Studie:Unklare Rauchzeichen

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Emissionshandel - Schornsteine und Kühltürme

Rauch über dem Ruhrgebiet. Aber nicht nur die Industrie verursacht Kohlendioxid-Emissionen, auch die Landwirtschaft trägt dazu bei.

(Foto: Jonas Güttler/dpa)

Der Kohlendioxid-Ausstoß sinkt 2015, eine Trendwende ist das wohl eher nicht. China und Indien setzen auf Kohlekraftwerke, und sie wollen Wachstum und Wohlstand. Gut möglich, dass die Emissionen schon bald wieder steigen werden.

Von Christopher Schrader, Berlin

Der weltweite CO₂-Ausstoß könnte 2015 zum ersten Mal seit langer Zeit sinken, obwohl sich die Weltwirtschaft nicht in einer Krise befindet. In diesem Jahr dürften sie um 0,6 Prozent sinken, schätzt ein Forscherteam, das die Emissionen von Kohlendioxid regelmäßig analysiert, und die Ergebnisse im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht hat. Um den gleichen Prozentsatz waren sie im Jahr 2014 gestiegen, auf knapp unter 36 Milliarden Tonnen. Zuletzt war der Ausstoß im Jahr 2009 wegen der Finanz- und Börsenkrise leicht gefallen. Trotzdem hatten die freigesetzten Mengen des Treibhausgases im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2013 um 2,4 Prozent zugenommen. Die Forscher zeigen sich daher überrascht, dass ein solides Wirtschaftswachstum mit sinkenden Emissionen einhergeht.

"Der verringerte Kohleverbrauch in China ist eine wichtige Ursache für den Rückgang", sagt eine der Autorinnen, Corinne Le Quéré von der University of East Anglia. "Die Emissionen des Landes sind 2014 nur noch um 1,2 Prozent gewachsen und könnten 2015 um 3,9 Prozent fallen." Dazu hat einerseits das verminderte Wirtschaftswachstum der Supermacht beigetragen, um das sich zuletzt nicht nur die Führung in Peking sorgte. Andererseits investiert das Land massiv in effizientere Technik und erneuerbare Energieformen, auch um den großen Kohlebedarf seiner Kraftwerke zu reduzieren. Er trägt entscheidend zu den katastrophalen Smogwerten in der Hauptstadt bei, die am Dienstag zu Fahrverboten, Produktionsunterbrechungen und schulfrei für Kinder führten.

"In vielen Ländern sind die Pläne für neue Kohlekraftwerke noch nicht vom Tisch."

Die Forscher um Le Quéré sind sich deshalb nicht sicher, ob bereits eine globale Trendwende bei den Emissionen erreicht ist. Eigentlich sind sie sogar eher skeptisch. Rob Jackson von der Stanford University spricht von einem wirklichen Rückgang in ein oder zwei Jahrzehnten. "Das sind interessante Zahlen, aber ein Datenpunkt macht noch keine Trendwende", sagt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Wir haben uns noch nicht wirklich vom Business as usual entfernt. In vielen Ländern sind die Pläne für neue Kohlekraftwerke noch nicht vom Tisch."

Vieles wird vor allem von China abhängen, das seine Wachstumsraten wieder steigern möchte. Wichtig ist aber auch die Entwicklung in Indien. Das Land setzt weiterhin steigende Mengen CO₂ frei und will das auch bis 2030 fortsetzen, um mehr Wohlstand zu erreichen, wie es beim Klimagipfel in Paris verkündete. Sollten die Emissionen daher in der Größenordnung von 36 Milliarden Tonnen bleiben, dann würden die Staaten der Welt ein vom Weltklimarat definiertes Budget binnen 25 Jahren aufbrauchen, also bis 2040. Der IPCC hatte erklärt, um die Erwärmung mit guter Chance auf zwei Grad zu begrenzen, dürften nicht mehr als 1000 Milliarden Tonnen Treibhausgase ausgestoßen werden, und dazu zählt neben Kohlendioxid zum Beispiel auch Methan, das aus Kuhmägen, Reisfeldern und Erdgasbohrungen entweicht.

Von den 36 Milliarden Tonnen CO₂ ist im vergangenen Jahr 2014 etwa ein Drittel in der Atmosphäre geblieben. Das ist im historischen Vergleich relativ wenig, weil der Ozean und vor allem die Landflächen mit ihren Pflanzen mehr Kohlendioxid aufgenommen haben als im Durchschnitt früherer Jahre. Bei den Landflächen wurde eine derart hohe Aufnahme seit 60 Jahren nicht mehr gemessen, zeigen die Wissenschaftler.

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