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Pläne für synthetische Kraftstoffe:Fliegen soll bald grüner werden

Synthetische Kraftstoffe sollen die Klimabilanz des Flugverkehrs retten. Regierung und Flugbranche wollen die Produktion bis 2030 massiv ausbauen.

Von Markus Balser, Berlin, und Jens Flottau, Frankfurt

Angesichts des wachsenden internationalen Drucks beim Klimaschutz beschleunigen Bundesregierung, Flugbranche und Mineralölwirtschaft den Aufbau der Produktion von synthetischen Kraftstoffen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und mehrere Verbände veröffentlichen am Freitag nach SZ-Informationen einen Fahrplan für den verstärkten Einsatz so genannte Power-to-Liquid-Kraftstoffe.

Dem Papier zufolge wollen die Beteiligten so die Grundlage schaffen, bis 2030 mindestens 200 000 Tonnen jährlich für den deutschen Luftverkehr zu produzieren. Das entspricht einem Drittel des aktuellen Kraftstoffbedarfs des innerdeutschen Luftverkehrs. "Strombasierte Treibstoffe sollen möglichst bald ihren Weg aus dem Labor in die industrielle Produktion finden", kündigt Umweltministerin Svenja Schulze an.

Die so genannten Power-To-Liquid-Treibstoffe gelten als einzige Chance, Langstreckenflüge klimafreundlicher zu machen. Es geht um flüssige Treibstoffe, die aus Strom hergestellt werden. Bislang aber sind sie weder in ausreichender Menge noch zu konkurrenzfähigen Preisen zu haben.

Die weltweite Jahresproduktion reicht für eine Woche

In der Luftverkehrsbranche hat sich mit dem absehbaren Ende der Corona-Pandemie die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Neustart auch der Beginn eines viel größeren Engagements für bessere Umweltverträglichkeit sein muss. Der Sektor insgesamt hat sich zum Ziel gesetzt, die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2050 zu halbieren, europäische Fluggesellschaften wollen bis dahin sogar ganz klimaneutral sein. Zusätzlich zur Kompensation durch Klimaprojekte soll das mithilfe synthetischer Treibstoffe gelingen. Sie könnten mit geringen Modifikationen an den Triebwerken bei derzeit gebauten Flugzeugen genutzt werden.

Doch noch gibt es zu wenig von dem alternativen Treibstoff. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr würde die aktuelle weltweite Jahresproduktion bei Lufthansa in normalen Zeiten gerade für eine Woche reichen. Trotzdem haben sich einige Airlines schon jetzt hohe Ziele gesetzt: British Airways will 2030 zehn Prozent des Bedarfs durch nachhaltigen Treibstoff abdecken, Ryanair 12,5 Prozent. Die zu geringe Energiedichte und - damit verbunden - das zu hohe Gewicht von Batterien machen es schwer, Elektroantriebe für große Flugzeuge einzusetzen. Sie können nur in kleinen Flugzeugen und auf kurzen Strecken zum Einsatz kommen.

© SZ
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