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Syntellix:Ende einer Männerfreundschaft

Carsten Maschmeyer

Claassen widerspricht den Vorwürfen von Maschmeyer vehement und lässt offenbar seinerseits eine Strafanzeige gegen Maschmeyer vorbereiten.

(Foto: Karlheinz Schindler/dpa)

Der frühere Finanzmakler Maschmeyer und der frühere Energiemanager Claassen galten einst als gute Freunde. Damit ist es nun vorbei.

Wie eng ihre Freundschaft wirklich war, darüber gehen die Meinungen etwas auseinander. Buddies, Männerfreunde also, waren sie aber wohl allemal, ebenso Geschäftspartner. Und sie sind schillernde Größen in der Hautevole von Hannover. Doch jetzt ist das Tischtuch zwischen den Geschäftsmännern Carsten Maschmeyer, 57, und Utz Claassen, 53, zerschnitten. Der eine hat den anderen angezeigt. Und das hat auch mit Fußball zu tun.

In einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hannover bezichtigt Maschmeyer Utz Claassen und dessen Frau Annette der Untreue, wie Der Spiegel zuerst berichtet hat. Claassen widerspricht den Vorwürfen vehement und lässt dem Nachrichtenmagazin zufolge seinerseits eine Strafanzeige gegen Maschmeyer vorbereiten.

Bei dem Streit geht um 120 000 Euro. So viel hat die Syntellix AG im Herbst 2015 als neuer Sponsor an den spanischen Fußball-Zweitligisten RCD Mallorca überwiesen, dessen Mannschaft daraufhin für den Rest der Saison 2015/2016 mit dem Schriftzug des Hannoveraner Unternehmens auf ihren Trikots auflief. Syntellix stellt medizinische Implantate her, die etwa bei Knochenverletzungen eingebaut werden und sich - vereinfacht gesagt - mit der Zeit im Körper selbst auflösen.

Claassen hat Syntellix 2008 federführend gegründet, heute gehören ihm und seiner Frau knapp 43 Prozent des Unternehmens. Der frühere Chef des Energieriesen EnBW fungiert dort als Vorsitzender des Aufsichtsrates und seine Frau Annette als seine Stellvertreterin. Gleichzeitig waren die Claassens im vergangenen Jahr noch groß beim RCD Mallorca involviert. Zeitweise besaßen sie mehr als 90 Prozent des Fußballklubs. Erklärtes Ziel des früheren Top-Managers war es, diesen zu einer der Topadressen im europäischen Vereinsfußball aufzubauen. Bislang hat das nicht geklappt; der RCD Mallorca kämpft in der zweiten spanischen Liga gegen den Abstieg. Bis Juni 2016 fungierte Utz Claassen auch als Präsident des RCD Mallorca.

Inzwischen hält eine Investorengruppe die Mehrheit und als Präsident ist Claassen zurückgetreten. Maschmeyer, der gerade in der Vox-Investorenshow "Die Höhle der Leben" vor der Kamera steht, wirft Utz und Annette Claassen nun in seiner Strafanzeige Mauschelei vor. Ohne die anderen Aufsichtsräte oder Aktionäre von Syntellix zu informieren hätten sie eigenmächtig das Sponsoring des Fußballvereins auf der Baleareninsel auf den Weg gebracht. Er habe davon durch die Medien erfahren. Maschmeyer und seiner Familie gehören gut 37 Prozent der Syntellix AG.

Er fühlt sich übergangen. In seiner Strafanzeige argumentiert er, die Claassens hätten ihre Pflichten als Aufsichtsratsvorsitzende grob verletzt und angesichts ihrer Doppelfunktionen bei Firma und Verein einem klassischen Interessenskonflikt unterlegen. Nie und nimmer jedenfalls hätten die 120 000 Euro so fließen dürfen. Zumal Trikotwerbung für Syntellix-Produkte bei den Fans der zweiten spanischen Fußballliga keinen Sinn mache. Denn das Unternehmen verkaufe seine Implantate nicht an Endverbraucher sondern ausschließlich an Krankenhäuser.

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Maschmeyer versus Claassen - das ist auch das Duell zweier großer Egos, die einander lange zugetan waren. Beim ostdeutschen Fahrradhersteller Mifa etwa, wo Maschmeyer Hauptaktionär war und Claassen als Aufsichtsratschef holte. Im September 2014 beantragte das Unternehmen ein Insolvenzverfahren, im Zuge dessen die Hannoveraner Geschäftsfreunde gemeinsam um ihre Macht im Unternehmen kämpften, gegen den Insolvenzverwalter klagten - und verloren.

Überworfen haben sich Maschmeyer und Claassen vermutlich im Laufe des vergangenen Jahres bei Syntellix. Das hat mit dem Sponsoring des mallorquinischen Fußballvereins zu tun, das in Maschmeyers Augen mit 120 000 Euro angesichts eines Syntellix-Jahresumsatzes von 700 000 Euro völlig unverhältnismäßig war. Zumal die Firma 2015 einen Verlust von 2,26 Millionen Euro verbuchte. Über die Frage, wie es bei Syntellix weitergeht, gab es schon vor dem umstrittenen Sponsoring Differenzen. Nachdem im Mai 2015 die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt war, kam es zu einer Kapitalerhöhung. Maschmeyer drängte dem Vernehmen nach auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die kurz vor Weihnachten 2015 stattfand, auf die Bestellung eines Sonderprüfers, der die Syntellix-Bücher durchforstet. In Claassens Umfeld wiederum vermutet man düstere Maschenschaften Maschmeyers. Der wolle sich Syntellix unter den Nagel reißen und die Claassens ausbooten, heißt es da.