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T-Mobile-US-Chef fliegt von AT&T-Party:Magenta? Raus!

T-Mobile-Chef John Legere

Unerwünscht im Magenta-Shirt: T-Mobile-US-Chef John Legere

(Foto: dpa)

Der Chef von T-Mobile US, John Legere, geht in einem Shirt in der Farbe seiner Firma auf die CES-Party der Konkurrenz. Dort hört er ein bisschen Rap. Sicherheitsleute werfen ihn raus. Das ist zwar rüde, aber auch ein Zeichen, dass er ernst genommen wird.

Eigentlich, so beteuerte er später, habe er nur den Auftritt des Rappers Macklemore sehen wollen. Allerdings hatte John Legere, Chef des amerikanischen Mobilfunkanbieters T-Mobile, auch einiges dafür getan, auf der Party des Konkurrenten AT&T entdeckt und von Sicherheitsleuten hinauskomplimentiert zu werden. Unter seiner Lederjacke trug er ein T-Shirt in Magenta. Dass Legere nach nicht einmal 15 Minuten aus der Show des Rivalen rausgeschmissen wurde, ist mehr als eine Anekdote vom Rande der Consumer Electronic Show (CES). Es ist ein sicheres Indiz dafür, dass die großen Anbieter ihn ernst nehmen.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat der 55-Jährige den Chefposten bei der angeschlagenen Telekom-Tochter übernommen. Legere kennt sich aus in der Branche. Auch bei AT&T hat er lange Zeit gearbeitet. An den Konzern hatte die Telekom ihre US-Tochter ursprünglich verkaufen wollen, weil die Kosten in den dringend notwendigen Ausbau der Netze immer größer wurden - und bei den stetig sinkenden Preisen nur wenig zu holen war. Doch der Deal scheiterte am Widerstand der US-Wettbewerbshüter. Also musste es T-Mobile auf eigene Faust schaffen. Und Legere, der einstige AT&T-Mann, setzte dazu voll auf Angriff: Seinen ersten Auftritt als T-Mobile-Chef auf der CES im vergangenen Jahr nutzte er bereits, um kräftig gegen die Konkurrenz zu poltern: Ob irgendjemand mit dem Netzwerk von AT&T zufrieden sei, fragte er ins Publikum, um dann selbst die Antwort zu geben: "Das ist Schrott." Und der andere große Anbieter Verizon? Dessen Datenpakete seien viel zu knapp bemessen. Wie solle man denn dort bitte Pornos auf dem Handy anschauen?

Es blieb nicht nur bei frechen Worten: Legere führte neue Billigtarife ein, löste die Fesseln von langlaufenden Verträgen. Und auf der CES kündigte er an, die Gebühren zu übernehmen, die Konkurrenten von Kunden verlangen, wenn diese vorzeitig ihren Vertrag kündigen. Und damit diese neuen Kunden nicht irgendwann frustriert im Funkloch stehen, nahm Legere kürzlich sogar 2,3 Milliarden Dollar in die Hand, um Funkfrequenzen zu kaufen und so das löchrige Netz zu stopfen.

So lockt der Krawallmacher stetig Kunden. So viele, dass die Konkurrenz zurückschlägt. Vergangene Woche hatte AT&T-Chef Randall Stephenson den Kunden von T-Mobile bis zu 450 Dollar Guthaben angeboten, falls sie zu seinem Unternehmen wechseln. Legere reagierte prompt mit einem spöttischen Tweet: "Erinnerst du dich, im September hast du gesagt, dass T-Mobile dein Geschäft nicht beeinflusst hat. Klar, deswegen bestichst du Kunden."

In Bonn betrachtet man das Treiben jenseits des Ozeans mit einiger Erleichterung. T-Mobile war lange ein Problemfall. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Deutsche Telekom, die noch 67 Prozent an dem amerikanischen Anbieter hält, sich gern aus den USA zurückziehen würde. Erste Interessenten, die dem deutschen Konzern bis zu 20 Milliarden Dollar zahlen könnten, haben sich bereits gemeldet. Legere soll die zu vermählende Tochter nur noch aufhübschen.

Bisweilen schießt der umtriebige Manager dabei auch mal übers Ziel hinaus: So hat er im Herbst etwa die Sängerin Shakira in einem Park in New York auftreten lassen. Nachdem sie ihre Hüften geschwungen hatte, sprang Legere auf die Bühne - und verkündete mal eben, dass er die Roaming-Gebühren für seine Kunden abschafft. Er ist er nicht darauf angewiesen. Welcher Amerikaner reist schon groß durch die Welt? In Europa ist das anders. Und so war man in Bonn nicht gerade begeistert von diesem Auftritt. Wie sollte man da nun bei der EU glaubhaft machen, dass man diese Zuschläge auch weiterhin dringend braucht?

© SZ vom 09.01.2014
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