Strompreis Immer mehr Firmen wollen keine Netzgebühren zahlen

Spannung im System: Mehr als 1500 Firmen stellten in diesem Jahr schon Antrag auf Befreiung vom Netzentgelt. Für die ausfallenden Beiträge müssen Privatkunden und kleinere Firmen aufkommen.

Immer mehr Unternehmen wollen sich von den Entgelten für die Stromnetze ganz oder teilweise befreien lassen. In diesem Jahr stellten schon mehr als 1500 Firmen einen Antrag auf Befreiung von den Gebühren, wie aus der nun veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervorgeht. Die Anträge kommen zu Tausenden schon bestehenden Befreiungen hinzu.

Die Netzentgelte machen insgesamt etwa ein Fünftel des Strompreises aus. Sie sollen Betrieb und Ausbau der Stromnetze finanzieren. Firmen, die besonders viel Energie verbrauchen oder diese vor allem an Tagesrandzeiten nutzen, können sich davon aber ganz oder teilweise befreien lassen. Die schwarz-gelbe Koalition hatte den Kreis dieser Firmen und die Möglichkeiten zur Entlastung 2011 deutlich ausgeweitet. 2011 und 2012 hatten knapp 4800 Unternehmen eine Befreiung von den Netzentgelten beantragt.

Mehr als 1700 Verfahren sind noch offen

Für die ausfallenden Beiträge müssen die anderen Stromverbraucher - also Privatkunden und kleinere Firmen - aufkommen. Sie finanzieren die Ausnahmen über eine Umlage, die einmal pro Jahr festgelegt wird. Genehmigt wurden dies bislang in gut 2300 Fällen, mehr als 1700 Verfahren sind noch offen, mehr als 400 wurden eingestellt.

Die Grünen kritisierten die Ausnahmeregeln erneut: Diese seien eingeführt worden, "weil die schwarz-gelbe Bundesregierung dachte, dass die Strompreise nach dem Atomausstieg unter die Decke gehen. Sind sie aber nicht", erklärte die Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn. Ihr Fraktionskollege Oliver Krischer kritisierte: "Es kann nicht sein, dass die privaten Haushalte die Strompreise für Golfplätze, Autohäuser und Hähnchenmäster mitbezahlen."