Streit bei Siemens:An der Spitze: zwei geschwächte Manager

Die große Frage ist nur, mit welchen Strategien und Ideen die Führung die Mannschaft beruhigen könnte. An der Spitze von Siemens stehen zwei Manager, die beide geschwächt sind. Löscher musste zuletzt mehrmals seine selbst gesteckten Ziele korrigieren. Unablässig hagelt es Kritik an dem Österreicher, der nach sechs Jahren im Chefbüro noch immer keine ausreichende Hausmacht in dem komplizierten Konzern aufgebaut hat. Viele sagen, der distanziert wirkende Chef sei immer noch fremd bei Siemens.

Oberaufseher Cromme wiederum hat seit seinem erzwungenen Abgang bei Thyssen-Krupp an Ansehen verloren, manche forderten schon seinen Rücktritt als Chefaufseher. Vorbei sind die Zeiten, als er sich bei Siemens als Saubermann und Chefaufklärer in der Korruptionsaffäre feiern lassen konnte, der aufräumte und reihenweise Vorstände und Aufsichtsräte zu Fall brachte. Er muss jetzt selbst erklären, wie es zu unerlaubten Preisabsprachen und Korruptionsaffären bei Thyssen-Krupp kommen konnte, die in seiner Zeit als Chefaufseher passierten. Und dann gibt es eine neue Affäre aus alten Zeiten bei den Münchnern. Nur Stunden vor der feierlichen Grundsteinlegung für die neue Konzernzentrale wurde bekannt, dass Siemens in Brasilien in eine Kartellgeschichte verstrickt ist. Das sehen manche Siemensianer mit Staunen und Skepsis. Crommes Image als Manager ist auch in München auf einem Tiefpunkt angelangt.

Auch den Streit im Vorstand kann der Aufsichtschef nicht beruhigen. Finanzchef Kaeser schießt gerne mal gegen Löscher. Er ist seit 33 Jahren im Unternehmen, seit 2004 sitzt er im Vorstand und hält sich für den besseren Siemens-Chef, was er mit feinsinnigen Bemerkungen gelegentlich durchschimmern lässt. Der Alt-Siemensianer verfügt in der Belegschaft über breite Unterstützung. Michael Süß, der im Vorstand zuständig für den wichtigen Bereich Energie ist, und Siegfried Russwurm, der den Bereich Industrie verantwortet, gelten ebenfalls nicht als Löscher-Freunde. Sie repräsentieren die mächtige Erlanger Fraktion. In der fränkischen Industriestadt sind die großen Siemens-Bereiche zu Hause, die den Pulsschlag des Konzerns bestimmen - und die sich vernachlässigt fühlen.

Andere Vorstandsmitglieder sind geschwächt. Roland Busch, der die neu gegründete Sparte "Städte und Infrastruktur" leitet, muss mit Pannen im Eisenbahn-Geschäft zurechtkommen und seine schwachen Margen verteidigen. Die Schweizerin Barbara Kux und der Amerikaner Peter Solmssen, beide einst von Löscher als Hoffnungsträger mit ausländischer Herkunft in den Vorstand geholt, müssen demnächst die Führungsetage wieder verlassen. Sie sitzen aber noch als lahme Enten im Vorstand, die kaum noch etwas zu sagen haben. Personalchefin Brigitte Ederer, die wie Löscher aus Österreich stammt, gilt als eine der wenigen Loyalen. "Da herrscht Chaos", sagt einer, der das Unternehmen gut kennt, über den Vorstand.

Auch im Aufsichtsrat ist niemand, der bisher für neue Impulse bekannt geworden wäre. Im Kontrollgremium sitzen zwar Schwergewichte wie der Ex-Bayer-Boss Werner Wenning, Allianz-Vorstandschef Michael Dieckmann und der frühere Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Der machtbewusste Cromme hat es verstanden, das Gremium mit Vertrauten zu durchsetzen, die ihm nicht gefährlich werden. Auch den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden und IG Metall-Chef Berthold Huber hat Cromme, der sich bestens auf den Umgang mit Gewerkschaftern versteht, meist auf seiner Seite.

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