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Tarifstreit im Gesundheitswesen:Der Sieg der Ärzte

Die Taktik der Arbeitgeber im Tarifstreit der Ärzte ging nicht auf. Die eitle Machtprobe hat der Marburger Bund gewonnen. Leidtragende sind die Kliniken.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatte am Mittwoch einige Schwierigkeiten, ihr Verhandlungsergebnis als Sieg darzustellen. Zwei Prozent mehr Gehalt für die Krankenhausärzte - das macht nach drei harten Streikwochen nicht viel her. Selbst der bescheidene Verdi-Abschluss, der auch für Pfleger gilt, brachte 2,3 Prozent, auch wenn sich die Zahlen aufgrund ungleicher Vertragslaufzeiten nicht vergleichen lassen. Die Gewerkschaft betont, dass die lineare Erhöhung nicht das Wichtigste sei. Man habe auch viele "arztspezifische" Verbesserungen erreicht. Das Stichwort ist wichtig, denn dem jungen Marburger Bund geht es auch immer noch darum, sich als eigene Gewerkschaft zu behaupten.

Und es stimmt: Die Ärztegewerkschaft hat in dem Tarifvertrag viele Details geregelt, die Ärzte im Alltag stören. Das nächtliche Ausharren im Krankenhaus wird besser bezahlt. Es geht dabei nicht nur um Geld, sondern auch um Anerkennung für diesen Einsatz, der eben oft kein bezahlter Schlaf, sondern eine schlecht bezahlte zweite Dienstzeit ist.

Die Arbeitgeber aber mussten lernen, dass die Ärzte auf ihrem eigenen Vertrag bestehen, und dies notfalls auch mit Streiks durchsetzen. Die Taktik der Arbeitgeber war, über Wochen nur zu sagen, es werde für Ärzte nicht mehr geben, als Verdi für die anderen Klinikmitarbeiter ausgehandelt hat; sie ging nicht auf. Die eitle Machtprobe hat der Marburger Bund gewonnen. Er konnte seine Organisationskraft demonstrieren. Leidtragende waren die Kliniken, von denen ein Viertel ohnehin defizitär sind. Es kann aber nicht das Ziel der Ärzte sein, ihre Arbeitgeber zu ruinieren.

Künftig wird die Gewerkschaft neben Stärke deshalb auch Umsicht beweisen müssen.