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Suchmaschinen:Die Klick-Betrüger

Wie Kriminelle und neidische Konkurrenten versuchen, Werbetreibenden im Internet mit Tricks gezielt zu schaden.

Helmut Martin-Jung

Es war im Sommer 2004, als bei Christian Bennefeld ein unerwarteter Scheck einging. Der Suchmaschinenbetreiber Google zahlte an die Internet-Firma des Hamburger Diplom-Mathematikers ein paar Dollar zurück.

Klickbetrug

Gesucht, gefunden: Bis zu 80 Dollar zahlen manche Firmen für einen einzigen Klick bei Google.

(Foto: Foto: Reuters)

Bei der Suche nach dem Grund des Geldsegens stieß Bennefeld auf zwei wichtige Dinge: Eine neue Geschäftsidee und Machenschaften, bei denen Millionenschäden entstehen: Klickbetrug.

Ansatzpunkt ist die Werbung im Internet. Wer auf einer Seite von Suchmaschinen wie Google oder Yahoo einen Begriff eingibt, bekommt neben der Trefferliste auch werbliche Links auf Internet-Läden angezeigt. Deren Betreiber zahlen für jeden Klick eines Surfers. Und damit nicht Werbung für Fleisch bei der Suche nach Vegetarischem erscheint, werden nur Links angezeigt, die auch zum Suchbegriff passen.

Es gibt Firmen, die bis zu 80 Dollar für einen einzigen Klick auf den Link zu ihrer Plattform bezahlen, weil sie mit diesem keyword advertising ihre kleine Zielgruppe exakt treffen. In Deutschland liegt die Spitze bei elf Euro pro Klick. Geschwindelt wird dabei auf dreierlei Art: Für keyword advertising setzen die Kunden der Suchmaschinen ein Limit, wie viel sie höchstens für ihre Werbung ausgeben möchten.

Die Einnahmen teilen sich Google und der Seitenbetreiber

Ist das Tageslimit erreicht, wird die Werbung ausgeblendet. Indem nun ein Konkurrent Klicks auf die Anzeigen veranlasst, sorgt er dafür, dass diese Werbung verschwindet. Und der Werbende zahlt für wertlose Klicks.

Methode Nummer zwei: Betreiber von Internet-Seiten können Partnerlinks einbinden - also Links, die ebenfalls zum Thema passen. Die private Homepage eines Anglers etwa könnte dann Links zu einem Händler für Anglerzubehör enthalten.

Der Werbetreibende zahlt für Klicks auf seinen Link, die Einnahmen teilen sich Google und der Seitenbetreiber, also etwa der Angler. Jeder Klick spült somit Geld auch in die Kasse der Seitenbetreiber. Illegal wird es, wenn der Angler zum Beispiel seine Freunde dazu bringt, gezielt auf diesen Link zu klicken.

Der dritte Trick nutzt die Achillesferse der Suchmaschinen. Mit einem Bewertungs-Algorithmus - ihrem bestgehüteten Geheimnis - bestimmen die Suchmaschinen die Reihenfolge, in der die Ergebnisse dargestellt werden. Eine Variante davon bestimmt auch die Position der Anzeigen. Nur wer gut geklickt wird, bleibt oben und erhöht damit seine Chancen.

Knapp 20 Prozent der Klicks stehen im Betrugsverdacht

Der Trick besteht nun darin, einen Suchbegriff sehr oft einzugeben, aber eben nicht auf die Anzeige zu klicken. Die Performance der Anzeige wird schlecht, folglich platzieren die Suchmaschinen sie weiter unten.

Bei der rechtlichen Bewertung solcher Attacken kommt es auf den Einzelfall an. Wird beispielsweise fremde Werbung beeinträchtigt, "ist das wettbewerbsrechtlich relevant und kann zu Unterlassungs- und Schadensersatzklagen führen", so der Münchner Anwalt Steffen Haferkamp.

Bei den Partnerlinks hat Bennefeld mit seinem Anti-Betrugs-Programm ermittelt, dass etwa im deutschen Versandhandel knapp 20 Prozent der Klicks auf Anzeigen im Betrugsverdacht stehen. Zu seinen Kunden zählen Riesen wie Otto, Kaufhof oder Premiere. Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland, sieht dies anders.

Der Anteil betrügerischer Klicks in Deutschland liege "im Promillebereich". Man habe Methoden zur Entdeckung von Klickbetrug, und die würden auch erfolgreich eingesetzt. Viele Kunden seien überrascht, wenn plötzlich eine Rückvergütung von Google eintrudle. So wie der Mathematiker Bennefeld.

© SZ vom 30.03.2006
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