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Stromerzeugung:Erneuerbare Energien liefern erstmals mehr als die Hälfte des Stroms

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Zum ersten Mal erzeugen Wind, Sonne und Wasser den Großteil des Stroms in Deutschland. Grund dafür war auch das Wetter.

Es geht in Deutschland mit der Energiewende voran, zumindest schrittweise: 2023 stammte die Energie für die Stromerzeugung in Deutschland zum ersten Mal zu mehr als der Hälfte aus erneuerbaren Quellen, nämlich zu 56 Prozent. Das zeigen aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur. 2022 waren es noch 47,4 Prozent. Auch der Anteil am Stromverbrauch ist gestiegen, er lag 2023 bei 55 Prozent, 6,6 Prozentpunkte höher als noch im Jahr zuvor.

Besonders wichtig sind Windkraftanlagen. An Land und vor der Küste (On- und Offshore) betrug ihr Anteil 31,1 Prozent. Anlagen an Land machen dabei den größeren Beitrag aus. Solarenergie lieferte 12,1 Prozent zu, Biomasse 8,4 Prozent. Die verbleibenden Prozente entfallen auf Wasserkraft und sonstige erneuerbare Erzeugung.

Ein Grund für den hohen Anteil an Erzeugung und Verbrauch ist das Wetter, aber auch der Leistungsausbau. Die Bundesnetzagentur schlüsselt auch auf, wie sich die einzelnen Erneuerbaren entwickelt haben: So war die Erzeugung aus Windanlagen an Land etwa 18 Prozent höher als noch im Vorjahr, während die Anlagen vor der Küste sogar fünf Prozent weniger leisteten als 2022 - unter anderem wegen Wartungsarbeiten. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik blieb konstant, was die Bundesnetzagentur auf das Wetter zurückführt: 2022 schien mehr Sonne als 2023, der Ausbau der Solaranlagen konnte diese Differenz aber ausgleichen. Auch die Wasserkraft hing vom Wetter ab: Weil es mehr regnete, lag die Erzeugung 16,5 Prozent über dem Vorjahr.

Die Erzeugung aus konventionellen Energieträgern insgesamt ging um 24 Prozent zurück. Aus Steinkohle wurden 36,8 Prozent und aus Braunkohle 24,8 Prozent weniger Strom erzeugt. Im April 2023 wurden außerdem die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet. Gestiegen aber ist die Stromerzeugung aus Erdgas. Sie lag 31,3 Prozent höher. Grund dafür sind auch die niedrigeren Gaspreise, sodass Gaskraftwerke wieder wirtschaftlicher betrieben werden konnten.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, Deutschland komme auf dem Weg hin zu einer klimaneutralen Stromversorgung sichtbar voran. Das sei "gut für die Wirtschaft und gut fürs Klima". 2023 seien so viele Solaranlagen installiert worden wie nie zuvor, der Ausbau der Windenergie an Land werde immer dynamischer. Auch beim Netzausbau ziehe das Tempo endlich an. "Es bleibt zwar weiter viel zu tun, aber der aktuelle Erfolg ist ein guter Ansporn, die Anstrengungen fortzusetzen", sagte Habeck.

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