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Tarifeinigung im Südwesten:Metaller erreichen höchsten Abschluss seit 15 Jahren

Die gute Konjunktur beschert den Beschäftigten der Metallindustrie den höchsten Lohnzuwachs seit 1992. Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich in Baden-Württemberg auf 4,1 Prozent mehr Lohn geeinigt - und so einen bundesweiten Arbeitskampf abgewendet.

Nach mehr als 20-stündigen Verhandlungen stand das Ergebnis fest. Es sieht Einmalzahlungen von je 400 Euro für die Monate April und Mai vor, im Juni folgt eine Tariferhöhung von 4,1 Prozent. Von Juni 2008 an steigt der Tariflohn noch einmal um 1,7 Prozent, dazu gibt es eine weitere Einmalzahlung von 0,7 Prozent je Monat bis einschließlich Oktober 2008, in dem die Laufzeit des Tarifvertrags endet.

Das ist nach Angaben der IG Metall der höchste Abschluss seit 1992. Damals war eine Tariferhöhung von 5,4 Prozent und ein Jahr später von drei Prozent vereinbart worden.

Der im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg mit 800.000 Beschäftigten erzielte Tarifabschluss soll für die gesamte Metall- und Elektroindustrie mit ihren bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten übernommen werden. Das bekräftigten Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser und Jürgen Peters, Vorsitzender der IG-Metall.

Beide hatten in der Endphase an den Verhandlungen in Sindelfingen bei Stuttgart teilgenommen. Seit Sonntag hatten mehr als 475.000 Metaller mit Warnstreiks für 6,5 Prozent gekämpft. Arbeitgeber und Gewerkschaft berechneten den Abschluss wie üblich unterschiedlich: Die IG Metall sprach von einer Tariferhöhung von 5,8 Prozent über die gesamte Laufzeit, die Arbeitgeber berechneten die tarifliche Kostenbelastungen auf 3,9 Prozent in diesem und auf zwei Prozent im nächsten Jahr.

Äußerst schwierige Verhandlungen

Beide Parteien bezeichneten die Verhandlungen als äußerst schwierig. Sie hätten mehrmals kurz vor dem Scheitern gestanden. Die IG Metall sprach von einem "Ergebnis mit Augenmaß, aber ohne Bescheidenheit", mit dem der von den Arbeitgebern geforderte Konjunkturbonus - eine nicht tarifwirksame Prämie je nach Konjunkturlage - habe verhindert werden können.

Ohne die massiven Warnstreiks der vergangenen Tage wäre der Kompromiss nicht erzielt worden. Die Arbeitgeber nannten den Abschluss "ausgewogen und vertretbar", weil sich die Wirtschaftslage in Deutschland weiter verbessert habe. Die Länge der Laufzeit des Tarifvertrags bringe den Firmen Planungssicherheit.

Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen kündigte die Übernahme des Kompromisses an. "Wir haben erreicht, dass die Beschäftigten an der guten wirtschaftlichen Entwicklung dauerhaft und ordentlich beteiligt werden", sagte der dortige Bezirksleiter Detlef Wetzel. Nordrhein-Westfalen ist mit 700000 Beschäftigten nach Baden-Württemberg der zweitgrößte Tarifbezirk der IG Metall.

Auch die Metall-Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen stimmten dem in Baden-Württemberg vereinbarten Tarifkompromiss "unter der Prämisse einer guten und robusten Konjunktur im Jahr 2007" zu.

"Kaum zu bewältigen"

Die deutschen Maschinenbauer dagegen kritisierten den Abschluss als zu hoch. "Für ein Drittel der Betriebe ist das kaum zu bewältigen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Hannes Hesse. "Es bleibt dabei, dass am Ende eine tarifliche Steigerung von 5,8 Prozent steht", betonte er.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht die Tariferhöhung als Belastung. Die Hersteller hätten ihre Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahre mühsam gesteigert, "neue Tarifabschlüsse werfen sie jedoch zurück", erklärte der Verband. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Druck und Medien, Thomas Mayer, sagte, für die 180.000 Beschäftigten der Druckindustrie habe der Metallabschluss keine Signalwirkung.

In den Tarifverhandlungen der Druckbranche zeichnete sich keine Annäherung ab. Die Verhandlungen sollen am 15. Mai fortgesetzt werden. Mit dem Auslaufen der Friedenspflicht sind auch in dieser Branche Streiks möglich.