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Swiss-Leaks:Steuerhinterzieher lieben Diamanten

De Beers Rough Diamond Move

Diamanten sind ein ideales Geldversteck (Symboldbild)

(Foto: Bloomberg)
  • Der Bürgerkrieg in Sierra Leone wurde mit Blutdiamanten finanziert. Auch als bekannt wurde, dass ein Edelsteinhändler darin verstrickt ist, machte die Schweizer HSBC weiter Geschäfte mit dem Mann.
  • Nun erhöhen belgische Behörden den Druck auf die HSBC. Ein Untersuchungsrichter droht mit einem internationalen Haftbefehl gegen führende Manager der Bank.

Es ist nur eine kurze Notiz, die ein Bankberater der HSBC in Genf angefertigt hat. Doch schon diese wenigen Worte geben Einblick in ein System der Schande: "Der Kunde ist gerade sehr vorsichtig, er steht unter Druck der belgischen Steuerbehörden, die derzeit wegen Steuerbetrugs mit Diamanten ermittelt", heißt es im Vermerk aus dem September 2005. Man habe ihm daher ein Firmenkonto in Dubai eröffnet. Der Kunde der Schweizer Bank heißt Emmanuel Shallop, ein libanesisch-belgischer Diamantenhändler aus Antwerpen. Zeitweise lagen auf seinem Konto knapp drei Millionen Dollar.

Shallop ist einer von beinahe 2000 Edelsteinhändlern, die sich im Swiss-Leaks-Datensatz finden lassen, die also Kunden der HSBC waren. Etliche von ihnen sind ins Zwielicht geraten, weil sie Geld gewaschen und Steuern hinterzogen haben. Sie sind reich geworden am Elend in Afrika. Die Bank räumt ein, dass sie in der Vergangenheit Fehler gemacht habe (PDF). Spätestens seit 2009 halte sie alle Standards ein.

Früher aber waren Männer wie Mozes Konig Kunden. Der ehemalige Diamantenhändler hatte mutmaßlich über hundert Millionen Dollar in der Schweiz verborgen, heute steht er auf der Interpol-Fahndungsliste. Oder die drei Geschäftsführer von Omega Diamonds, einer der größten Diamantenfirmen. 2006 packte ein Mitarbeiter aus und gestand, dass Omega Steuern hinterzogen und Geld gewaschen habe, das aus Waffenlieferungen stammt. Die belgischen Behörden beschlagnahmten damals Diamanten im Wert von 125 Millionen Dollar. 2013 zahlte das Unternehmen 195 Millionen Dollar als Strafe. Alle drei der damaligen Omega-Geschäftsführer tauchen in den HSBC-Akten auf, sie sind an mehreren Firmen beteiligt.

Diamanten sind ein einfacher Weg, um Geld zu waschen

Viele der betroffenen Kaufleute stammen wie Shallop aus Antwerpen. Die größte Stadt Flanderns ist mit Abstand der wichtigste Umschlagplatz für Edelsteine weltweit. Der Diamantenhandel hier ist auch deshalb so verrufen, so könnte man es zuspitzen, weil fast jeder Deal eine Einladung zum Steuerbetrug ist. In der Diamantenindustrie wird häufig in bar bezahlt, Verträge werden per Handschlag geschlossen, auf Schriftstücke wird weitgehend verzichtet.

"Diamanten sind ein einfacher Weg, um Geld zu waschen, es zu verstecken oder um Steuern zu hinterziehen", sagt Ian Smillie. Er ist Mitbegründer des Kimberley-Prozesses, einer Initiative zur Ächtung von Blutdiamanten. Jenen Edelsteinen also, die illegal geschürft und veräußert werden, um Waffen zu kaufen. "In vielerlei Hinsicht sind sie sogar besser als Bargeld. Diamanten lassen sich einfacher verbergen, man kann sie problemlos verkaufen, sie werden nicht durch Inflation entwertet", sagt Smillie.

Der Fall Shallop zeigt, wie die illegalen Deals mit den Diamanten funktionieren. Es sind tödliche Geschäfte, die offenbar jahrelang heimlich über Konten in der Schweiz abgewickelt wurden. Nachzulesen war das bereits 2001 in einem UN-Bericht. Darin wird Shallop vorgeworfen, Geschäfte mit Rebellen in Sierra Leone gemacht zu haben. Zehntausende starben beim Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land. Finanziert wurde der Konflikt mit Blutdiamanten. Trotz der Vorwürfe des UN-Dossiers und der deutlichen Hinweise auf Steuerermittlungen in Belgien fror die HSBC Shallops Vermögen in der Schweiz nicht ein. 2010 verurteilte ihn ein Gericht in Antwerpen wegen des Handels mit Blutdiamanten zu sechs Jahren Haft. Edelsteine und Immobilien im Wert von 59 Millionen Dollar wurden beschlagnahmt. Shallops Anwalt möchte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Nach den Enthüllungen der vergangenen Tage haben die belgischen Behörden den Druck auf die Schweizer Tochtergesellschaft der HSBC erhöht. Ein Untersuchungsrichter, der seit vergangenen November mit dem Fall befasst ist, droht nun mit einem internationalen Haftbefehl gegen führende Manager der Bank.

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