SZ-Serie: Rohstoffe (III) Silbervorräte werden knapp

Silber erlebt seit einigen Jahren im Sog von Gold eine Renaissance. Noch Anfang und Mitte der neunziger Jahre bewegte sich der Silberpreis auf relativ niedrigem Niveau, bei fünf US-Dollar durchschnittlich. Doch seit 1998 zeigt die Notierung aufstrebende Tendenz.

Von Von Bernadette Calonego

Im vergangenen Jahr erreichte sie vorübergehend 8,40 US-Dollar pro Feinunze, den höchsten Stand seit 17 Jahren, bevor sie sich zwischen sechs und sieben Dollar einpendelte. Seit Anfang des Jahres ist der Silberpreis kaum gestiegen, aber mit rund sieben Dollar je Feinunze ist er immer noch relativ hoch.

Silbermünzen aus der Zeit des römischen Reiches.

(Foto: Foto: dpa)

Silber ist ein Nebenprodukt bei der Förderung von Blei, Kupfer, Gold und Nickel. Hauptproduzenten sind Mexiko, Peru, Australien, China und Polen. Dann folgen die USA und Kanada. Silber ist ein exzellentes Leitmetall für Strom und Wärme und ein wenig härter als Gold.

Der Rohstoff wird in großen Mengen (39 Prozent) in der Industrie -- vor allem im Elektronikbereich - gebraucht. Für die Herstellung von Tafelsilber und Schmuck fallen 32 Prozent an. Hinzu kommen vier Prozent für die Münzprägung.

Photoindustrie mit hohem Bedarf

Relativ hoch ist mit 25 Prozent der Weltjahresproduktion auch der Bedarf der Fotobranche. Der Einsatz im Fotografiebereich nimmt zwar nach dem Einzug der digitalen Fotographie schon seit fünf Jahren ab. Auch die Verwendung für Bestecke und Schmuck ging wegen des hohen Preises im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent zurück.

Aber Silber findet neue Anwendungen, zum Beispiel bei antibakteriellen Wundverbänden. Die Nachfrage im Elektroniksektor stieg im Jahr 2004 um fast 14 Prozent.

Dem Silberpreis hilft die Tatsache, dass die weltweiten Silbervorräte, die zum Verbrauch bereit stehen, abnehmen und es wenig neue Minen gibt. Silberverkäufe von Regierungen -- und das betraf 2004 fast ausschließlich die chinesische Regierung - nahmen im vergangenen Jahr um 30 Prozent ab, trotz der hohen Silberpreise.

Lagerbestände auf Tiefstniveau

Das ist für Experten ein deutliches Zeichen, dass die einst beträchtlichen Lagerbestände Chinas drastisch reduziert sein dürften. Diesen Rückgang im Angebot macht auch die Schürfung nicht wett, obwohl die globale Produktion aus Minen im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 19.731 Tonnen stieg.

Weltweit wird seit über einer Dekade jährlich mehr Silber verarbeitet als produziert. Deshalb sind die Bestände relativ niedrig, aber sie reichen nach Auffassung von Experten immer noch für rund fünf Jahre. Erst dann könnte eine drastische Verknappung eintreten.