Swiss-Leaks:Was die Daten über das Schweizer Bankensystem verraten

Die Daten geben auch einen Einblick in die geheime Welt des Schweizer Bankensystems und belegen, wie HSBC-Mitarbeiter bereitwillig Kunden unterstützten, die ihre Vermögen vor den Steuerbehörden versteckten. Beispielsweise wurden Millionen Euro an Schwarzgeld in bar ausgezahlt, Briefkastenfirmen in der Karibik gegründet, die Zinsabschlagsteuer kreativ umgangen und anderes.

Nur 0,2 Prozent zahlten ihre Steuern

Unter den Kunden sind hochrangige Politiker und höchste Richter, Konzernlenker und Rockstars, Fußball- und Formel-1-Weltmeister, Hollywood-Schauspieler und etliche Mitglieder der reichsten Familien dieser Welt. Und Tausende weitere Kunden mit ausreichend Geld, um über ein Konto in der Schweiz nachzudenken.

Aber wie hoch mag die Quote der Steuersünder sein? Eine Untersuchung der französischen Nationalversammlung aus dem Herbst 2013 gibt einen Fingerzeig. Nach seiner Flucht aus der Schweiz nach Frankreich im Dezember 2008 hatte Falciani, der neben der italienischen auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, seine Daten den französischen Steuerbehörden übergeben. Deren Fahnder überprüften rund dreitausend Konten mit positivem Guthaben und kamen zu dem Ergebnis, dass nur sechs der Konten deklariert waren. Das entspricht etwa 0,2 Prozent.

Swiss-Leaks in der SZ

Die Süddeutsche Zeitung berichtet von der Montagsausgabe an in einer Serie über Swiss-Leaks. Die Seite Drei porträtiert den Informanten Falciani als "Robin not so good". Eine Doppelseite analysiert das Ausmaß des Datenlecks sowie die Rolle der HSBC und lässt den französischen Staatsanwalt zu Wort kommen, der über den entscheidenden Moment in den Ermittlungen spricht.

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In Griechenland landete die Liste in der Schublade

Die französischen Behörden haben länderspezifische Teile des Materials im Laufe der Jahre an mindestens elf andere Länder weitergereicht. So übergab die damalige französische Finanzministerin Christine Lagarde im Jahr 2010 den griechischen Behörden eine Liste von etwa 2000 Namen, die als "Lagarde-Liste" bekannt wurde.

Zwei Jahre geschah damit nichts in Griechenland. Als die Liste wieder auftauchte, fehlten drei Namen: eine Cousine des damaligen griechischen Finanzministers und ihr Ehemann sowie der Ehemann einer anderen Cousine des Ministers. Dem droht jetzt eine Anklage wegen Amtsmissbrauch, Untreue und Urkundenfälschung.

Nach Recherchen der ICIJ-Partner liegen die Daten inzwischen Frankreich, Griechenland, den USA, Kanada, Spanien, Großbritannien, Irland, Indien, Belgien, Italien, Argentinien und Deutschland vor.

Eine Milliarde Euro Rückzahlungen

Nach Zählung von Datenexperten des ICIJ sind in den Swiss-Leaks-Dateien knapp 2000 Personen mit Verbindung zu Deutschland enthalten. Ein Team von SZ, NDR und WDR hat diese Namen gesichtet. Fest steht: Die deutschen Finanzämter konnten einiges an entgangenen Steuern zurückholen. Wie viel genau, wurde von den Finanzbehörden nicht zentral ermittelt.

Weltweit liegt der Betrag der wiedergeholten Steuereinnahmen und damit verbundenen Strafzahlungen im Milliardenbereich. Etwa 264 Millionen Euro nahm der spanische Fiskus durch Falcianis Daten ein, 449 Millionen Euro der indische, 181 Millionen Euro der britische und 186 Millionen die französischen Steuerbehörden.

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