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Warnstreiks:Verdi legt Lufthansa lahm

Die Gewerkschaft Verdi will Druck im laufenden Tarifstreit machen: In ganz Deutschland fallen Lufthansa-Flüge aus. Grund ist ein ganztägiger Warnstreik von Technikern und Serviceleuten.

Gähnende Leere anstelle von Kofferbergen: Am Montagmorgen herrscht am Frankfurter Flughafen üblicherweise Rush Hour, doch an diesem Tag ist im Terminal 1 so viel Platz, dass Mitarbeiter des größten deutschen Flughafens in dem Gebäude ungehindert mit Fahrrädern umherkurvten. Die allermeisten Passagiere der Kranich-Airline blieben zuhause oder nahmen den Zug.

Seit 5.00 Uhr bestreiken mehrere tausend Mitarbeiter des Bodenpersonals die Fluggesellschaft. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu dem ganztägigen Warnstreik aufgerufen, um höhere Gehälter für die insgesamt 33.000 Beschäftigten zu erreichen, nachdem die Tarifverhandlungen Ende vergangener Woche gescheitert waren.

Durch die Streiks können nun von insgesamt 1720 geplanten Abflügen in Deutschland nur 32 starten, wie das Unternehmen mitteilte. Besonders betroffen sind die Deutschland- und Europa-Verbindungen. Lufthansa hatte seine Fluggäste per Email oder SMS über die Ausfälle informiert.

Die Gewerkschaft hatte in den Verhandlungen mit Lufthansa 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Jobgarantien mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gefordert. "Unbefristete Streiks in der Ferienzeit". Lufthansa legte ein anderes Angebot vor: So sollten die Gehälter bei einer Vertragslaufzeit von über 29 Monate zwischen 1,7 und 2,3 Prozent erhöht werden. Für die Cateringtochter LSG will Lufthansa ein neues Tarifgefüge etablieren, über das schon länger mit Verdi verhandelt wird.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle kritisierte den bundesweiten Warnstreik "Fluggäste dürfen nicht in Geiselhaft genommen werden für eine Tarifauseinandersetzung", sagte Brüderle. Warnstreiks in einem solchen Ausmaß seien verantwortungslos. Verdi solle sich mit der Lufthansa an den Verhandlungstisch setzen, um eine vernünftige Regelung zu finden. Das wird schon bald passieren: Die nächste Verhandlung zwischen den Tarifparteien steht am 29./30. April an.

© Süddeutsche.de/dpa/fran
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