Talente: Carsten Schneider und Steffen Kampeter (1) Ein seltsames Paar

Carsten Schneider und Steffen Kampeter trennt mehr, als sie verbindet - und doch harmonieren sie als Spar-Duo der großen Koalition.

Von Guido Bohsem

Carsten Schneider (SPD) und Steffen Kampeter (CDU) sind eines dieser odd couples, dieser seltsamen Paare, die die große Koalition hervorbringt. Nichts, so scheint es, passt zusammen. Schneider ist schlank und sportlich. Kampeter geht die Treppe allenfalls runter. Der Ossi Schneider ist leise, der Wessi Kampeter laut. Kampeter kann nur schlecht stillsitzen, Schneider angelt gern. Schneider hat Haare auf dem Kopf, Kampeter auf den Wangen.

Steffen Kampeter (links) von der CDU und Carsten Schneider (SPD)

(Foto: Foto: oh)

Die beiden Männer verkörpern die große Koalition im Kleinen. Die äußerlichen Unterschiede sind riesig, und doch funktioniert das politische Zusammenspiel erstaunlich gut, weil die inhaltlichen Überzeugungen gar nicht so weit auseinander reichen. Kampeter und Schneider sind die obersten Haushalts-Experten der beiden größten Bundestagsfraktionen.

Hart in der Sache

Der Haushaltsausschuss gilt als das mächtigste Gremium im Bundestag. Die Haushälter halten den Daumen auf die Kassen des Bundes. Ohne sie kann Kanzlerin Angela Merkel (CDU), kann Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), kann der ganze Bund keinen Cent seines 283,2 Milliarden Euro schweren Etats ausgeben. Das sorgt dafür, dass sie von ihren Kollegen, von Ministern und Staatssekretären gefürchtet und umschmeichelt werden.

Kampeter und Schneider haben Einfluss durch Sachpolitik, in den großen strategischen Diskussionen der Koalition spielen sie eine untergeordnete Rolle. Noch sind sie Politiker der zweiten Reihe. Obwohl sie regelmäßig und häufig in den Zeitungen auftauchen, kennen die meisten Bürger ihre Namen nicht. Hinterbänkler sind sie aber nicht mehr.

Lokal gut verankert

Da es eines der wichtigsten Ziele des Regierungsbündnisses aus Union und SPD ist, mit der Schuldenmacherei aufzuhören, sitzen Schneider und Kampeter zudem an einer strategisch wichtigen Stelle. Gelingt es der Koalition, 2011 zum ersten Mal seit gut 40 Jahren keine neuen Kredite mehr aufzunehmen, hat das auch mit Schneider und Kampeter zu tun.

Damit es gelingt, müssen sie die Ministerien immer wieder daran hindern, zu viel Geld auszugeben. Sie müssen ihren Kollegen im Parlament deutlich machen, dass Sparen angesagt ist, obwohl die Kassen des Staates wegen der guten Wirtschaftsentwicklung gut gefüllt sind. Für diese Position, für diese Aufgabe sind beide noch ziemlich jung. Schneider sowieso, er ist seit kurzem 32. Aber auch Kampeter zählt mit seinen bald 45 Jahren noch zu den Nachwuchstalenten im Politikbetrieb. Schneider hat seinen Wahlkreis in Erfurt dreimal gewonnen, der in Minden geborene Kampeter zog fünfmal über die nordrhein-westfälische Landesliste in den Bundestag ein.

Viele ihrer Vorgänger sitzen heute in zentralen Position. Michael Glos (CSU) ist Wirtschaftsminister, Peter Struck (SPD) Fraktionschef, um nur zwei zu nennen. Kampeter und Schneider werden noch Politik machen, wenn Struck und Glos schon in Rente sind. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob der Sparkurs tatsächlich gelingen kann, ob sich die Arbeit der vergangenen Jahre ausgezahlt hat.