Studie Zu wenig und zu teuer

In Deutschland müssten dreimal mehr Sozialwohnungen gebaut werden, so eine Studie. Künftig müsse zudem höher und dichter gebaut werden.

Von Julian Erbersdobler, Berlin

Deutschland baut zu wenig, zu teuer und zu weit weg: Das ist das Fazit einer neuen Prognos-Studie, die das Bündnis Wohnungsbau am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Besonders gravierend: Bundesweit wird im sozialen Wohnungsbau nur ein Drittel von dem gebaut, was tatsächlich an neuen Sozialmietwohnungen gebraucht würde - nämlich 80 000 pro Jahr.

"Die zuletzt fertig gestellten 26 200 Sozialwohnungen sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Lukas Siebenkotten, der Direktor des Deutschen Mieterbundes, auf der Pressekonferenz. Um schneller voranzukommen, brauche es zusätzliche Fördermittel und bessere Konditionen. Dazu äußerte sich auch der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bau, Robert Feiger. "Mindestens sechs Milliarden Euro sind für den sozialen Wohnungsbau pro Jahr dringend notwendig", sagte er. Mit der bisherigen Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr vom Bund sei der enorme Schwund, den es bei den Sozialmietwohnungen gebe, nicht aufzuhalten.

Zuständig für neue Sozialwohnungen sind seit 2007 die Länder. Als Kompensation erhalten sie Geld vom Bund, das sie mit eigenen Mitteln aufstocken müssen. Die am Donnerstag vorgelegte Studie hat Robert Feigers Gewerkschaft gemeinsam mit anderen Verbänden in Auftrag gegeben. Dazu zählt unter anderem auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Deren Mitglieder profitieren, wenn mehr gebaut oder das Bauen erleichtert wird.

Siebenkotten vom Mieterbund nahm in seiner Ansprache auch die Bundesregierung in die Pflicht - nicht nur wegen der fehlenden Sozialwohnungen. Im Koalitionsvertrag steht, dass noch in dieser Legislaturperiode 1,5 Millionen neue Wohnungen entstehen sollen. "Wir können jetzt schon sagen: Dieses Ziel wird nicht erreicht werden." Kritisch sah Lukas Siebenkotten auch das von der Koalition eingeführte Baukindergeld, das er als "Kaufkindergeld" bezeichnete. Durch den Kauf bestehender Eigentumswohnungen beziehungsweise umgewandelter Mietwohnungen werde der Wohnungsmarkt nicht entlastet, sagte er. Positiv reagierte er dagegen auf die jüngsten Meldungen über die Wohngeld-Reform: Wer wenig verdient und mit steigender Miete zu kämpfen hat, soll von 2020 an mehr Geld vom Staat bekommen.

Was muss sich sonst noch ändern, um die Mietsituation in Deutschland zu verbessern? Dieser Frage hat sich das Verbändebündnis mit einem Zehn-Punkte-Plan genähert. Eine der Forderungen ist, dass in Zukunft höher und dichter gebaut werden muss als bisher. So könnten in Ballungszentren Mietpreissenkungen von 20 Prozent und mehr möglich sein, heißt es im Abschlusspapier. "Wir brauchen aber auch einfach mehr Personal in den Verwaltungen", sagte Siebenkotten vom Mieterbund.