent für eine 38-Stunden-Woche statt der sonst üblichen 39 Stunden - und 58 Prozent für sechs zusätzliche Urlaubstage. Um das dadurch entstandene zusätzliche Urlaubsvolumen aufzufangen, stellte die Bahn nach eigenen Angaben 1500 zusätzliche Mitarbeiter ein.

Für einige Berufsgruppen muss die Bahn sowohl mit der GDL als auch mit der EVG verhandeln, weil die Kollegen von beiden Gewerkschaften organisiert werden, allen voran die Lokführer und Zugbegleiter. Die Bahn will allerdings auch dieses Mal unbedingt "widerspruchsfreie" Tarifverträge abschließen, damit nicht innerhalb einer Berufsgruppe zwei unterschiedliche Vereinbarungen gelten - je nachdem welcher Gewerkschaft der jeweilige Mitarbeiter angehört.

Die Bahn verweist regelmäßig darauf, dass es für sie ungeheuer wichtig sei, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Allein dieses Jahr will der Konzern 20 000 neue Mitarbeiter einstellen; bis Ende August waren bereits 17 000 Zusagen unterschrieben; abzüglich der Abgänge blieb ein Plus von 5500 Mitarbeitern. Die sind dringend nötig, denn der Fachkräftemangel macht sich zunehmend bemerkbar, etwa bei den Lokführern. Das erhöht den Druck auf den Konzern, seinen Leuten und potenziellen Bewerbern gute Konditionen zu bieten - sowohl beim Gehalt als auch bei Arbeitszeit und Flexibilität. Gleichzeitig verweist die Bahn aber auch darauf, dass ein Prozentpunkt Lohnerhöhung sie 90 Millionen Euro im Jahr kostet. Und gerade im Deutschlandgeschäft hat sie derzeit massive Probleme: Anfang September erst verschickte der Bahn-Vorstand um Konzernchef Richard Lutz einen Brandbrief an die Führungskräfte des Konzerns. Die schwierige Lage habe sich verschlechtert, der Gewinn gehe zurück, die Verschuldung liege bei 19,7 Milliarden Euro. Hinzu kommen massive Verspätungen.

Die Gewerkschaften sehen den herrschenden Personalmangel als Grund für die Schwierigkeiten des Unternehmens. Die Bahn wiederum weist auf ihre Einstellungsoffensive und den Abbau von Überstunden hin. Während Ende 2014 jeder Streckenlokführer knapp 117 Überstunden angehäuft hatte, seien es Ende 2017 nur noch knapp 76 Stunden gewesen, teilte die Bahn mit.

© SZ vom 09.10.2018
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