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SZ-Führungstreffen Wirtschaft 2011:"Politiker sind die größten Vernichter von Unternehmenswerten"

Harte Kritik an der Politik: Beim Führungstreffen Wirtschaft der "Süddeutschen Zeitung" attackieren Unternehmenslenker das Verhalten der Regierenden in der Euro-Krise. Deren Kommunikation sei fahrlässig - und BDI-Chef Keitel fordert: "Arbeitet eure Aufgaben doch mal ab."

"Lasst die Maßnahmen doch erst mal wirken": Führende Vertreter aus Industrie und Unternehmen werfen der Politik eine fahrlässige Kommunikation in der Schuldenkrise vor. "Die größten Vernichter von Unternehmenswerten sind derzeit Politiker, die zu leichtfertig negative Meldungen in die Welt setzen", sagte Martin Richenhagen, Vorstandschef von Agco, dem drittgrößten Landmaschinenhersteller der Welt, beim Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung in Berlin.

SZ-Führungstreffen Wirtschaft 2011 "Obama ist erschreckend schlecht beraten und hilflos" Video
SZ-Führungstreffen Wirtschaft 2011

"Obama ist erschreckend schlecht beraten und hilflos"

Harte Kritik an der Politik: Beim Führungstreffen Wirtschaft der "Süddeutschen Zeitung" attackieren Unternehmenslenker das Verhalten der Regierenden in der Euro-Krise. Die besten Statements von Eckhard Cordes (Metro AG), Hans-Peter Keitel (BDI) und Martin H. Richenhagen (AGCO Corporation) im Video.

Die Unternehmen fürchten, dass die Schuldenkrise auf Industrie und andere Bereiche der Unternehmenswirtschaft übergreift. Noch sei dies in Deutschland nicht geschehen, sagte der scheidende Metro-Chef Eckard Cordes, "aber die Risiken steigen".

Im dritten Quartal war die deutsche Wirtschaft noch stärker gewachsen als erwartet, im Vergleich zum Vorjahr liegt das BIP um 2,6 Prozent höher. Doch zahlreiche Prognosen deuten auf eine starke Abkühlung der Konjunktur hin. "Im Moment haben wir in der Realwirtschaft in Deutschland noch keine Krise", sagte Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Damit das auch so bleibt, fordert der oberste Industrielobbyist von der Politik mehr Konsistenz in ihren Handlungen. "Warum gewöhnen wir uns nicht an, Dinge einfach zu tun - und nicht dauernd darüber zu reden?", so Keitel. "Arbeitet eure Aufgaben doch mal ab." Bereits im September hatte Keitel Kanzlerin Merkel frontal angegriffen und ihr vorgeworfen: "Kein Mensch weiß, was die Politik will."

Metro-Chef Cordes forderte nun, "dass auch Politiker mehr Mut aufbringen müssen, den Menschen die Zusammenhänge zu erklären". Man dürfe nicht verharmlosen, "dass die komplexer werdende Welt für eine zunehmende Zahl von Menschen schwer zu verstehen ist". Erst am Vortag hatte Merkel allerdings vergleichbare Kritik auch an die Akteure auf den Finanzmärkten weitergegeben: Sie müssten verhindern, "in eine Kurzatmigkeit zu verfallen".

"Ich bin beeindruckt von der Geschwindigkeit"

Keitel trat für eine "Entschleunigung der Prozesse" auf den Finanzmärkten ein. "Denken und Verantwortung muss wieder vor dem Handeln stehen." Ein probates Mittel dafür könne eine Finanz-Transaktionsteuer sein, also eine Abgabe auf jede einzelne Transaktion, die etwa an den Börsen getätigt werden.

Bislang werde die Debatte darüber aber zu sehr aus der Perspektive geführt, welche Folgen eine solche Steuer kurzfristig für die einzelnen Finanzunternehmen habe. Agco-Chef Richenhagen forderte allerdings, bei der Einführung einer Transaktionssteuer müssten die betroffenen Unternehmen an anderer Stelle entlastet werden.

Der in den USA lebende Konzernchef lobte das europäische Krisenmanagement. "Ich bin beeindruckt von der Geschwindigkeit - und habe den Eindruck, dass Europa in den Krisenzeiten enger zusammenrückt." Ganz anders als in den USA, deren Regierung viel zu wenig von Wirtschaft verstehe. Präsident Barack Obama sei "erfrischend unwissend" und "erschreckend schlecht beraten", so der Konzernchef.