T-Systems Telekom-Tochter drängt Mitarbeiter zu Neubewerbung

Bei T-Systems sollen Tausende Jobs wegfallen.

(Foto: dpa-tmn)

Bei T-Systems steht ein radikaler Stellenabbau bevor. 3000 Beschäftigte sollen sich nun neu bewerben - auf 1200 Jobs.

Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Bei der Deutschen Telekom stehen Tausende Beschäftigte vor einer ungewissen Zukunft. Von Mitte September an werden sich etwa 3000 Mitarbeiter der Konzerntochter T-Systems neu bei ihrem Arbeitgeber bewerben müssen. Diese erste Ausschreibung betreffe vor allem Beschäftigte in der Verwaltung in Deutschland, bestätigt ein Konzernsprecher. Die 3000 Bewerber konkurrieren um nur etwa 1200 verbleibende Stellen.

T-Systems hatte bereits im Juni bekanntgegeben, in den nächsten drei Jahren 10 000 Arbeitsplätze streichen oder verlagern zu wollen, davon 6000 in Deutschland. "Dabei wollen wir sozialverträglich vorgehen", sagte T-Systems-Chef Adel Al-Saleh. Der US-Amerikaner, der als knallharter Sanierer gilt, ist Anfang des Jahres zur Telekom gewechselt.

Wer in der nun geplanten Ausschreibung keinen neuen Job bekommt, kann in eine Servicegesellschaft der Telekom wechseln. Dort sollen die Beschäftigten weitergebildet werden, sodass sie sich schließlich auf andere Stellen innerhalb oder außerhalb des Konzerns bewerben könnten. Zudem hat die Telekom ein Abfindungsprogramm aufgelegt. Ältere T-Systems-Beschäftigte könnten auch in Altersteilzeit wechseln, sagt der Sprecher. An der privatisierten Telekom ist der Staat noch zu knapp 32 Prozent beteiligt.

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In den nächsten Jahren will T-Systems weitere Stellen nach Indien und Ungarn verlagern

T-Systems beschäftigt weltweit gut 37 000 Menschen. Das Unternehmen leidet derzeit unter dem harten Wettbewerb im Kerngeschäft: der Wartung von IT-Systemen anderer Firmen. Allein 2017 erhielt T-Systems 23 Prozent weniger Aufträge als im Vorjahr. Al-Saleh will nun die Kosten senken. In den kommenden beiden Jahren plant T-Systems, weitere 2000 Arbeitsplätze in Länder mit niedrigeren Löhnen zu verlagern: etwa nach Indien oder Ungarn. Im Zuge einer stärkeren Automatisierung sollen zudem 2000 Stellen ersatzlos wegfallen. Das genaue Vorgehen sei jedoch noch Gegenstand von Verhandlungen, heißt es.

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert den geplanten Kahlschlag. "Wir vermissen weiterhin eine langfristige Strategie für T-Systems", sagt Bundesfachgruppenleiter Michael Jäkel. Verdi verhandelt seit Monaten mit dem Management über einen neuen Tarifvertrag für 11 000 Beschäftigte in Deutschland - bislang ohne Kompromiss. Der derzeitige Tarifvertrag schützt die Mitarbeiter nur bis Jahresende vor betriebsbedingten Kündigungen.

In anderen Bereichen von T-Systems ist die Lage besser als im Kerngeschäft mit der Serverwartung. Der IT-Dienstleister sichert etwa Firmen vor Hackerangriffen ab und betreibt große Rechenzentren, damit Unternehmen ihre Daten in der virtuellen Cloud speichern können. In solchen Zukunftsfeldern will die Telekom-Tochter künftig weiter wachsen.

Technik von T-Systems soll auch in der elektronischen Gesundheitskarte zum Einsatz kommen, damit Ärzte und Kliniken künftig Daten ihrer Patienten sicher austauschen können. Technische Probleme in der Entwicklung haben dieses Projekt jedoch um Jahre verzögert. Probleme gibt es auch bei einem gemeinsamen Projekt mit Microsoft. Das US-Unternehmen hat eine neue Cloud mit sicherem Datenspeicher in Deutschland angeboten. In dieser Woche hat Microsoft allerdings angekündigt, diese Cloud fortan nicht mehr zu vertreiben: Dem Konzern ist die Nachfrage zu gering.

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