Sina Kampe
Das war der SZ Wirtschaftsgipfel 2025
Es waren drei ereignisreiche Tage beim 19. SZ Wirtschaftsgipfel in Berlin: der Auftakt am Montag mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der Auftritt von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) am Dienstag und schließlich das Finale am Mittwoch mit Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Insgesamt gab es mehr als 30 Panels, Interviews und Diskussionen mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Politik. Der Liveblog zum Nachlesen.
Tobias Bug
„Wir werden hoffentlich Anfang 2027 in den 20er-Jahren ankommen"
Karsten Wildberger (CDU), Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, gibt auf der Bühne des SZ Wirtschaftsgipfels einen Überblick über seine Digitalisierungsagenda. „Bei der Staatsmodernisierung kommen wir voran. Aber es ist mühsam", sagt Wildberger. Übernächstes Jahr soll in Deutschland die digitale Wallet kommen, mit der sich Bundesbürger digital identifizieren können. „Wir werden hoffentlich Anfang 2027 in den 20er-Jahren ankommen", sagt Wildberger.
Am Vortag war der Minister Gastgeber des Digitalgipfels in Berlin. Dort diskutierte er mit Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Ministern aus anderen EU-Staaten darüber, wie Europa in der digitalen Technologie unabhängiger von US-Konzernen werden kann. Den Gipfel habe er mit großer Energie verlassen, sagt Wildberger, „weil wir nicht nur reden, sondern wirklich ins Machen kommen."
Foto: Johannes Simon
Sina Kampe
Wadephul: „Ich kann mich vor Einladungen kaum retten“
Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist erst vergangene Nacht vom Balkan zurückgekommen und betont auf der Bühne des Wirtschaftsgipfels, dass Deutschland im Ausland nach dem Amtsantritt der schwarz-roten Regierung wieder in einer „Führungs-Vorbild-Rolle“ wahrgenommen werde. „Der internationale Auftritt der Bundesregierung ist sehr geschlossen“, so Wadephul. Und: „Ich kann mich vor Einladungen kaum retten.“
Eine geplante Reise des Ministers nach China wurde allerdings kürzlich wegen diplomatischer Differenzen abgesagt. Er wolle den Antrittsbesuch nun bald nachholen, erklärt Wadephul. „China ist für uns Partner und Wettbewerber. Es gibt aber auch eine systemische Rivalität.“
Seine persönliche Agenda laute: „Freiheit, Sicherheit, Wohlstand.“ Erstmals äußert sich Wadephul beim SZ Wirtschaftsgipfel auch ausführlich zu der von ihm ausgelösten Syrien-Debatte. Er stehe weiterhin dazu, dass Rückführungen in das vom Krieg zerstörte Land nur eingeschränkt möglich seien. Das sei nach einem Besuch in Damaskus seine „nüchterne Analyse“ – „als Christdemokrat, als Mensch, als Politiker".
Seine persönliche Agenda laute: „Freiheit, Sicherheit, Wohlstand.“ Erstmals äußert sich Wadephul beim SZ Wirtschaftsgipfel auch ausführlich zu der von ihm ausgelösten Syrien-Debatte. Er stehe weiterhin dazu, dass Rückführungen in das vom Krieg zerstörte Land nur eingeschränkt möglich seien. Das sei nach einem Besuch in Damaskus seine „nüchterne Analyse“ – „als Christdemokrat, als Mensch, als Politiker".
Foto: Johannes Simon
Wadephul erzählt, er sei durch ein „völlig zerbombtes Damaskus“ gefahren, habe sich von einem Ortsbürgermeister die Situation schildern lassen: „Keine Elektrizität, kein Wasser“. Man dürfe nicht die Empathie und den Blick für die Wirklichkeit dort verlieren, so der Außenminister. Klar sei aber auch: Es brauche Menschen, die das Land wieder aufbauen – und dabei wolle Deutschland unterstützen.
„Syrien ist ein tolles Land, ein diverses Land und ein Land was dringend Frieden braucht“, sagt Wadephul. „Ich will hier mal offenbaren, dass sowohl mein Hausarzt als auch mein Zahnarzt aus Aleppo kommen.“ Viele Syrerinnen und Syrer seien in Deutschland mittlerweile gut integriert. „Auch über solche Beispiele kann man mal reden.“
„Syrien ist ein tolles Land, ein diverses Land und ein Land was dringend Frieden braucht“, sagt Wadephul. „Ich will hier mal offenbaren, dass sowohl mein Hausarzt als auch mein Zahnarzt aus Aleppo kommen.“ Viele Syrerinnen und Syrer seien in Deutschland mittlerweile gut integriert. „Auch über solche Beispiele kann man mal reden.“
Sina Kampe
Impressionen vom dritten Gipfeltag
Der 19. SZ Wirtschaftsgipfel im Berliner Hotel Adlon neigt sich langsam dem Ende zu. Finden Sie sich auf den Bildern vom heutigen Mittwoch wieder? Einfach durch die Slideshow klicken.
Sonja Salzburger

Eon-Chef: Klimaschutz muss „ein richtig gutes Geschäft" sein
Energie zu teuer? Deutschland in der Krise? Diese Fragen diskutiert Lisa Nienhaus, Leiterin des SZ Wirtschaftsgipfels, mit Leonhard Birnbaum. Der Deutsch-Italiener und frühere McKinsey-Berater ist seit April 2021 Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns Eon und Chef von etwa 75000 Mitarbeitenden. Zum von der Bundesregierung beschlossenen Industriestrompreis, der innerhalb von drei Jahren rund drei Milliarden Euro kosten soll, sagt Birnbaum, dass er grundsätzlich gegen jede Subvention sei. In dem Fall fände er sie aber in Ordnung, um Zeit zu gewinnen. Allerdings: Die drei Jahre, in denen der Industriestrompreis gilt, müsse genutzt werden, um die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern. Sonst sei es so, als würde man ein Pflaster auf eine Wunde kleben, die immer größer wird und irgendwann könne man sich die Größe des Pflasters nicht mehr leisten.
Beim Klimaschutz und dem Ausbau erneuerbarer Energien warnt Birnbaum vor zu viel Aktionismus. Die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Bevölkerung sei nur gegeben, wenn es den Menschen wirtschaftlich gut gehe. Das habe eine Umfrage der Eon-Stiftung gezeigt. Auch das Ausland werde sich an Deutschland nur ein Beispiel nehmen, wenn das Land signalisiere, dass die Industrie nicht überfordert werde: „Klimaschutz kriegt man nur hin, wenn es ein richtig gutes Geschäft ist.“
Beim Klimaschutz und dem Ausbau erneuerbarer Energien warnt Birnbaum vor zu viel Aktionismus. Die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Bevölkerung sei nur gegeben, wenn es den Menschen wirtschaftlich gut gehe. Das habe eine Umfrage der Eon-Stiftung gezeigt. Auch das Ausland werde sich an Deutschland nur ein Beispiel nehmen, wenn das Land signalisiere, dass die Industrie nicht überfordert werde: „Klimaschutz kriegt man nur hin, wenn es ein richtig gutes Geschäft ist.“
Leonhard Birnbaum, CEO von Eon. Foto: Johannes Simon
Lea Hampel
Civey-Chefin sieht Vertrauensverlust in die Politik
Janina Mütze, Chefin und Gründerin des Marktforschungsinstituts Civey, glaubt, dass nicht allein politische Maßnahmen reichen, damit es mit Deutschland wirtschaftlich wieder bergauf geht. Sie präsentiert am Mittwochmorgen Daten einer Umfrage über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Sozialstaat, die Civey exklusiv für die SZ durchgeführt hat. Sie selbst, sagt sie, war überrascht, dass der Sozialstaat nicht nur als nicht funktional empfunden wird, sondern dass er „nicht mal als gerecht empfunden wird", so Mütze.
Um das und die Stimmung insgesamt zu drehen, sieht sie alle Akteure in der gemeinsamen Verantwortung: die Politik, die Unternehmen, die Bevölkerung. „Wir haben hier alle eine Aufgabe." Die Politik müsse aufhören, nur anzukündigen und nicht zu liefern, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. Aber auch die Unternehmen müssten mithelfen: „Die Politik allein wird es nicht schaffen." Eine destruktive Diskussion aus der Wirtschaft könne sich Deutschland nicht leisten. „Wir müssen unsere eigenen Hausaufgaben machen", so Mütze. Wenn man Mitarbeitenden im Kleinen vermittle, wirksam zu sein, sei das ein wichtiger Beitrag.
Um das und die Stimmung insgesamt zu drehen, sieht sie alle Akteure in der gemeinsamen Verantwortung: die Politik, die Unternehmen, die Bevölkerung. „Wir haben hier alle eine Aufgabe." Die Politik müsse aufhören, nur anzukündigen und nicht zu liefern, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. Aber auch die Unternehmen müssten mithelfen: „Die Politik allein wird es nicht schaffen." Eine destruktive Diskussion aus der Wirtschaft könne sich Deutschland nicht leisten. „Wir müssen unsere eigenen Hausaufgaben machen", so Mütze. Wenn man Mitarbeitenden im Kleinen vermittle, wirksam zu sein, sei das ein wichtiger Beitrag.
„Wo bleibt der Herbst der Reformen?", war das Thema des Beitrags der Civey-Gründerin Janina Mütze. . Foto: Johannes Simon
Sonja Salzburger

Wenn die Welt eine Bundesliga wäre ...
Der frühere Fußballprofi Oliver Bierhoff ist heute Unternehmer und Finanzberater. Wenn die Welt eine Bundesliga wäre – welcher Verein wäre Deutschland? Das will SZ-Vizechefredakteur Ulrich Schäfer von ihm wissen. „Bayern München sind wir gerade nicht, da könnte man vielleicht China oder die USA zu zählen“, antwortet Bierhoff. „Leipzig und Leverkusen sind wir auch nicht. Also vielleicht der FC Köln.“ Der Klub war 2024 in die zweite Liga abgestiegen und ist dieses Jahr wieder aufgestiegen.
Bierhoff vergleicht Kanzler Friedrich Merz mit einem Trainer, der Maßnahmen ankündigt, „und am nächsten Tag weicht er 50 Prozent der Maßnahmen auf“ – und zwar auf Druck von außen. Er vermisse den Mut, „klare Kante zu zeigen". Der Unternehmer betont, dass er sich Sorgen um die deutsche Wirtschaft mache. Eigentlich sei sie stark, aber Investitionen würden derzeit eher im Ausland getätigt als hierzulande. Bierhoff sagt, er habe nicht gerade viel Vertrauen, dass die Politik in Zukunft „die richtigen Entscheidungen trifft.“
Mein Kollege Caspar Busse hat Bierhoffs Auftritt für Sie zusammengefasst.
Bierhoff vergleicht Kanzler Friedrich Merz mit einem Trainer, der Maßnahmen ankündigt, „und am nächsten Tag weicht er 50 Prozent der Maßnahmen auf“ – und zwar auf Druck von außen. Er vermisse den Mut, „klare Kante zu zeigen". Der Unternehmer betont, dass er sich Sorgen um die deutsche Wirtschaft mache. Eigentlich sei sie stark, aber Investitionen würden derzeit eher im Ausland getätigt als hierzulande. Bierhoff sagt, er habe nicht gerade viel Vertrauen, dass die Politik in Zukunft „die richtigen Entscheidungen trifft.“
Mein Kollege Caspar Busse hat Bierhoffs Auftritt für Sie zusammengefasst.
Sina Kampe
Die Highlights vom Dienstag
Vierzehn Panels und Gespräche gab es heute auf der Bühne des SZ Wirtschaftsgipfels im Berliner Hotel Adlon. Die Highlights im Überblick.
- Bärbel Bas (SPD) im Angriffsmodus: Angesichts der Rentendebatte wirft die Bundesarbeitsministerin der Jungen Gruppe der Unionsfraktion vor, die Koalition in Gefahr zu bringen (SZ Plus). Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar von Henrike Roßbach: Der Urfehler ist der Union bereits in den Koalitionsverhandlungen passiert (SZ Plus).
- Trotziger Optimismus: Der französische Wirtschaftsminister Roland Lescure zeigt sich trotz zahlreicher Probleme im eigenen Land zuversichtlich. „Wir lernen es auf die harte Weise“ – ein Artikel von Sina-Maria Schweikle (SZ Plus).
- Die Gipfelstürmer Awards 2025: Drei Start-ups wurden für ihre besonders innovativen Ideen ausgezeichnet. Alle Details zu den Preisträgern liefert Tobias Bug.
Mit einer Berliner Nacht klingt der Tag nun im Fotografiska Museum aus.
Die Abendveranstaltung im Fotografiska Berlin. Foto: Johannes Simon
Lea Hampel
Mehr Arbeiten? Die Qualität zählt, nicht die Quantität
Deutschland diskutiert darüber, wie viel mehr die Menschen arbeiten müssen. Dabei kommt es gar nicht unbedingt auf die Zahl der Arbeitsstunden an, finden die beiden Diskussionsteilnehmer Fränzi Kühne und Thomas Schulz. Kühne ist CDO bei Edding und zuständig für die digitale Transformation des Unternehmens. Thomas Schulz ist Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE. Die beiden sind selbst die besten Beweise für ihre eigenen Thesen: Kühne arbeitet derzeit 55 Prozent im Jobsharing und auch Bilfinger-Chef Schulz nimmt sich zumindest jeden Samstag und große Teile des Sonntags frei.
Das Problem sieht vor allem Schulz eher in der Produktivität. Er hat lange im Ausland gearbeitet, unter anderem zehn Jahre in Dänemark. Bei seiner Rückkehr sei er erstaunt gewesen über die Zustände hier. „Ich bin immer noch geschockt über die deutsche Ausbildungsqualität“, sagt er auf der Bühne des SZ Wirtschaftsgipfels. Es würden sogar viele Stunden gearbeitet, sagt Schulz – aber die Ergebnisse reichten nicht aus. „Es geht mir gar nicht darum, dass meine Leute 60 Stunden pro Woche klotzen. Sondern, dass wir produktiver arbeiten.“
Auch Kühne ist überzeugt: „Entscheidend ist nicht die Zahl der Stunden, sondern das, was dabei rumkommt.“ Sie glaubt sogar: Gerade der Fakt, dass sie nicht zu 100 Prozent an nur einer Sache arbeite, sei gut, das gebe ihr andere Impulse. Den Job bei Edding hätte sie ohne die Möglichkeit zum Jobsharing gar nicht angetreten – und sie hat auch während der vergangenen Jahre von dieser Arbeitsteilung profitiert: „Geteiltes Leid ist halbes Leid, man kann sich besser austauschen, man geht durch harte Zeiten gerade in mittelständisch geprägten traditionellen Unternehmen“, so Kühne. Solche Optionen sollten Firmen aus ihrer Sicht auf jeden Fall bieten.
Das Problem sieht vor allem Schulz eher in der Produktivität. Er hat lange im Ausland gearbeitet, unter anderem zehn Jahre in Dänemark. Bei seiner Rückkehr sei er erstaunt gewesen über die Zustände hier. „Ich bin immer noch geschockt über die deutsche Ausbildungsqualität“, sagt er auf der Bühne des SZ Wirtschaftsgipfels. Es würden sogar viele Stunden gearbeitet, sagt Schulz – aber die Ergebnisse reichten nicht aus. „Es geht mir gar nicht darum, dass meine Leute 60 Stunden pro Woche klotzen. Sondern, dass wir produktiver arbeiten.“
Auch Kühne ist überzeugt: „Entscheidend ist nicht die Zahl der Stunden, sondern das, was dabei rumkommt.“ Sie glaubt sogar: Gerade der Fakt, dass sie nicht zu 100 Prozent an nur einer Sache arbeite, sei gut, das gebe ihr andere Impulse. Den Job bei Edding hätte sie ohne die Möglichkeit zum Jobsharing gar nicht angetreten – und sie hat auch während der vergangenen Jahre von dieser Arbeitsteilung profitiert: „Geteiltes Leid ist halbes Leid, man kann sich besser austauschen, man geht durch harte Zeiten gerade in mittelständisch geprägten traditionellen Unternehmen“, so Kühne. Solche Optionen sollten Firmen aus ihrer Sicht auf jeden Fall bieten.
„Arbeitswelt: Richtig reinhauen statt Work-Life-Balance?“, lautet der Titel des „Gemischten Doppels“ mit Fränzi Kühne und Thomas Schulz. Foto: Johannes Simon
Lea Hampel
„Was haben wir eigentlich für ein Bild von uns?"
Die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt macht sich Sorgen um den deutschen Optimismus und das Selbstwertgefühl der Nation. „Was haben wir eigentlich für ein Bild von uns? Welches Bild reden wir eigentlich auch herbei? Wie groß oder klein wollen wir uns machen?", fragt sie bei ihrem Auftritt beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung. Für sie sei die Antwort klar: Mehr Selbstbewusstsein und mehr gute Laune braucht das Land. Bär erklärt, sie lese oft über sich, dass sie viel zu gut gelaunt sei. „Ich weiß, das ist in Deutschland verdächtig“, sagt sie im Adlon. Sie ist überzeugt: Die Bürger goutieren gut gelaunte Politiker. „Ich würde mich lieber von Leuten regieren lassen, die gut gelaunt sind als von Leuten, die immer sagen, man steht einen Meter vor dem Abgrund.“
Dorothee Bär im Gespräch mit SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach und Henrike Roßbach aus dem Berliner Parlamentsbüro. Foto: Johannes Simon
Selbstverzwergung sei noch nie die richtige Lösung gewesen. „Wir tun viel Gutes und wir sollten auch drüber reden." So etwas werde zu wenig berücksichtigt – und das, obwohl Deutschland beispielsweise im Ausland durchaus Bewunderung bekomme. Sie plädiert dafür, darauf zu schauen, wo Deutschland schon führend sei – zum Beispiel, wenn Komponenten für eine Mondmission in Bremen gebaut werden.
„Was bringt uns das mit dieser Raumfahrt eigentlich?“, wird die Ministerin oft gefragt. Im Wahlkreis heiße es eher, „jetzt macht ihr schon die Erde kaputt, lasst die anderen Planeten in Ruhe“. Bär glaubt, dass Investitionen in Raumfahrt volksnäher erklärt werden müssen und kündigt an, dass Deutschland der größte Beitragszahler für die Europäische Raumfahrtagentur Esa würde.
80 Raumfahrtunternehmen hatten von Bär gefordert, sechs Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren in die Esa zu investieren. Bär sagt nun, die Mittel würden „signifikant mehr als vor drei Jahren“, aber wenn sechs Milliarden realistisch gewesen wären, hätten die Raumfahrtunternehmen vielleicht sieben Milliarden Euro gefordert.
„Was bringt uns das mit dieser Raumfahrt eigentlich?“, wird die Ministerin oft gefragt. Im Wahlkreis heiße es eher, „jetzt macht ihr schon die Erde kaputt, lasst die anderen Planeten in Ruhe“. Bär glaubt, dass Investitionen in Raumfahrt volksnäher erklärt werden müssen und kündigt an, dass Deutschland der größte Beitragszahler für die Europäische Raumfahrtagentur Esa würde.
80 Raumfahrtunternehmen hatten von Bär gefordert, sechs Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren in die Esa zu investieren. Bär sagt nun, die Mittel würden „signifikant mehr als vor drei Jahren“, aber wenn sechs Milliarden realistisch gewesen wären, hätten die Raumfahrtunternehmen vielleicht sieben Milliarden Euro gefordert.
Sina Kampe
Impressionen vom zweiten Gipfeltag
Der 19. SZ Wirtschaftsgipfel steht unter dem Motto „Zukunft gestalten in einer unberechenbaren Welt“. Nicht nur auf der Bühne gibt es einen guten Austausch. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher sind ins Berliner Hotel Adlon gekommen, um zu netzwerken und Gespräche zu führen. Finden Sie sich auf den Bildern vom heutigen Dienstag wieder? Einfach durch die Slideshow klicken.
Sonja Salzburger

Dorothee Bär erklärt ihre Hightech-Agenda
Dorothee Bär ist überzeugt: Wirtschaft und Forschung schließen sich nicht aus. Es solle bei der vom Bundeskabinett verabschiedeten Hightech-Agenda „ganz ausdrücklich auch ums Geldverdienen gehen“, sagt die CSU-Ministerin in ihrer Rede. Diese setze an in den Schlüsseltechnologien: KI, Quantentechnologie, Mikroelektronik, Biotechnologie, Kernfusion, klimaneutrale Energie und klimaneutraler Mobilität. Bär würde es zum Beispiel begrüßen, wenn an den Universitäten mehr Professoren forschungsfrei bekommen würden, um Unternehmen zu gründen.
Innovationsfähigkeit sei kein Luxus, sondern existenziell. Das habe auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erkannt, der neue Innovationen als „höchste Priorität“ bezeichnet hatte. Bär will wegkommen von kleinteiligen Förderprogrammen, das Land brauche Technologien von internationaler Strahlkraft. „Wenn wir es technologisch überhaupt noch aufnehmen wollen mit den USA oder China, dann müssen wir unsere Kräfte gemeinsam bündeln auf dem Kontinent und natürlich wir im eigenen Land“, so die Ministerin. Bis Frühjahr nächsten Jahres soll es sogenannte „Roadmaps“ zur Umsetzung der Hightech-Agenda aus ihrem Hause geben.
Innovationsfähigkeit sei kein Luxus, sondern existenziell. Das habe auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erkannt, der neue Innovationen als „höchste Priorität“ bezeichnet hatte. Bär will wegkommen von kleinteiligen Förderprogrammen, das Land brauche Technologien von internationaler Strahlkraft. „Wenn wir es technologisch überhaupt noch aufnehmen wollen mit den USA oder China, dann müssen wir unsere Kräfte gemeinsam bündeln auf dem Kontinent und natürlich wir im eigenen Land“, so die Ministerin. Bis Frühjahr nächsten Jahres soll es sogenannte „Roadmaps“ zur Umsetzung der Hightech-Agenda aus ihrem Hause geben.
Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (CSU). Foto: Friedrich Bungert
Sina Kampe
Das sind die SZ Gipfelstürmer 2025
Beim Wirtschaftsgipfel zeichnet die Süddeutsche Zeitung zusammen mit UnternehmerTUM, dem größten Zentrum für Gründung und Innovation in Europa, Gründerinnen und Gründer für besonders innovative Geschäftsideen aus. Auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche Bewerbungen, eine elfköpfige Jury hat dann lange recherchiert, diskutiert und schließlich ihr Votum abgegeben. Das sind die Sieger in den drei Kategorien.
- Gipfelstürmer im Bereich Food/AgriTech:
Das Start-up Colipi aus Hamburg macht Öl aus CO₂ statt aus Pflanzen – und schont damit die Natur. Es handelt sich um eine Biotechnologieplattform, die Mikroorganismen nutzt. Sie werden in speziellen Tanks mit CO₂ oder biogenen Abfällen „gefüttert“. Dabei entsteht eine Alternative zu Pflanzenöl, das „Climate Oil“, zum Beispiel für die Kosmetikindustrie. Die Technologie zeichnet sich durch eine kurze und sichere Lieferkette und einen minimalen CO₂-Fußabdruck aus.
- Gipfelstürmer im Bereich Energy:
Der Preis geht in diesem Jahr an Heatrix. Das 2022 in Bremen gegründete Start-up produziert heiße Luft – allerdings im besten Sinne. Das Heatrix-System stellt Prozesswärme, die beispielsweise in der energieintensiven Stahlbranche benötigt wird, CO₂-neutral zur Verfügung. Es kombiniert einen elektrischen Lufterhitzer – vergleichbar mit einem Hochtemperatur-Föhn – mit einem thermischen Energiespeicher und lässt sich in bestehende Anlagen integrieren. Das Gründerteam will somit zur Dekarbonisierung der Industrie beitragen.
- Gipfelstürmer im Bereich Health:
Viele Frauen werden das Münchner Start-up Meliodays womöglich lieben lernen. Es entwickelt derzeit eine Therapie gegen chronische Entzündungen in der Gebärmutter. Diese sind eine mögliche Ursache für starke Menstruationsschmerzen. Der Name des Projekts: MelioOne. Es wird, ähnlich wie eine Verhütungsspirale, in die Gebärmutter eingesetzt. Dort gibt es eine kleine Dosis eines nicht-hormonellen, entzündungshemmenden Medikaments frei. Die abgegebene Menge entspricht ungefähr einer Tablette Ibuprofen 400 – verteilt über ein ganzes Jahr.
Gratulation an die Gipfelstürmer! Anhand welcher Kriterien die Start-ups bewertet wurden, kann man hier nachlesen.
Foto: Johannes Simon
Max Muth
„KI wird nicht wieder verschwinden“
Weit über 90 Prozent der Gäste im Adlon sind sich in einer Umfrage sicher: KI ist keine Blase. Das sehen auch die Panelisten beim Thema „KI-Konkret“ so. Andreas Nauerz ist Produktchef beim Cloudbetreiber Ionos und sagt: KI wird unsere Unternehmen signifikant verändern. Viele Bereiche werden automatisiert werden, und das exponentiell schnell, quer durch die Gesellschaft. Das sei für Unternehmen und Angestellte eine große Herausforderung. Lundbæk, dessen Firma eine Spezial-KI für Juristen anbietet, plädiert dafür, dass Europa auch eigene Basismodelle trainieren muss. Studien zeigten, dass die Art, wie Chat-GPT auf Fragen antworte, schon jetzt die Sprache und damit das Denken der Nutzenden verändere. „Wir sollten uns hier auf gar keinen Fall von Amerikanern abhängig machen“, so Lundbæk. Dass ein solches Modelltraining möglich sei, hätten die Chinesen bewiesen, die mit nur einem Zehntel der Computerpower der US-Amerikaner konkurrenzfähige Modelle trainiert hätten.
Nauerz betont, Europa müsse die USA bei KI nicht kopieren. Vielleicht sei es für den Kontinent viel relevanter, auf Effizienz zu optimieren, um Modelle so klein wie möglich zu machen, damit sie lokal auf Geräten laufen können. So könnten Drohnen etwa ihre Umgebung interpretieren und mit natürlicher Sprache gesteuert werden. Relevant sei das vor allem bei autonomen Geräten und in kritischen Bereichen der Industrie.
Nauerz betont, Europa müsse die USA bei KI nicht kopieren. Vielleicht sei es für den Kontinent viel relevanter, auf Effizienz zu optimieren, um Modelle so klein wie möglich zu machen, damit sie lokal auf Geräten laufen können. So könnten Drohnen etwa ihre Umgebung interpretieren und mit natürlicher Sprache gesteuert werden. Relevant sei das vor allem bei autonomen Geräten und in kritischen Bereichen der Industrie.
„KI konkret: Wo die Revolution schon ankommt“: Moderator Jannis Brühl (links) mit seinen Gästen Andreas Nauerz, dem CPO von Ionos, und Leif-Nissen Lundbæk von Noxtua. Foto: Johannes Simon
Sonja Salzburger

Müssen wir Angst vor Roboter-Richtern haben, Herr Lundbæk?
Leif-Nissen Lundbæk ist Chef und Gründer von Noxtua, das ist eine für Juristen konzipierte KI. Sie wird auch von der Justiz genutzt. Angst vor Robo-Richtern, die autark über Freiheit oder Knast entscheiden, müsse aber niemand haben, versichert Lundbæk bei einer Diskussionsrunde zum Thema „KI konkret: Wo die Revolution schon ankommt“. KI könne aber schon heute dabei helfen, das Rechtssystem zu entlasten, indem Prozesse automatisiert und beschleunigt werden. Ein einfaches Beispiel sei etwa die Umsetzung der Fluggastrechte bei Verspätungen. Aber: „Auf jeden Fall muss bei zentralen Fragen immer ein Mensch im Loop sein", so Lundbæk.
Wo KI heute schon sinnvoll eingesetzt wird, und wo man noch auf sie wartet, hat mein Kollege Max Muth aufgeschrieben (SZ Plus).
Wo KI heute schon sinnvoll eingesetzt wird, und wo man noch auf sie wartet, hat mein Kollege Max Muth aufgeschrieben (SZ Plus).
