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Tarifeinigung:Deutlich mehr Geld für Leiharbeiter

Sie arbeiten zusammen, aber manche Kollegen bekommen weniger Geld. Das soll sich nun ändern. In der Metall- und Elektrobranche wird der Lohnunterschied zwischen Leiharbeitern und Festangestellten bald deutlich schrumpfen. Der Tarifvertrag soll als Muster für andere Branchen dienen.

Die Leiharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie bekommen mehr Geld. Die IG Metall und die Arbeitgeber der Zeitarbeit einigten sich auf einen entsprechenden Stufenplan. Ab der sechster Woche, die ein Leiharbeiter in einem Betrieb arbeitet, bekommt er nun gestaffelte Zuschläge auf den Lohn. Diese sollen den Unterschied zwischen dem Lohn der mindestens 240.000 Leiharbeiter und dem der Stammbeschäftigten teilweise ausgleichen, teilte die Gewerkschaft mit.

Die Verhandlungen waren nötig geworden, nachdem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor Monaten mit einem Gesetz gedroht hatte. Die Arbeitgeber begrüßen den Abschluss jetzt als Erfolg für die Tarifautonomie in Deutschland. Eingriffe des Gesetzgebers seien daher nun nicht notwendig.

Mit dem bislang beispiellosen Tarifwerk wird zwar ein Teil der Lohnlücke im Vergleich zu den Stammbelegschaften geschlossen, das Entgeltniveau der Festangestellten wird aber auch mit dem höchsten Zuschlag nicht erreicht. Eine tatsächliche Gleichbezahlung kann aber durch zusätzliche Einigungen auf betrieblicher Ebene vereinbart werden. Der Tarifvertrag soll auch als Muster für andere Branchen gelten.

Der Tarifvertrag soll am 1. November in Kraft treten und bis Ende 2017 laufen, so das Ergebnis der vierten Verhandlungsrunde mit dem Bundesverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ).

Dies sei ein wichtiger Schritt hin zur fairen Bezahlung von Leiharbeitnehmern, sagte die Verhandlungsführerin der IG Metall, Helga Schwitzer. Damit sei ein wesentliches Ziel zur Verbesserung der Bedingungen von Leiharbeitnehmern in der Metall- und Elektroindustrie erreicht worden.

Die Zuschläge beginnen mit einem Plus von 15 Prozent nach sechs Wochen und enden bei 50 Prozent Aufschlag nach neun Monaten. In der untersten Entgeltgruppe führt dies zu einem Plus zwischen 186 und 621 Euro, je nach Dauer des Einsatzes. In der obersten Entgeltgruppe, die zum Beispiel für entliehene Ingenieure gilt, wird das Plus zwischen 414 und 1380 Euro betragen.

Nach zwei Jahren bekommen Leiharbeiter einen Stammplatz

Die Einigung hängt eng mit dem am Samstag in Baden-Württemberg abgeschlossenen Pilotvertrag für die Metall- und Elektroindustrie zusammen, der den Betriebsräten einige Kontrollrechte beim Einsatz von Leiharbeitern einräumt. Nach zwei Jahren ununterbrochener Tätigkeit muss ihnen ein Stammarbeitsplatz angeboten werden.

Die Arbeitgeber beklagten die zusätzlichen Kosten, die voraussichtlich Arbeitsplätze kosten würden. "Der Jobmotor Zeitarbeit wird nun deutlich langsamer laufen. Leider wird dies negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, vor allem für Geringqualifizierte", sagte Verhandlungsführer Thomas Bäumer.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bezeichnete die Stufenlösung als richtigen Weg zur Gleichbezahlung, der auch Einarbeitungszeiten berücksichtige. Dies sei im Durchschnitt nach neun Monaten Einsatz im gleichen Betrieb erreicht. Das tarifliche Niveau der Zeitarbeit werde zwar erheblich verteuert. "Dennoch bin ich überzeugt, dass die Zeitarbeit für die Betriebe und den Arbeitsmarkt weiterhin erhebliche Bedeutung haben wird", sagte Hundt.