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Supermarkt:Metro verkauft wohl alle Real-Filialen an Immobilien-Investor

Huch, ein Kunde. Die Real-Märkte werden für den Metro-Konzern zur finanziellen Belastung.

(Foto: Robert Haas)
  • Metro gibt Exklusivverhandlungen über den Realverkauf mit Redos bekannt.
  • Demzufolge soll Redos Real als zwar Ganzes übernehmen, jedoch behalte die Metro einen Minderheitsanteil von knapp 25 Prozent am operativen Geschäft.
  • Über 250 Filialen sind betroffen, trotz der Übernahme könnte es zu Schließungen kommen.

Die 279 Real-Supermärkte werden aller Voraussicht nach an den Immobilien-Investor Redos verkauft. Der Real-Mutterkonzern Metro teilte am Mittwochabend mit, Exklusivverhandlungen mit Redos zu führen. Metro-Chef Olaf Koch wird dazu an diesem Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Geschäftsquartal nähere Auskunft geben.

Redos führt ein Konsortium, an dem weitere Immobilienfirmen wie ECE und Morgan Stanley Real Estate gehören. Zudem steht Redos in engem Kontakt mit verschiedenen Einzelhändlern und ist schon heute Vermieter einzelner Real-Märkte. Beobachter rechnen damit, dass das Konsortium Real-Märkte an Interessenten vermieten oder weiterverkaufen wird.

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Die Vereinbarung sieht vor, dass das Redos-Konsortium Real als Ganzes übernimmt, die Metro behält den Angaben zufolge aber am operativen Geschäft einen Minderheitsanteil von knapp 25 Prozent. Frühestens nach drei Jahren kann sie sich davon trennen. Das Konsortium soll primär an den Immobilien-Standorten interessiert sein, die attraktiv in Innenstadtnähe liegen. Weniger im Fokus steht es aus Sicht von Redos, die großflächigen Supermärkte zu betreiben. Dafür spricht, dass das Real-Management nach der Redos-Übernahme das Geschäft fortführen soll.

SB-Warenhäuser, wie die Real-Märkte offiziell heißen, sind ein Geschäftsmodell, das im Moment in Deutschland, aber auch in Ländern wie Frankreich, wo Hypermärkte weit verbreitet sind, schwierig läuft. Der französische Einzelhandelskonzern Carrefour gab vor wenigen Tagen bekannt, 3000 Stellen streichen zu wollen. Laut Metro-Pressemitteilung basiert das Konzept von Redos sowohl auf umfangreichen Investitionen, aber eben auch "auf einer Anpassung des Filialnetzes". Schließungen sind kein Tabu mehr. Die Gewerkschaften befürchten eine Zerschlagung Reals. Oliver Herrmann, Geschäftsführer von Redos, betont in der Mitteilung allerdings, "bei Standortabgaben" großen Wert darauf zu legen, "dass die Mitarbeiter übernommen werden".

Im Sommer 2019 soll es zum Vertragsabschluss kommen

Nach offiziellen Angaben muss Metro nicht für Real draufzahlen. Es ergibt sich, wie es heißt, "ein vorläufiger Mittelzufluss" von einer halben Milliarde Euro zugunsten von Metro. Zudem muss Metro 385 Millionen Euro in der Halbjahresbilanz abschreiben. Die Real-Immobilien standen zuletzt mit einem Wert von etwa 900 Millionen Euro in der Bilanz. Koch hatte noch im Dezember klargestellt, für Real keine Mitgift an einen Käufer zahlen zu wollen. Das scheint ihm nun zu gelingen.

Noch müssen Details ausgehandelt werden und Vorstand sowie Aufsichtsrat der Metro einem Vertragsabschluss zustimmen. Zudem ist eine Freigabe durch die Kartellbehörden erforderlich, vor allem wenn Real-Märkte an Einzelhändler weitergereicht werden. Vor allem Kaufland von der Schwarz-Gruppe zeigte Interesse an der Übernahme von wenigstens 100 Märkten. Schwarz-Chef Klaus Gehrig bekundete als Einziger während der mehrmonatigen Verhandlungen offiziell, an Real interessiert zu sein.

Redos wurde 2004 in Hamburg gegründet und betreut nach eigenen Angaben ein Portfolio von Einzelhandelsobjekten im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro an 74 Standorten bundesweit. Nun kommen voraussichtlich die 279 Real-Standorte hinzu. Ziel ist es laut Pressemitteilung, im Sommer 2019 auf Basis einer ausführlichen Prüfung der Bücher zu einem Vertragsabschluss zu kommen. Real machte zuletzt einen Umsatz von gut sieben Milliarden Euro und beschäftigt etwa 34 000 Mitarbeiter, viele davon sind Tarifbeschäftigte.

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Metro-Chef Olaf Koch teilte mit, die Trennung von Real diene dazu, Metro vollends auf das Großhandelsgeschäft mit Lebensmitteln zu konzentrieren. Koch hatte Mitte September 2018 angekündigt, die SB-Warenhauskette in sechs bis acht Monaten als Paket zu verkaufen.

Redos hatte offenbar gepokert und sich erst vor wenigen Wochen aus den Verhandlungen zurückgezogen. Nun plötzlich wurden die Exklusivverhandlungen bekannt gegeben. Als Favorit galt bis zuletzt noch ein Konsortium um den Bieter X+Bricks, zu dem auch Kaufland gehörte.

Bemerkenswerterweise war der Real-Verkauf zuletzt bei Metro nicht mehr Chefsache. Koch hatte als Verhandlungsführer Christian Neuss eingesetzt, der wie er selbst ein ehemaliger Manager der Private-Equity-Gesellschaft Permira ist. Neuss könnte nun offenbar gelingen, was Koch bislang nicht schaffte: Real zu verkaufen, eine Kette, die zunehmend zur finanziellen Belastung für Metro wurde.

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