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Tarifstreit/Ticketpreise:Heißer Herbst bei der Bahn

Für Bahnkunden kommt es knüppeldick: Der Streit zwischen Unternehmen und Lokführern eskaliert - die Streikgefahr wächst rasant. Und im Dezember steigen die Fahrpreise.

Der Konflikt zwischen Bahn und Lokführergewerkschaft GDL spitzt sich zu: Zwar legte der Konzern am Dienstag ein verbessertes Lohnangebot vor - doch die GDL wies die Offerte prompt zurück.

Die Bahn erklärte sich am Dienstag in Berlin bereit, die Wochenarbeitszeit für Lokführer von 39 Stunden um ein oder zwei Stunden zu verlängern und entsprechend mehr zu zahlen. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale sagte, jede zusätzliche Stunde entspreche einer Lohnerhöhung von 2,5 Prozent.

Die GDL lehnte ab. Mit dem Angebot verabschiede sich die Bahn von der Moderatoren-Vereinbarung, kritisierte die Gewerkschaft in einer Mitteilung. Entgegen ihrer ursprünglichen Zusage lehne sie es ab, mit der GDL über einen eigenständigen Tarifvertrag für Lokomotivführer zu verhandeln.

Das Verhalten des Arbeitgebers sei "nur als Provokation zu werten", erklärte GDL-Chef Manfred Schell. "Bleibt die DB bei ihrer sturen Haltung, so sind Streiks im Oktober unausweichlich", sagte Schell. Bis zum 30. September habe der Arbeitgeber noch Zeit, diese zu verhindern.

Die Friedenspflicht läuft am Sonntag aus. Die Bahn zeigte sich demonstrativ selbstbewusst. Suckale kritisierte das Verhalten der Gewerkschaft und warf ihr mangelnden Verhandlungswillen vor. Der Konzern wolle einen Streik vermeiden, fürchte ihn aber nicht.

Den Lokführern könne die Mehrarbeit bis zu fünf Prozent mehr Geld in die Taschen spülen, sagte Suckale. Überstunden, die derzeit auf Langzeitkonten angesammelt würden, könnten dann ausgezahlt werden. Der Erlös der Mehrarbeit komme zu den 4,5 Prozent Tariferhöhung hinzu, die die Bahn bereits mit den konkurrierenden Gewerkschaften Transnet und GDBA ausgehandelt habe und die auf die Lokführer ausgeweitet werden könnten.

Tarifabschluss kostet 100 Millionen Euro

Allein der Tarifabschluss mit Transnet und GDBA kostet die Bahn nach eigenen Angaben etwa 100 Millionen Euro. Als Folge kündigte der Konzern, der derzeit Lokführer sucht, Preiserhöhungen ab Dezember an.

Vom 9. Dezember an sollen die Tarife im Nah- und Fernverkehr um durchschnittlich 2,9 Prozent steigen, teilte die Deutsche Bahn mit. Auch Bahncards und Sitzplatzreservierungen sollen teurer werden. Zuletzt hatte die Bahn Anfang 2007 ihre Preise angehoben.

Auch Bahncards für Vielfahrer sollen um durchschnittlich 3,8 Prozent teurer werden. Eine Bahncard 50 für die 2. Klasse werde vom 9. Dezember an 220 statt 212 Euro kosten, der Preis für eine Bahncard 25 steige von 53 auf 55 Euro. Für eine Platzreservierung müssen die Kunden in der 2. Klasse künftig 50 Cent mehr bezahlen.

Am Automaten oder im Internet kostet eine Reservierung dann zwei Euro, am Schalter vier Euro. Eine Sitzplatzreservierung in der 1. Klasse soll drei Euro im Internet und am Automaten und fünf Euro am Schalter kosten.

Der Preis für das Wochenend-Ticket steigt nach Bahn-Angaben um zwei auf 35 Euro. Auch zahlreiche Ländertickets werden um ein oder zwei Euro teurer. Gleichzeitig kündigte die Bahn an, ihr Billig-Ticketangebot "Dauer-Spezial" mit Fahrten ab 29 Euro um ein Jahr bis zum 31. Dezember 2008 zu verlängern.

Zuletzt waren Fahrkarten am 1. Januar 2007 teurer geworden. Damals stiegen die Preise im Fernverkehr im Schnitt um 5,6 Prozent, darin war die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent enthalten.

Im Regionalverkehr außerhalb von Verkehrsverbünden kosten Tickets seitdem durchschnittlich 3,9 Prozent mehr. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Bahn pro Tag rund 3,6 Millionen Reisende den Fern- und Nahverkehr genutzt.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters
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