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Tabakindustrie:Warum es den Tabakherstellern trotz allem blendend geht

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Aus dem Film sind die rauchenden Helden fast gänzlich verbannt - im Café trifft man sie noch.

(Foto: KENZO TRIBOUILLARD/AFP)
  • Der Verdacht liegt nahe, dass Anti-Rauchen-Kampagnen und neue Schockbilder auf Verpackungen den Zigarettenherstellern zu schaffen machen.
  • Doch das stimmt nicht: Zwar sinken EU-weit die Zigarettenverkäufe, den Herstellern geht es jedoch weiterhin blendend.
  • Grund sind steigende Preise, neue Märkte in Schwellenländern und Produktentwicklungen wie die E-Zigarette.

Es gab eine Zeit, als die erste Zigarette für Jugendliche eine Mutprobe war. Der Glimmstängel war cool, verhieß Unabhängigkeit und Abenteuer. Mittlerweile verlangt es eher Mut von den Tabakkonzernen, sich mit den jungen Menschen zu beschäftigen. Die Zahl der Raucher zwischen 12 und 17 Jahren ist in Deutschland seit 2001 von 28 auf unter zehn Prozent gefallen. Der Nachwuchs ist gesundheitsbewusst. Auch unter den Erwachsenen greift EU-weit nur noch jeder Vierte zur Zigarette. Die Zigarettenverkäufe sinken.

Dazu kommen Werbeverbote, Warnhinweise und seit vergangenem Freitag auch die Pflicht, Schockbilder mit schwarzen Lungenflügeln oder Zahnstummeln auf der Packung zu zeigen. Man sollte meinen, der Tabakindustrie ginge es schlecht. Tatsächlich aber läuft es blendend. Höhere Preise, neue Märkte und Produktentwicklungen geben Anlass zu Optimismus.

Die vier großen Tabakkonzerne, die auch den deutschen Markt dominieren, machen seit Jahren hohe Gewinne und belohnen ihre Anleger mit üppigen Ausschüttungen. Das Geschäft mit den Nikotinsüchtigen ist wenig krisenanfällig. Das bestätigt auch der Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes: "Wir kämpfen gegen jede Form von überbordender Regulierung. Unser Geschäftsmodell ist aber bisher nicht bedroht", sagt Jan Mücke.

Ipad Zigaretten

SZ-Grafik/Ilona Burgarth

Der globale Tabakmarkt könnte sogar weiter wachsen, schätzen Analysten

"Der Gewinn im Tabakgeschäft ist weiter stark, und die Margen liegen bei mehr als 30 Prozent", sagt Ivan Bascle, Tabakexperte bei der Unternehmensberatung Boston Consulting. Weltweit könnte der Tabakmarkt sogar weiter wachsen, bis 2019 um etwa neun Prozent, schätzen Analysten.

Besonders im Westen stammen höhere Umsätze aber vor allem aus höheren Preisen und Steuern. Im Unterschied zu anderen Branchen kann sich die Tabakindustrie das erlauben. Schließlich ist Rauchen eine Sucht. Wer seit Jahrzehnten zur Zigarette greift, hört nicht auf, nur weil die Packung ein paar Cent teurer wird. "Es ist schwierig, ein ähnlich attraktives Geschäftsmodell zu finden", sagt Berater Bascle.

Trotzdem reagieren die Tabakkonzerne auf die schärfere Regulierung in den Industrienationen. In Deutschland nutzen sie die Ekelbilder-Auflage, um das Sortiment neu zu ordnen und stärker auf Profit zu trimmen. Die Maschinen auf die neue Packungsgestaltung umzustellen, kostet Geld - das man bei weniger gewinnträchtigen Nischenmarken nicht einsetzen will. So streicht der Hersteller von Lucky Strike und Pall Mall, British American Tobacco (BAT), die Randmarken Winfield und Golden American aus dem Sortiment. Was mit den Traditionsmarken Lux, Kurmark, Krone oder Peer 100 passieren wird, ist noch nicht entschieden. Gauloises-Produzent Reemtsma rangierte schon 2015 unter anderem die Marken Eckstein No. 5, Salem No. 6 und Atika aus.

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Das Schreckgespenst der Tabakbranche: Einheitsverpackungen

Der Kahlschlag hat einen weiteren Grund: Wenige, starke Marken könnten in Zukunft besonders wichtig sein, falls ein Schreckgespenst der Tabakbranche auch in Deutschland Realität würde: Einheitsverpackungen für alle Zigaretten, ohne Logo und Firmenfarben.

Es gibt sie bereits in Australien, bald auch in Frankreich und Großbritannien. Nischenmarken hätten kaum noch Chancen, wahrgenommen zu werden. "Die Menschen erinnern sich an starke Marken und halten ihnen die Treue, auch wenn sie keine Logos mehr auf den Packungen sehen", sagt Tabakfachmann Ivan Bascle. Größe ist entscheidend.