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Tarifkonflikt:Was die GDL mit dem Streik durchsetzen will

Lokführerstreik -âÄ" München

Von Dienstag bis Freitag: Die GDL bestreikt den Personen- und Güterverkehr.

(Foto: dpa)

Wieder Streik, wieder die GDL: Zunächst wird im Güterverkehr gestreikt, von Mittwochmorgen an auch im Personenverkehr. Worum geht es dieses Mal?

Die Gewerkschaftsmitglieder der GDL streiken wieder - und können so einen großen Teil des Zugverkehrs lahmlegen. Die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der GDL waren am Freitag in der 16. Runde gescheitert. "Wo kein Wille ist, ist kein Weg", wirft der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky der Bahn vor. Er glaubt, dass seiner Gewerkschaft erneut nichts anderes übrig bleibt, als das letzte Mittel im Arbeitskampf.

Wie läuft der Streik ab?

Die GDL will sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr zu bestreiken. Reisende und Pendler müssen 42 Stunden lang damit rechnen, dass ihre Züge sich erheblich verspäten oder ganz ausfallen: von Mittwoch um 2 Uhr morgens bis Donnerstagabend um 22 Uhr.

Der Schwerpunkt des Streiks soll jedoch auf dem Güterverkehr liegen. Fast einen Tag länger dauert dort der Ausstand, der bereits am Dienstagnachmittag um 15 Uhr beginnt und sich bis Freitagmorgen um neun Uhr hinziehen soll.

Die Deutsche Bahn bereitet einen Ersatzfahrplan vor.

Was will die GDL?

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) stellt zwei zentrale Forderungen. Erstens will sie die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder verbessern. Das sind vor allem Lokführer. Die GDL will sich aber vermehrt als Gewerkschaft für alle Berufsgruppen innerhalb der Bahn AG positionieren. Sie verlangt also auch zum Beispiel für Zugbegleiter fünf Prozent mehr Geld, eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche und eine Begrenzung der Überstunden.

Die zweite Forderung betrifft nur eine Untergruppe aller Beschäftigten bei der Bahn: die Lokführer. Die gibt es in zwei Ausführungen: Lokführer, die Züge unterwegs steuern, und diejenigen, die auf den Bahnhöfen rangieren. Letzte heißen Lokrangierführer. Sie bekommen weniger Gehalt und haben ungünstigere Arbeitszeitregelungen als Lokführer. Das will die GDL ändern.

Warum eskalierten die Verhandlungen?

Der Knackpunkt war am Freitag die Rolle der Lokrangierführer. Die GDL möchte auf keinen Fall, dass für sie andere Regeln gelten als für die Lokführer. Ein Lokrangierführer sei kein "billiger Jakob", sagt GDL-Chef Weselsky. "Dieselbe DB, die sich als Saubermann für einheitliche Beschäftigungsbedingungen präsentiert, will die unternehmensinterne Lohndrückerei fortsetzen."

Die Bahn hat für den geplanten Ausstand kein Verständnis. "Da denkst du, du sitzt im falschen Film", sagt Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Die GDL hätte ihr gewünschtes Zwischenergebnis in den Verhandlungen in nahezu allen Punkten haben können, so die Bahn.

Die GDL hat in dem seit zehn Monaten schwelenden Tarifstreit bereits sechs Mal zu einem Ausstand aufgerufen - zuletzt Anfang November.

Warum sind die Gespäche zwischen Bahn und GDL so schwierig?

Die Bahn muss parallel mit zwei Gewerkschaften verhandeln: der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Mit den Ergebnisse müssen also drei Parteien zufrieden sein. Beide Gewerkschaften wollen Tarifabschlüsse für alle ihre Mitglieder erreichen - die Deutsche Bahn will jedoch unterschiedliche Ergebnisse für dieselben Berufsgruppen verhindern.

Für die GDL drängt außerdem die Zeit: Die Bundesregierung will im Mai das Tarifeinheitsgesetz verabschieden. Tarifkämpfe kleiner Gewerkschaften - wie die der Lokführer und der Piloten - sollen damit eingedämmt werden: Es soll nur noch der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten, wenn sich mehrere Gewerkschaften in einem Betrieb nicht einigen. Bei der Bahn wäre das nicht die GDL, sondern die größere EVG.

Wer profitiert vom Streik?

Neben der GDL, die womöglich ihre Verhandlungsmacht stärken kann, gibt es zwei klare Sieger des Streiks: Wettbewerber auf Schienen und Straßen. Alternative Bahnunternehmen können auf regionaler Ebene mit mehr Kunden rechnen. Für Reisende auf längeren Strecken gibt es Fernbusse - eine Branche, die der Bahn ohnehin Probleme macht, indem sie Kunden mit günstigen Preisen lockt. Der Umsatz könne wegen des Streiks um mehrere Millionen Euro steigen, heißt es beim Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer. Dessen Sprecher sagt: "Sobald die Ankündigungen für den Ausstand kommen, spüren die Busunternehmen sofort eine sprunghafte Nachfrage auf ihren Webseiten."

Auch die Bahn setzt mittlerweile vermehrt auf Busse. Auf der Straße bietet die Bahn auch während des Streiks ihre Dienste an, denn das Bus-Personal gehört nicht zur GDL und streikt nicht.

© SZ.de/dpa/Reuters/kabr

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