Studie Reich gegen arm

SZ-Grafik: Lisa Bucher; Quelle: Allianz Global Wealth Report 2015

Ein neuer Report zeigt: Die Vermögensunterschiede wachsen weiter - und das nicht nur zwischen den Ländern, sondern auch innerhalb der Staaten.

Von Benedikt Müller

Das weltweite Vermögen wächst und wächst - zu diesem Ergebnis kommt der Global Wealth Report des Versicherungskonzerns Allianz. Demnach besaß ein durchschnittlicher Erdenbürger im Jahr 2014 abzüglich Schulden gut 20 000 Euro, angelegt bei Banken, Versicherungen oder in Wertpapieren. Dieser Wert liegt um 8,1 Prozent höher als im Vorjahr. Dabei sind die Unterschiede enorm. Nicht nur zwischen den Weltregionen, sondern auch innerhalb der einzelnen Staaten.

So ist das Pro-Kopf-Vermögen in den USA zwar dreimal so hoch wie in Deutschland. Laut der Studie ist der Reichtum aber nirgendwo so ungleich verteilt wie in den Vereinigten Staaten, mit einem Gini-Koeffizienten von über 80 (siehe Grafik). Ein Wert von 100 würde bei diesem Koeffizienten bedeuten, dass ein einziger Mensch im Besitz des gesamten Vermögens wäre, bei null wäre der Reichtum völlig gleich verteilt. Gemäß dem Report klafft in den USA seit der Finanzkrise eine immer größere Lücke zwischen Arm und Reich.

In krisengeplagten Euro-Staaten wie Spanien oder Griechenland habe sich die Ungleichheit dagegen nicht verschärft, so die Forscher. Das gilt auch für Deutschland, wo zumindest die Einkommensunterschiede dank dem Mindestlohn und der guten Arbeitsmarktlage offenbar kleiner werden. Nichtsdestotrotz zählt Deutschland in der Studie zu den Staaten, in denen der Reichtum besonders ungleich verteilt ist.

Jedes Jahr untersuchen die Forscher, wie viel Geld die Privatleute in 53 großen Volkswirtschaften besitzen. Dabei wächst der Reichtum in Asien besonders stark. Erstmals war das Vermögen aller Chinesen im Jahr 2014 mehr wert als das aller Japaner. Während die Aktienkurse im Reich der Mitte stark stiegen, litten die vorsichtigen Sparer aus Japan unter den niedrigen Zinsen und dem Wertverfall des Yen. Im laufenden Jahr dürfte sich allerdings der Absturz an der Shanghaier Börse bei den chinesischen Anlegern bemerkbar machen.

In Deutschland erging es den Sparern laut dem Report ähnlich wie den Japanern: Zwar legten sie im vergangenen Jahr einen vergleichsweise hohen Teil ihres Einkommens zur Seite - allerdings überwiegend in Anlageformen mit nur wenig Rendite. Deshalb sei der Schaden durch niedrige Zinsen auf den Sparkonten hierzulande größer als die Ersparnis durch günstige Kredite, schreiben die Forscher. Für die gesamten Euro-Zone sei der Effekt allerdings umgekehrt.