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Streit um Staatsschulden:Hedgefonds lässt Marineschiff pfänden

Seit Jahren streitet ein Fonds von den Cayman Islands mit der argentinischen Regierung um die Rückzahlung von Staatsschulden. Nun hat der Fonds zu einer rabiaten Methode gegriffen: Er ließ in Ghana ein Schiff der argentinischen Marine beschlagnahmen.

SAIL 2000 "LIBERTAD"

Libertad, zu deutsch Freiheit, heißt das Segelschulschiff der argentinischen Marine. Mit der Freiheit ist es aber nun vorerst vorbei: Ein Hedgefonds hat das Schiff in Ghana beschlagnahmen lassen. Das Bild zeigt die Libertad im Jahr 2000 in Bremerhaven.

(Foto: DPA)

Die A.R.A. Libertad war einst der Stolz der argentinischen Marine: 1966 überquerte der Dreimaster, dessen Name auf deutsch Freiheit bedeutet, den Atlantik zwischen Kanada und Irland in acht Tagen und zwölf Stunden. Bis heute hält der Segler diesen Geschwindigkeitsrekord. Doch seit Mittwoch gehört das Schulungsschiff den Argentiniern nicht mehr - zumindest sehen das ein ghanaisches Gericht und ein Hedgefonds von den Cayman Islands so. Zur Wut der Argentinier wurde das Schiff beschlagnahmt. Der Grund: Nicht zurückgezahlte Schulden nach der Staatspleite von 2001.

"Die Geier-Fonds haben eine neue Grenze überschritten bei den Attacken gegen die argentinische Republik", wütete der argentinische Außenminister in einer ersten Reaktion. Die Beschlagnahmung sei ein Trick und widerspreche der Genfer Konvention. Er habe Kontakt zu den ghanaischen Behörden aufgenommen, um das Schiff freizubekommen.

Tatsächlich hatte der Elliot Capital Management Fond und seine zuständige Tochter NML Capital offenbar gewartet, bis das 100 Meter lange Schiff mit rund 200 Seemännern an Bord einen Hafen anläuft, indem sie eine Beschlagnahmung durchsetzen könnten, berichtete die Financial Times. US-Milliardär Paul Singer hat es mit seinem Fonds zum Geschäft gemacht, Anleihen von bankrotten Staaten oder Unternehmen zu kaufen - und dann trotz aller Schuldenerlasse die volle Rückzahlung juristisch durchzusetzen.

Der Hegdefonds streitet sich seit Jahren mit der argentinischen Regierung

Mit Argentinien liegt Singer seit Jahren im Clinch. Nach der Staatspleite im Jahr 2001 hatte das Land Verbindlichkeiten in Höhe von 100 Milliarden Dollar umgeschuldet. 93 Prozent der Schuldner hätten sich damals darauf eingelassen, nur 30 Prozent ihrer Ausstände zurückzubekommen, berichtete die BBC. Singer und Elliot Capital gehörten nicht dazu. Vor Gerichten in Amerika und Großbritannien streitet Elliot mit dem Land um 1,6 Milliarden Dollar - wobei sowohl Argentinien als auch Singer hart bleiben.

Zuletzt hatte Singer einen Erfolg verbucht: Im Februar urteilte ein US-Gericht vorläufig, dass Argentinien zunächst Zinsen an den Fonds zahlen müsse, bevor er die Gläubiger der Umschuldung bezahlen könne. Die Entscheidung in einem Berufungsverfahren stehe noch aus, berichtete die Financial Times.

Der Fonds, der rund 15 Milliarden Euro verwaltet, weist laut New Statesman darauf hin, dass er nur Staaten unter Druck setze, die es sich leisten können, die Schulden auch zu bezahlen. In der Vergangenheit hatte Elliot dabei unter anderem in Peru Erfolg, wo er mit der Staatspleite im Nachhinein viel Geld verdiente.

Wie es nun weitergeht mit dem Ausbildungsschiff und den 200 argentinischen Seeleuten, blieb am Donnerstag zunächst unklar. Das Schiff dürfe den Hafen verlassen, wenn eine Kaution bezahlt würde, hieß es von ghanaischer Seite. Der Wert des Schiffes wird auf 10 bis 15 Millionen Euro geschätzt. Argentinien dürfte das Schiff aber weitaus mehr wert sein.

© Süddeutsche.de/bero
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