Wasserstoff:Einfach mal anfangen

Lesezeit: 1 min

Wasserstoff ist ein umstrittener Energieträger. Nun fordern Pierre Godart, Deutschland-Chef des Raketenbauers Ariane, und die Wirtschaftweise Veronika Grimm einen pragmatischeren Umgang.

Von Max Hägler

Wasserstoff ist eines der umstrittensten Industriethemen. Für die einen ist es ein weitgehend unsinniger Energieträger, denn es braucht viel Strom, um H2 herzustellen - wieso also den Strom nicht direkt nutzen? Für andere ist es hingegen der "Champagner" der Transformationen, der perfekte Ersatz für Öl und Gas. Zu Beginn des Wirtschaftsgipfels plädierte auch Infineon-Chef Reinhard Ploss für den Ausbau dieser Technik.

Auf dem expliziten Wasserstoff-Panel des SZ-Gipfels zeigten nun ausgewiesene Kenner des Moleküls auf, dass die Wahrheit - wie so oft - wohl in der Mitte liegt. Pierre Godart, Deutschland-Chef des Raketenbauers Ariane, lobte einerseits den Energieträger: Seit 40 Jahren flögen die Ariane-Raketen mit Wasserstoff, dabei werde alle 50 Sekunden eine Badewanne voll von dem Stoff verbrannt, der teurer sei als Kerosin-Sauerstoff-Gemische, aber effizienter. Nun sollte man diese Expertise nutzen und breiter zur Anwendung bringen, etwa in der Luftfahrt oder im Schwerverkehr. Tatsächlich arbeitet die Ariane-Group bereits mit Airbus beziehungsweise Daimler Trucks zusammen. Aber: Für normale Autos hält Godart den Wasserstoff für nicht allzu gut geeignet. Weil sich Elektromobilität durchsetze und weil der Umgang mit H2 recht "komplex" sei - womit auch das Explosionspotenzial gemeint ist.

Mit theoretischer Expertise nimmt Veronika Grimm an dieser Diskussion teil. Die Volkswirtin lehrt an der Uni Erlangen-Nürnberg und berät die Bundesregierung als "Wirtschaftsweise". Auch sie sagt: Wasserstoff sei nicht die Lösung für die Energieträger-Frage, aber: Er sei "ein Teil der Lösung". Sogar womöglich beim Automobil in mittlerer Zukunft, das sei letztlich eine Frage, die Kunden entscheiden würden. Was wiederum abhängig ist vom Angebot. "Technologisch sind wir da schon dabei, wir müssen es bloß umsetzen, sonst sind wir irgendwann hintendran am Weltmarkt", warnt Grimm. Natürlich kennt sie die Debatte bestens, dass "grüner" Wasserstoff, also jener aus nachhaltigem Strom, knapp ist - und drei-, viermal teurer als jener aus dem üblichen Strommix. Deswegen müsse man nun "pragmatisch" vorgehen in Deutschland, fordert sie: Nicht sofort hundert Prozent grünen Wasserstoff einfordern, sondern erst einmal die Anlagen dafür aufbauen, so wie es die Asiaten vormachten. Oder wie Ariane-Chef Godart sagt: "Wenn wir perfekt sein wollen, sind andere schneller, dann werden wir überrollt."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB