Süddeutsche Zeitung

Stress mit den Behörden:Des Königs neue Neider

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Peter Fitzek hat seinen eigenen Staat, seine eigene Währung, ja sogar seine eigenen Versorgungskassen - alles garantiert ohne Steuern, Inflation oder Verschuldung. Nur die Finanzaufsicht will nicht so recht mitspielen.

Von Cornelius Pollmer

Wittenberg ist die Stadt Luthers, und wenn Peter Fitzek die Dinge richtig sieht, dann wurde der Ort gerade ein weiteres Mal vom Weltgeist geküsst und mit einem zweiten großen Reformator beschenkt. Dieser Reformator wäre dann er selbst, Peter Fitzek. Aber auf ein paar Unterschiede sollte man dann doch hinweisen. Fitzek schwebt eher eine "sanfte Revolution" vor, und ein bisschen schneller möge die Erneuerung dieses Mal bitte auch gelingen. Fitzek sagt: "In ein, zwei Jahren ist das ganze Land reformiert, die ganze Welt meinetwegen in fünf Jahren."

Ausgangspunkt für die sanfte Weltrevolution ist nicht die Schlosskirche, aber immerhin die Schlossstraße, Hausnummer 29. Hier hat Fitzek die Zentrale seiner "Königlichen Reichsbank" eröffnet und hier wird er in den kommenden Stunden weit mehr als 95 Thesen formulieren. Nummer 1: "Dieses Volk der 80 Millionen lässt sich neu organisieren, wenn endlich die kosmischen Gesetze akzeptiert werden."

Ungeachtet dieser kosmischen Gesetze ist Peter Fitzek in den vergangenen Jahren immer wieder in Schwierigkeiten geraten, weil er sich weigerte, geltendes weltliches Recht zu akzeptieren. Fitzek gründete auf dem Boden der Bundesrepublik vor zweieinhalb Jahren und mit heiligem Ernst seinen eigenen Fantasiestaat, das Königreich Deutschland. Der "Imperator Fiduziar" ging höchstselbst zum Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt, um auf die geopolitischen Veränderungen in der Region hinzuweisen. Das neue Königreich wurde bislang allerdings ebenso wenig anerkannt wie das erfundene Kennzeichen, dessentwegen Peter Fitzek gleich mehrfach auf den Straßen des Landes angehalten worden ist und das ihm eine Verurteilung durch das Amtsgericht in Neustadt am Rübenberge eingebracht hat.

Prozesse gegen Fitzek sind aufwendig - denn neben Einsicht fehlt ihm auch ein Ausweis

Solche Verfahren sind in seinem Fall schon deswegen aufwendig, weil neben jeglicher Einsicht auch der Personalausweis fehlt, den Fitzek "vor Jahren schon" aufgegeben hat. Gefährliche Körperverletzung, Urkundenunterdrückung, er habe "gegenwärtig elf oder 12 Verfahren zu liegen", sagt Fitzek. Um die kümmere er sich meist selbst, das heißt, er lese Gesetze und dann schaue er, "wo ist Gestaltungsspielraum?"

Auf wirklich engstem Raum muss Fitzek das Spiel mit der Finanzaufsicht Bafin gestalten. Diese strebt einen gewaltigen Kassensturz an, im Visier sind Fitzeks "Deutsche Gesundheitskasse", seine "Deutsche Ruhestandskasse" sowie die "Deutsche Haftpflichtschadensausgleichskasse". Acht Stunden dauerte die Razzia im vergangenen Jahr wegen des Verdachts auf illegale Versicherungsgeschäfte. Vermutlich noch länger bräuchte es, wollte man den kompletten Schriftwechsel zwischen Fitzek und der Bafin lesen. Der "Oberste Souverän" hat für die Mitglieder seiner Kleinmonarchie eine "Kooperationskasse" eingerichtet. Die Bafin erkennt darin das "Betreiben von Bankgeschäften ohne Erlaubnis", Paragraf 32 Absatz 1 Kreditwesengesetz.

"Die meisten Leute halten mich für einen Spinner"

Offenbar ist in der Reichsbank casual Tuesday, Monarch Peter jedenfalls trägt beim Empfang ein einfaches schwarzes Hemd mit goldenen Insignien des Königreichs. Auf dem Boden wechselt grauer Teppich mit schwarzem Marmor, obenrum verschwimmt der Raum zu einer unauffälligen Mischung aus Reisebüro und Raiffeisenbankfiliale. Der Händedruck von Fitzek ist ein bisschen zu verbindlich, sein Lächeln ein bisschen überspannt. In kuschelwarmen Worten wiederholt er jetzt noch einmal die vermeintlichen Vorteile seiner Kooperationskasse, die sich der Bafin wie dem unbedarften Passanten gleichermaßen nur schwer erschließen. Wer bei ihm ein Konto eröffne, der habe eigentlich nur Vorteile. "Keine Steuern, keine Inflation, keine Verschuldung", sagt Fitzek.

Da ist man natürlich verblüfft, und fragt sicherheitshalber nach: Und wenn ich das eingezahlte Geld irgendwann in Euro zurücktauschen möchte, dann geht das auch, oder? "Sie kriegen die Euros zurück, wenn wir es uns leisten können", sagt Fitzek. Er müsse das Geld genauso wenig rausrücken wie es die Sparkasse im Zweifel müsse, "der Unterschied ist: Ich sage den Leuten das, das ist im alten System nicht so."

Dem neuen System gehören zwischen 25 und 700 Menschen an, je nachdem, wie eng oder weit man den Begriff "Unterstützer" definieren möchte. Bei seiner Krönung jedenfalls soll Fitzek um die 600 Sparbücher verwaltet haben. Aber die Fluktuation ist beträchtlich, einige Unterstützer fühlen sich um Geld und Lebenszeit gebracht, vor allem ersteres. "Ich muss die Spreu hier selbst vom Weizen trennen", sagt Fitzek, und es glaube bitte niemand, dass das ein Vergnügen sei. Es gebe Zeiten, in denen er 120 Stunden pro Woche arbeite, normal seien 60 bis 80. Die Verantwortung für sein Königreich wiege schwer, "soll ich es in Tonnen sagen? Es gibt Zeiten, in denen dieser Körper kurz vor dem Zusammenbruch steht."

Für September ist die Gründung seiner königlichen Universität geplant

Fitzek kümmert sich um die kleinen Dinge wie die Stanze, die er neulich erworben hat, um ein bisschen Zentralbank zu spielen und noch mehr Neue Deutsche Mark in Umlauf zu bringen oder er kümmert sich um die Schulbücher seiner Kinder, die er in der Vergangenheit eigenhändig ausgebessert hat, vor allem jenes für Geschichte. Und er kümmert sich natürlich um die großen Dinge wie die Gründung seiner Universität, die für den Jahrestag der Staatsgründung im September geplant ist.

Fitzek erkennt darin ein gutes Werk am Menschen, und zwar nicht am Menschen Peter Fitzek, sondern am Menschen als solchem. "Ich mache das nicht, um in der Sonne zu stehen und mir auf die Schulter zu klopfen", sagt Fitzek. Was habe er denn davon? "Die meisten Leute halten mich für einen Spinner und ich stehe mit einem Bein im Knast."

Die Auseinandersetzung mit der Bafin entscheide "darüber, wie die Sache für uns ausgeht", sagt Fitzek. Im Grunde aber könne er gar nicht verlieren. Lässt man ihn weitermachen, werde er sein Ziel erreichen, also, "dass die Menschheit wieder blüht". Hindert man ihn daran, dann weiß König Peter seinen Platz in der Geschichte schon jetzt präzise zu beschreiben: "Leute, die der Gesellschaft halfen wie Martin Luther, wie Jesus, wie ich, die sind noch immer von genau jenem Pöbel gejagt worden, für den sie eigentlich etwas tun wollten."

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SZ vom 22.02.2014/cto
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