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Studie:Nackt durch Facebook

Arbeitgeber scannen Job-Kandidaten in sozialen Medien und diskriminieren Bewerber aufgrund von Merkmalen wie ihrer Herkunft: Das legt ein aktuelles Experiment dreier französischer Wissenschaftler nahe.

Moderne Menschen geben mehr von sich preis als früher: Im Internet, wo jeder diese Daten per Mausklick schnell auffinden kann. Müssen zum Beispiel Job-Kandidaten aufpassen, welche Informationen Arbeitgeber über sie in sozialen Medien finden können? Werden manche Bewerber wegen solcher Daten aussortiert, obwohl sie geeignet sind? "Über das Ende der Privatsphäre wird viel spekuliert", sagt Romesh Vaitilingam vom Ökonomenverein European Economic Association (EEA). Es gebe über die Folgen etwa für Bewerber viele Gerüchte, aber wirklich belegt sei erstaunlich wenig. Wenn Arbeitgeber soziale Medien durchsuchten, um potenzielle Mitarbeiter gläsern werden zu lassen, hielten sie das geheim.

Drei französische Wissenschaftler haben ein Experiment gestartet, um herauszufinden, in welchem Umfang Firmen soziale Medien wirklich nutzen. Das Ergebnis, das sie am Dienstag auf der EEA-Jahrestagung in Mannheim vorstellten, ist aufschlussreich: Jeder Bewerber sollte gewarnt sein, was Daten über ihn betrifft.

Serge Pajak und zwei andere Ökonomen von der Uni Paris Süd bewarben sich für ihre Studie mehr als ein Jahr lang unter zwei fiktiven Namen bei französischen Firmen. Dabei verschickten sie für beide Scheinkandidaten identische Unterlagen, die völlig identische Fähigkeiten für den Job zeigten. Der einzige Unterschied zwischen den Bewerbern: Im Netz konnte die Firma bei den Kandidaten eine Abweichung finden, wenn sie sich die Facebook-Profile ansah: Der eine Bewerber war demnach in Marokko geboren, nicht in Frankreich wie der andere. Das Ergebnis war eindeutig: Der angebliche Marokkaner wurde nur in 13 Prozent aller Fälle zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Der angebliche Franzose dagegen in 21 Prozent aller Fälle.

Pajak und Co. ziehen daraus zwei Schlüsse. Zum einen lässt sich erkennen, dass Firmen tatsächlich Daten über Bewerber in sozialen Medien scannen, anders, als sie es oft behaupten. Denn wieso hätten die Firmen sonst den einen Bewerber dem anderen vorziehen sollen, bei identischer Qualifikation? Der zweite Schluss ist noch beunruhigender: Arbeitgeber diskriminieren Bewerber aufgrund von Merkmalen wie ihrer Herkunft. Das ist ebenso wie die Diskriminierung etwa wegen des Geschlechts in vielen Ländern verboten - es wird aber praktiziert, wie die Studie nahelegt.

Einen weiteren Beleg für ihre Erkenntnisse erhielten die Forscher, als Facebook das Design der Profilseiten veränderte. Auf einmal rutschte die Information über den Geburtsort auf eine Untersektion der Hauptseite, die man erst anklicken musste. Prompt erhielt der angebliche Marokkaner, der nicht mehr auf den ersten Blick als solcher zu erkennen war, mehr Einladungen. Wie schützen sich Bewerber vor solchen Diskriminierungen? Der Rat liegt auf der Hand: Indem sie weniger über sich im Netz preisgeben, um nicht nackt auf Facebook zu sein.