Supermärkte, Tankstellen Abheben an der Kasse

Viele Banken arbeiten mit Handelsketten zusammen, damit ihre Kunden jederzeit mit Bargeld versorgt sind. Noch ist es unüblich, an der Ladenkasse Geld abzuheben. Doch die Angebote werden immer mehr angenommen.

Von Benedikt Müller

Noch wirkt das ungewohnt. Man zahlt im Supermarkt mit Karte, da fragt die Kassiererin: "Wollen Sie Geld abheben?" Manchmal, heißt es bei Rewe, stellten die Verkäufer diese Frage. Einfach, um auf das Angebot hinzuweisen.

Seit ein paar Jahren können Kunden bei Rewe, den Discountern Netto und Penny, dem Baumarkt Toom sowie einigen Edeka-Märkten bis zu 200 Euro vom Konto abheben, wenn sie für mindestens 20 Euro einkaufen. Immer mehr Kunden machen das, teilt Rewe mit, wenngleich der Anteil noch klein sei. Zahlen würden aus Sicherheitsgründen nicht verraten.

Den Kunden kostet das nichts, egal bei welcher Bank sie sind. Vielmehr müssen die Händler, wenn sie dem Kunden Geld auszahlen, dessen Bank eine Gebühr zahlen. Deshalb auch der Mindesteinkauf von 20 Euro. Die Läden wollen sicher sein, dass sie trotzdem Gewinn machen.

Dahinter steckt die Idee des "One-Stop-Shoppings", sagt Netto. Der Kunde soll das Gefühl haben, er könne mehrere Erledigungen an einem Ort bündeln. Vielleicht kauft er gar spontan ein bisschen mehr ein, um die 20-Euro-Grenze zu erreichen. Je mehr Bankfilialen schließen und je teurer das Geldabheben bei einer fremden Bank ist, desto attraktiver wird jedenfalls das Abheben im Laden.

Das dachte sich auch die Postbank, als sie im Jahr 2008 eine Kooperation mit Shell eingegangen ist. Wer bei Post-, Commerz-, Hypo-Vereins- oder der Deutschen Bank sein Konto hat, darf seitdem kostenlos an den Shell-Tankstellen Geld abheben, auch wenn er gar nicht tankt. Kunden anderer Banken zahlen 1,95 Euro drauf. Man arbeite mit Shell zusammen, erklärt die Postbank, um bei der Bargeld-Versorgung "weiße Flecken auf der Landkarte zu schließen".