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Tarifkonflikt:Lufthansa-Piloten streiken am Mittwoch

  • Die Piloten von Lufthansa machen ihre Drohung wahr und streiken.
  • Betroffen sind Kurz- und Langstreckenflüge. Die Besatzungen fordern Gehaltserhöhungen um 20 Prozent.
  • Kern des Konfliktes sind nicht die Gehälter, sondern der Aufbau der Billigsparte Eurowings.

Die Piloten der Lufthansa machen Ihre Drohung wahr und streiken wieder. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) rief ihre Mitglieder für den kommenden Mittwoch zu einem ganztägigen Ausstand bei der größten deutschen Fluggesellschaft auf. Betroffen sind sowohl Kurz- als auch Langstreckenverbindungen.

Die Besatzungen fordern um rund 20 Prozent höhere Gehälter, das Unternehmen bietet allerdings lediglich 2,5 Prozent. Die Piloten begründen die hohe Forderung damit, dass der Gehaltstarifvertrag seit fünf Jahren offen ist und sie deswegen in dieser Zeit nicht mehr Geld bekommen haben. Allerdings steigt das Gehalt jedes Lufthansa-Piloten automatisch jedes Jahr um drei Prozent, wenn dieser in die nächste Senioritätsstufe vorrückt.

Welche Rechte Fluggäste haben

Wie viele Flüge ausfallen, war am Montagabend noch unklar. Die Lufthansa bereitet nach einer Streikankündigung in der Regel einen Notflugplan vor, der nur die Verbindungen beinhaltet, die auch sicher durchgeführt werden können. In der Regel versucht sie, möglichst viele Flüge aufrechtzuerhalten, bei denen ihre Gäste nicht auf andere Beförderungsmittel oder die Konkurrenz ausweichen können.

Passagiere haben Anspruch darauf, von der Fluggesellschaft betreut zu werden. Lufthansa muss auch Hotelzimmer bereit stellen, sollte sie Fluggäste am Mittwoch nicht mehr befördern können. Bei Kurzstreckenflügen sind ab einer Verspätung von zwei Stunden Leistungen wie Getränke und Essen fällig, auch Telefonate muss die Airline ermöglichen. Wer Ausgaben vorstreckt, muss anschließend Belege einreichen, um sein Geld zurückzuerhalten.

Entschädigungen sind gemäß einer Verordnung der Europäischen Kommission zwar in der Regel bei Verspätungen von drei Stunden oder mehr vorgesehen, aber nicht bei Streiks. Denn diese gelten in der Regel als außerordentlicher Umstand. Die Airline muss alle zumutbaren Maßnahmen getroffen haben, um die Folgen des Streiks für die Passagiere zu minimieren.

Ausbau der Billigsparte ist Kern des Konflikts

Die Gewerkschaft begründete ihr Vorgehen damit, dass die Lufthansa kein abschlussfähiges Angebot vorgelegt habe, sondern sich in den jüngsten Verhandlungsrunden "deutlich zurückbewegt" habe. Gehaltserhöhungen würden mit Gegenforderungen verbunden, das habe die Gespräche "ad absurdum" geführt.

Lufthansa bezeichnete die Streikankündigung als den "falschen Weg." Lufthansa habe mehrfach eine Schlichtung angeboten. Dass die VC dies abgelehnt habe, zeige, dass sie ihrer Verantwortung als Tarifpartner nicht gerecht werde. Der Sonderflugplan soll so schnell wie möglich auf der Internetseite www.lh.com veröffentlicht werden.

Die Piloten haben seit Anfang 2014 bereits dreizehn Mal gestreikt. Der Kern des Konfliktes sind nicht die Gehälter, sondern der Aufbau der Billigsparte Eurowings. Von Januar bis Ende Juli hatten die beiden Seiten versucht, alle offenen Fragen in einer großen Einigung zu lösen. Letztlich waren die Gespräche aber an Detailfragen in Sachen Eurowings erneut gescheitert.

© SZ vom 22.11.2016/anri
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