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Tarife:Auch in der Krise steigen die Löhne

Grossbaustelle auf dem Gelaende der Universitaetsklinik in Freiburg. T 2019 brummte die Baubranche, ob der Bauboom anhae

In der Bauwirtschaft laufen die Tarifgespräche. Sie sind schwierig.

(Foto: Winfried Rothermel/imago images)

Hans-Böckler-Stiftung legt Halbjahresbericht vor.

Von Benedikt Peters

Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft in eine schwere Rezession gestürzt - die Tariflöhne steigen im Jahr 2020 dennoch leicht an. Das geht aus der Halbjahresbilanz hervor, die das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch vorlegte. Über alle Branchen mit Tarifbindung hinweg ergibt sich demnach eine Steigerung von 2,1 Prozent. Dies liegt unter anderem an Abschlüssen, die Gewerkschaften und Arbeitgeber bereits in früheren Jahren vereinbart haben und die jetzt wirksam werden.

Die Corona-Pandemie macht sich aber insofern bemerkbar, als die Lohnsteigerungen geringer ausfallen als in den Vorjahren. 2018 und 2019 lag der Zuwachs bei drei und bei 2,9 Prozent. Aus der Bilanz geht außerdem hervor, dass die Gewerkschaften ganz unterschiedlich auf die aktuellen Herausforderungen reagieren - je nachdem, wie die jeweilige Branche von der Krise betroffen ist. "Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie hat sich die Tarifpolitik einmal mehr als ein effizientes und flexibles Regelungssystem erwiesen", sagt Thorsten Schulten, der Leiter des Tarifarchivs.

So legten einige Wirtschaftszweige, die mit besonders starken Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben, den Schwerpunkt vor allem darauf, bedrohte Arbeitsplätze zu erhalten und das Kurzarbeitergeld aufzustocken. Dies gelte etwa in der Metall- und Elektroindustrie. IG Metall und Arbeitgeber hatten sich im Frühjahr auf einen Not-Tarifabschluss mit einer Nullrunde bis Ende 2020 verständigt. Ganz anders hingegen sei das Bild in den Branchen, "in denen sich eine besondere 'Systemrelevanz' der geleisteten Arbeit erwiesen" habe. Dort forderten die Gewerkschaften nun "spürbare Lohnerhöhungen". Zu beobachten sei dies etwa bei den gerade gestarteten Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Unter den etwa 2,5 Millionen betroffenen Beschäftigten sind etwa Krankenpfleger, Erzieher und Busfahrer. Die Gewerkschaften Verdi und Deutscher Beamtenbund fordern für sie eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent oder mindestens 150 Euro bei kleineren Gehältern, dazu weitere Verbesserungen. Andere Branchen, die weniger stark von der Pandemie betroffen sind, haben bereits Entgelterhöhungen erzielt, so etwa die Energie- und Teile der Ernährungswirtschaft. Auch bei der Deutschen Telekom gibt es mehr Geld. Die Erhöhungen liegen zwischen 2,5 und drei Prozent.

© SZ vom 03.09.2020

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