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Südamerika:Venezuela verteuert Benzin

Im südamerikanischen Venezuela fehlt es praktisch an allem. Benzin aber verschleudert die sozialistische Regierung bislang zu absurd niedrigen Preisen. Damit soll jetzt Schluss sein.

Mit einem Euro kann man in Venezuela 20 000 Mittelklassewagen volltanken. Ein Liter Benzin kostet sechs Bolívar, für umgerechnet einen Euro gibt es rund eine Million Liter Treibstoff. Damit soll nun Schluss sein. Von diesem Montag an will die sozialistische Regierung die Treibstoffpreise langsam auf internationales Niveau anheben. "Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren diese Missbildung beenden, die über lange Zeit gewachsen ist: Wir haben das Benzin praktisch verschenkt", sagte Präsident Nicolás Maduro. Die Regierung geht davon aus, dass sie allein durch Benzinschmuggel nach Kolumbien und in die Karibik pro Jahr 18 Milliarden Dollar verliert. Registrierte Regierungsanhänger, Sozialhilfeempfänger und der öffentliche Nahverkehr sollen aber weiterhin durch direkte Subventionen unterstützt werden.

Venezuelas einst stolze Ölindustrie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Fördermenge ist zuletzt auf den niedrigsten Stand seit mehr als 50 Jahren gesunken. Weil die staatliche Erdölfirma PDVSA seit Jahrzehnten nicht mehr in moderne Fördertechnik, Instandhaltung ihrer Anlagen und die Ausbildung von Personal investiert, kann das Land mit den größten Ölreserven der Welt seinen Reichtum kaum abschöpfen.

Das hoch verschuldete Land bezahlt seine Kredite in Russland und China mit Öllieferungen und schickt auch dem sozialistischen Verbündeten Kuba noch immer Öl zum Vorzugspreis.

© SZ vom 21.08.2018 / dpa

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