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Streit bei Fleischkonzern:Tönnies-Erbe scheitert vor Gericht

  • Robert Tönnies scheitert vor Gericht mit seiner Forderung, dass der Tönnies-Konzern die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater und einem Wirtschaftsprüfer beendet.
  • Hintergrund ist ein Streit in der Führungsriege des Fleischkonzerns.

Robert Tönnies kann sich nicht durchsetzen

Robert Tönnies, Mitinhaber des größten Fleischkonzerns Deutschlands, hat sich vor Gericht nicht durchsetzen können. Er hatte die Abberufung des langjährigen Steuerberaters Josef Schnusenberg sowie eines Wirtschaftsprüfers aus Düsseldorf gefordert. Beide hatten auch ein privates Mandat des anderen Gesellschafters von Tönnies, Clemens Tönnies.

Robert Tönnies liegt mit seinem Onkel Clemens Tönnies im Streit. Robert Tönnies sah Interessenkonflikte, da Steuerberater Schnusenberg und der Wirtschaftsprüfer auch privat für Firmenchef Clemens Tönnies senior arbeiten. Die Erben um Robert Tönnies hatten in der Vergangenheit ebenfalls mit Steuerberater Schnusenberg zusammengearbeitet, die Zusammenarbeit 2012 aber beendet.

Im Fall Schnusenberg einigten sich beide Parteien - Robert Tönnies und die Tönnies Holding-Unternehmensbeteiligung GmbH - nach der mündlichen Verhandlung Ende Januar außergerichtlich, teilte das Landgericht Bielefeld mit. In Bezug auf die Wirtschaftsprüfer sah das Gericht keine Nachteile für Robert Tönnies. Die geforderte Abberufung wegen Interessenkonflikten der gerade erst beauftragten Prüfer wäre für die Firma Tönnies eher schädlich gewesen. Pflichtverletzungen konnte das Gericht nicht erkennen.

Clemens Tönnies Familienkrach im Schlachthaus
Fleischkonzern Tönnies

Familienkrach im Schlachthaus

Undurchsichtige Geldflüsse, Untreue, Schadensersatz: Robert und sein Onkel Clemens Tönnies kämpfen um die Macht im Fleischkonzern. Jetzt streiten sie um seltsame Geschäfte in Liechtenstein.   Von Elisabeth Dostert

Die Kontrahenten

Unternehmenschef Clemens Tönnies hält wie sein Neffe Robert Tönnies 50 Prozent an dem Fleischkonzern, der mit etwa 8000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr etwa 5,6 Milliarden Euro umgesetzt hat. Die Führung des Tönnies-Konzerns wird von einem erbitterten Streit der Eigentümer erschüttert. Die Kontrahenten - mal als Kläger, mal als Beklagter und mal als Zeuge - sind immer Robert Tönnies und sein Onkel Clemens Tönnies senior. Es ist ein Streit zwischen der Generation der Erben gegen die Generation der Gründer.

Der Streit der Tönniesens

In den Streitigkeiten geht es im Prinzip um die Zukunft des Unternehmens. Verfahren um Unternehmensanteile und Stimmrechte und somit um die Machtfrage im Gesellschafterkreis sind am Oberlandesgericht Hamm und am Landgericht Bielefeld anhängig. Es geht um schwer nachvollziehbare Geldflüsse, ein doppeltes Stimmrecht, den Widerruf einer Schenkung und um Schadensersatz in Millionenhöhe.

Das Unternehmen

Der Metzgersohn Bernd Tönnies gründete die Firma im Jahr 1971. Er spezialisierte sich auf die Zerlegung von Schweinen. Später holte Bernd Tönnies seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Clemens in die Firma und beteiligte ihn mit 40 Prozent. Bernd stirbt 1994. Das Betriebsvermögen erbten die Söhne Robert und Clemens junior, die damals erst 19 und 16 Jahre alt waren. Darüber verfügen sollten sie erst mit Vollendung des 30. Lebensjahres, vorausgesetzt, dass sie eine Metzgerlehre und eine kaufmännische Ausbildung machten. Testamentsverwalter wurde damals Josef Schnusenberg - ebenjener Steuerberater, den Robert Tönnies nun per Klage aus dem Unternehmen drängen wollte.