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Streit um Desertec:Konsortium will Wüstenstromprojekt weiterführen

Heftiger Streit hinter den Kulissen des ambitionierten Wüstenstromprojekts: Die Stiftung kündigt die Zusammenarbeit mit dem Industriekonsortium Desertec Industrial Initiative auf und will der Initiative die Namensrechte an "Desertec" entziehen. Diese will trotzdem weitermachen, kündigt aber personelle Konsequenzen an.

Die Industriekonsortium Desertec Industrial Initiative (Dii) will trotz heftigen Streits hinter den Kulissen das Wüstenstromprojekt Desertec weiter vorantreiben. "Wir machen unsere Arbeit", sagte ein Dii-Sprecher in München.

Der Rückzug der Wüstenstrom-Stiftung Desertec aus der Planungsgesellschaft Dii gefährde die Arbeit nicht substantiell. Neben der Desertec-Stiftung gehören gut 50 internationale Großkonzerne wie zum Beispiel Eon, RWE, die Deutsche Bank, Italiens Energieriese Enel und die MunichRe zu dem Zusammenschluss. Der Sprecher kündigte aber an, dass es an der Dii-Spitze zu personellen Veränderungen kommen werde. Zuletzt hatten sich Geschäftsführer Paul van Son und seine Stellvertreterin Aglaia Wieland einen öffentlichen Streit geliefert.

Die Stiftung als Ideengeber des Desertec-Projekts hatte daraufhin am Wochenende das Ende der Zusammenarbeit angekündigt. Sie hatte den Schritt mit "unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten" über die künftige Strategie begründet. Zudem bemängelte sie die Kommunikation sowie den Führungsstil der Dii-Spitze. Der Industrieinitiative will sie nun die Nutzung des Markennamens Desertec verbieten. Die Rechte dafür liegen bei der Stiftung.

Studie zur Realisierbarkeit von Wüstenstromprojekten vorgelegt

Der Dii-Sprecher bedauerte den Rückzug der Nichtregierungsorganisation aus dem Industriekonsortium. Er räumte ein, davon am Wochenende kalt erwischt worden zu sein. "Wir müssen erstmal klären, was da genau passiert ist." Er wies aber den Eindruck zurück, dass es eine inhaltliche Auseinandersetzung gebe. Zuletzt hatte es geheißen, dass sich zwei Lager gegenüber stünden. Dabei soll es vor allem um die Frage gegangen sein, das Projekt zunächst kleiner anzulegen und Stromlieferungen nach Europa erstmal nicht umzusetzen. "Unser Ziel ist weiterhin, dass der Export von Strom aus Nordafrika nach Europa immer mehr wächst", sagte der Dii-Sprecher.

Erst in der der vergangenen Woche hatte die Dii eine umfassende Studie zur Realisierbarkeit von Wüstenstromprojekten vorgelegt und sich dabei für eine gezielte Förderpolitik in Europa ausgesprochen. Ein Projekt in Marokko könnte laut Dii schnell umgesetzt werden, wenn Europa endlich grünes Licht für die Förderung gebe.

Die Dii wurde 2009 von mehreren deutschen Konzernen mit der Desertec-Stiftung gegründet. Sie griffen damals die Ideen der Desertec-Stiftung auf. Ihre Vision: Bis zum Jahr 2050 sollten 400 Milliarden Euro investiert und mindestens 15 Prozent des europäischen Strombedarfs von Wind- und Sonnenkraftwerken in der Sahara gedeckt werden. Aber die Projekte kamen kaum voran, Siemens und Bosch stiegen aus, negative Schlagzeilen häuften sich.

Ausführliche Informationen zum Desertec-Projekt finden Sie auch auf Seite 2 der SZ-Printausgabe vom 2. Juli 2013.

© Süddeutsche.de/dpa/sks/fzg
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