Tarifstreit Vorerst keine neuen Streiks bei Lufthansa

Flugzeug startet ARCHIV - Einer der wenigen Langstreckenflüge, die nicht vom Pilotenstreik betroffen sind, startet am 19.03.2015 vom Flughafen Frankfurt (Hessen) aus Richtung Miami, während eine McDonnell Douglas MD-11 der Lufthansa Cargo auf dem Rollfeld wartet. Foto: Christoph Schmidt/dpa (zu lhe 'Lufthansa Quartalszahlen' vom 05.05.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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  • Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat sich mit der Lufthansa auf eine Schlichtung im Tarifstreit geeinigt. Bis mindestens Ende Juli soll es keine weiteren Streiks geben.
  • Gestritten wird zwischen den Tarifparteien vor allem um die bislang übliche Frühverrentung von Piloten ab einem Alter von 55 Jahren und um die Verlagerung von Arbeitsplätzen zu einer Billigplattform.

Keine Lufthansa-Streiks bis Ende Juli

Lufthansa-Reisende können vorerst aufatmen: Nach zwölf Streikrunden wollen die Piloten das Angebot der Fluggesellschaft für eine Gesamtschlichtung annehmen. Bis Ende Juli sollten mit Lufthansa Möglichkeiten zur Lösung der verschiedenen Konflikte ausgelotet werden, sagte Markus Wahl, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Vom Beginn der Schlichtung bis Ende Juli verzichten die Piloten daher auf Streiks.

Lufthansa begrüßte die Entscheidung. Man werde zeitnah auf die Gewerkschaft zugehen, um Details wie den genauen Zeitplan zu besprechen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Zunächst soll gemeinsam ein Schlichter gefunden werden.

Streitpunkt ist vor allem die Rentenregelung von Piloten

Der Tarifstreit mit den 5400 Piloten zieht sich schon seit über einem Jahr hin. Die Flugzeugführer kämpften in dieser Zeit mit mehreren Arbeitsniederlegungen für die Beibehaltung ihrer bisherigen Frührentenregelung. Lufthansa-Piloten konnten bislang mit 55 Jahren aufhören - im Schnitt gehen sie mit 59 Jahren in die Rente. Die Konzernführung will diese Altersgrenze wegen des scharfen Wettbewerbs auf 61 Jahre erhöhen. Ferner sind noch andere Tarifverträge offen, die unter anderem die Vergütung regeln.

Die Arbeitsniederlegungen der Piloten kommen die Lufthansa teuer zu stehen: In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahrs dürften sich die dadurch verursachten Gewinneinbußen auf 100 Millionen Euro summieren. Im Jahr 2014 beliefen sie die Belastungen auf 230 Millionen Euro.

Piloten wollen Einführung neuer Billig-Plattform verhindern

Die Vereinigung Cockpit hatte seit langem die Gesamtschlichtung gefordert, die lange von Lufthansa mit dem Argument abgelehnt worden war, man habe zu einzelnen Punkten noch gar nicht verhandelt. Hintergrund ist auch die umstrittene Einführung der neuen Billig-Plattform Eurowings, die von Cockpit kritisiert wird, aber als Unternehmensentscheidung nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen sein kann.

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Nach Auffassung von Cockpit spielt die Verlagerung von Arbeitsplätzen zu der neuen Billigplattform allerdings eine entscheidende Rolle bei der Gesamtbefriedung im Konzern. "Den von der Lufthansa vorgeschlagenen Weg, diese strittigen Themen mit Arbeitsgruppen außerhalb der Schlichtung anzugehen, sehen wir daher mit gewisser Skepsis", sagte Cockpit-Sprecher Wahl.