bedeckt München 15°
vgwortpixel

Studie:Mehr Frauen, mehr Gewinn

Schattenriss einer Frau im Büro

In großen Unternehmen funktioniert die Gleichstellung oft.

(Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa)

In deutschen Vorstandsgremien ist der Frauenanteil zuletzt gestiegen, zeigt eine Untersuchung der Allbright Stiftung.

Es ist auffällig, wie sich die Namen häufen, die Frauennamen: Janina Kugel, die Personalchefin von Siemens, tritt ab. Lisa Davis, Chefin der Energiesparte Power and Gas, wird von einem Mann abgelöst. Milagros Caiña-Andree, die einzige Frau im BMW-Vorstand, legt ihr Amt zum Vertragsende nieder. Valeria Holsboer, Vorständin der Bundesagentur für Arbeit, musste ihren Posten räumen. Seit dem Abgang von Sylvie Matherat besteht der Vorstand der Deutschen Bank wieder zu 100 Prozent aus Männern. Und Hauke Stars verlässt den Vorstand der Deutschen Börse.

Kann das Zufall sein? Ja, das kann es. Nicht jeder einzelne Abgang einer Frau liegt an einer frauenfeindlichen Unternehmenswelt. Was wiederum nicht heißt, dass eine Machokultur in der deutschen Wirtschaft nicht existiert.

"Es wäre sehr ungerecht, bei einigen dieser Frauen von Scheitern zu sprechen."

Die Gründe für die Abgänge der Vorstandsfrauen sind unterschiedlich. Holsboer ist an Widerständen innerhalb der Agentur gescheitert, ihre Feinde haben den Machtkampf gewonnen. Mit Kugel und Caiña-Andree gehen zwei Frauen freiwillig, die weitgehend unangefochten waren. Kugel hat andere Pläne, die sie noch nicht verrät. Caiña-Andree geht aus privaten Gründen. "Es wäre sehr ungerecht, bei einigen dieser Frauen von Scheitern zu sprechen", sagt Wiebke Ankersen, die Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung. Es sei interessant, dass Frauen wie Janina Kugel schlicht nicht geglaubt wird, wenn sie sagte, sie gehe freiwillig, um sich anderen Interessen zu widmen. "Offensichtlich können sich die Leute nicht vorstellen, dass das die Wahrheit ist. Frauen fällt es eben leichter, loszulassen, weil sie sich nicht so sehr über Status definieren."

Frauenrechte und Gleichberechtigung "Frauen wollen Karriere"
Simona Scarpaleggia im Interview

"Frauen wollen Karriere"

Simona Scarpaleggia war neun Jahre Geschäftsführerin bei Ikea Schweiz, nun soll sie die Digitalisierung voranbringen. Den Kampf gegen Klischee-Sätze führt sie aber weiter.   Von Kathrin Werner

Eigentlich geben die Zahlen aus der deutschen Wirtschaft gerade Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Am Stichtag 1. September 2019 waren die Vorstände der 160 deutschen Börsenunternehmen mit 641 Männern und 66 Frauen besetzt, das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung des Frauenanteils von acht auf 9,3 Prozent, hat die Allbright-Stiftung in einem Report gezählt. Wer sich diesen Frauen-Durchbruch veranschaulichen will, kann auf die Vornamen blicken: Erstmals überhaupt gibt es in den Vorständen insgesamt mehr Frauen als Männer mit dem Namen Thomas und Michael. Um die Zahl der Frauen aufzuwiegen, brauchen Thomas und Michael nun auch noch Stefan - die drei Vornamen kommen zusammen 83 Mal vor. Häufigster Vorname bei den Frauen ist übrigens Susanne.

Der Anstieg des Frauenanteils unter den Topmanagern liegt vor allem daran, dass die Fluktuation im vergangenen Jahr besonders hoch war. Ungewöhnlich viele Vorstände mussten ihre Posten räumen oder gingen in den Ruhestand. Und wenn viel Wechsel ist, werden Ämter überdurchschnittlich oft von Frauen besetzt. Genauer gesagt: Zwölf Prozent der Neueinstellungen sind Frauen. So steigt die Frauenquote langsam, insbesondere, weil weniger Frauen ihre Ämter wegen Renteneintritt oder Kündigung verlieren. Vier Frauen und 120 Männer haben im vergangenen Jahr aus unterschiedlichen Gründen ihr Vorstandsmandat abgegeben, das entspricht jedem fünften Mann und jeder 14. Frau.

"Frauen sitzen tatsächlich fester im Sattel", schreibt die deutsch-schwedische Allbright-Stiftung, die sich dem Thema Frauen in Führungspositionen widmet. Einen Beleg dafür, dass Frauen schlechter in ihren Jobs sind und deshalb in Führungspositionen öfter scheitern, gibt es also nicht - ganz im Gegenteil. Die Zahlen weisen also darauf hin, dass die Abgänge der Wirtschaftsfrauen der vergangenen Wochen eher Zufall sein dürften. Sie fallen vermutlich einfach stärker auf, weil Frauen in Führungspositionen noch immer eine Seltenheit sind. Und weil deshalb mit einem einzigen Abgang die Frauenquote leicht auf null Prozent sinkt.

Wenn Frauen scheitern, liegt das oft auch an einem Phänomen, das den englischen Namen "Glass Cliff" trägt - die gläserne Klippe. Eine groß angelegte Studie der britischen University of Exeter hat belegt, dass es wahrscheinlicher ist, dass Frauen Positionen annehmen, die von vornherein mit einem höheren Risiko des Scheiterns behaftet sind - entweder, weil die Firma bereits vor dem Antritt der Frau in einer Krise steckte, oder weil die Frau nicht genug Ressourcen und Unterstützung bekommt, um erfolgreich zu arbeiten. Die britische Premierministerin Theresa May ist so ein Beispiel. Oder Marissa Mayer bei Yahoo oder Carly Fiorina bei HP. "Wenn es den Unternehmen schlecht geht, sagen die wirklich qualifizierten weißen männlichen Kandidaten: 'Ich will da nicht mitmachen'", sagte die Wissenschaftlerin Alison Cook von der Utah State University, die eine Studie zum Glass Cliff in den USA angefertigt hat.

Schweden, Frankreich, Großbritannien oder die USA haben mehr Managerinnen

"Frauen und Angehörige von Minderheiten haben eher das Gefühl, dass dies ihre einzige Chance ist, also müssen sie die Sache durchziehen und annehmen." In Deutschland ging ebenfalls vor Kurzem ein schwieriger Posten an eine Frau: Der Aufsichtsratsvorsitz von Thyssenkrupp. Martina Merz sagte zu, nachdem mehrere männliche Manager abgewinkt hatten.

Frauen im Vorstand jedenfalls steigern die Erfolgsaussichten von Unternehmen. Das Peterson Institute for International Economics hat 21 980 Firmen in 91 Ländern untersucht und herausgefunden, dass Unternehmen mit einem Frauenanteil von mindestens 30 Prozent auf der obersten Managementebene im Durchschnitt einen um 15 Prozent höheren Reingewinn hatten. Je mehr Frauen im Topmanagement, desto besser außerdem die Entwicklung des Aktienkurses, hat die Bank Credit Suisse ermittelt.

Trotz des schnelleren Anstiegs der Zahl der Vorstandsfrauen ist Deutschland im internationalen Vergleich noch immer eines der Schlusslichter. Schweden, Frankreich, Großbritannien oder die USA haben deutlich mehr Managerinnen in den großen, börsennotierten Unternehmen. "Das ist jetzt nichts zum darauf Ausruhen", sagt Ankersen von der Allbright-Stiftung. "Es ist immer noch eine konkrete Aufforderung an die Unternehmen, sich zu verbessern, und auch an die Politik, frauenfeindliche Regeln wie das Ehegattensplitting abzuschaffen." Sie glaubt aber, dass Deutschland inzwischen auf dem richtigen Weg ist. Das liege vor allem daran, dass der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten gestiegen ist. Es ist inzwischen per Gesetz vorgeschrieben, dass 30 Prozent des Gremiums mit Frauen besetzt wird. Etliche Unternehmen kommen sogar auf höhere Quoten.

SAP zum Beispiel gehört mit 50 Prozent Frauen im Aufsichtsrat und zwei Frauen im Vorstand zu den deutschen Börsenunternehmen mit dem höchsten Frauenanteil im Topmanagement. Aufsichtsrätinnen sind wichtig, denn sie sind dafür zuständig, den Vorstand zu besetzen - und Menschen tendieren dazu, Menschen einzustellen, die ihnen ähneln.