Tankstellen Eine Frage des Timings

Tanken ist auch eine Frage der Standortwahl. Innerhalb einer Stadt gibt es große Preisunterschiede.

(Foto: Arno Burgi/dpa)

Innerhalb einer Stadt schwanken die Spritpreise im Tagesverlauf oft deutlich. Doch die Muster sind vorhersehbar.

Von Benedikt Müller, Düsseldorf

"Montag, Dienstag, Mittwoch, das ist ganz egal", diese Phrase eines berühmten Geburtstagsständchens gilt auch an Deutschlands Zapfsäulen. So ist das Tanken etwa am Wochenende nicht systematisch teurer als zum Wochenbeginn, schreibt das Bundeskartellamt im neuen Jahresbericht seiner Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Freilich ist der Wochentag so ziemlich das Einzige, wovon die Spritpreise nicht abzuhängen scheinen: Zu welcher Uhrzeit und wo Autofahrer tanken, ist hingegen sehr bedeutsam.

So schwanken die Preise an ein und derselben Tankstelle im Lauf eines Tages im Durchschnitt um zehn Cent pro Liter. "Das tägliche Auf und Ab der Preise ist aber grundsätzlich gut vorhersehbar", sagt Andreas Mundt, Präsident des Kartellamts. In aller Regel sei Sprit abends günstiger als morgens. Neuerdings verteuerten die Tankstellen vor allem gegen 10 Uhr, gegen 13 Uhr und von 16 Uhr an den Kraftstoff. "Dazwischen fallen die Preise jeweils wieder", heißt es im Bericht. Erst zur Nacht würden sie wieder steigen und hoch bleiben.

Die Preisspanne wird noch größer, wenn Autofahrer aus mehreren Tankstellen in der Nähe wählen können. Innerhalb ein und derselben Stadt schwanken die Preise im Lauf eines durchschnittlichen Tages um 20 Cent pro Liter. Doch meistens könne man einen Anbieter, der am einen Tag mit Schnäppchen aufwartet, getrost bei nächster Gelegenheit wieder anfahren: "Bestimmte Tankstellen sind fast immer deutlich günstiger als andere", sagt Mundt.

Insbesondere sei der Liter Sprit an Autobahnzapfsäulen im Durchschnitt 15 Cent teurer als an Straßentankstellen, heißt es in dem Bericht. Autohöfe hingegen, die in der Regel nur wenige Hundert Meter von Autobahnabfahrten entfernt sind, seien im Mittel nur ein paar Cent teurer als Straßentankstellen. "Ein wenig Planung für den Weg zur Arbeit oder die Urlaubsreise lohnt sich", resümiert Mundt. Knapp 15 000 Tankstellen bundesweit müssen ihre Preise der Markttransparenzstelle melden; sie gibt die Daten an Informationsdienste und Tank-Apps weiter.

Die Marktwächter blicken auf ein Jahr 2018 zurück, in dem sich die Spritpreise deutlich stärker verändert haben als in Vorjahren. Kostete der durchschnittliche Liter Benzin zu Jahresbeginn und zum Ende hin knapp 1,40 Euro, leuchteten im November mehr als 1,55 Euro auf der Preisanzeige auf. Denn in der zweiten Jahreshälfte entwickelten sich die Spritpreise und der Rohölpreis "ganz erheblich auseinander", heißt es in dem Bericht. Damals war der Liter vor allem in Süddeutschland bis zu 20 Cent teurer als im Norden. Die Branche verweist auf Transportprobleme wegen des historisch niedrigen Rheinpegels im Sommer und die Auswirkungen eines Raffineriebrandes in Vohburg bei Ingolstadt.