Streik bei der Lufthansa Wir müssen reden

Die Lufthansa gleicht einer tief deprimierten Welt, quer durch den Konzern ist die Verunsicherung groß. Es ist klar, was zu tun wäre: Die Unternehmensführung muss offen kommunizieren. Im Prinzip hat Vorstandsvorsitzender Christoph Franz das Richtige vor - er müsste es nur offensiv verkaufen.

Ein Kommentar von Jens Flottau

Das waren noch Zeiten vor 20 Jahren. Der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber tingelte durch die Lande und redete auf die Mitarbeiter ein. Er wollte sie davon überzeugen, dass sie auf Geld verzichten müssten, um die Flugfirma vor der Pleite zu retten. Die Übung gelang weitgehend, auch wenn sich die Piloten Jahre später per Streik einiges von den Zugeständnissen zurückholten.

Christoph Franz, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa AG, posiert am vergangenen Montag bei der offiziellen Verabschiedung der deutschen paralympischen Mannschaft am Frankfurter Flughafen. Nach gescheiterten Tarifverhandlungen haben die Flugbegleiter der Lufthansa angekündigt, von Donnerstag an zu streiken.

(Foto: dapd)

Das ist die große Frage: Ob der entscheidende Unterschied zwischen der Lage der Lufthansa damals und heute auf die Besetzung des Chefpostens zurückzuführen ist oder auf die Krise selbst. Ob es also nur eine anerkannte Führungskraft braucht, die Mitarbeiter überzeugen kann, Opfer zu bringen. Oder ob die damalige Krise des Unternehmens so viel existenzieller war als die heutige, und ob es die Lufthanseaten deshalb derzeit einfach (noch) nicht einsehen wollen, erneut Einschnitte hinzunehmen.

In Wahrheit setzt sich das aktuelle Problem der Lufthansa AG aus beiden Faktoren zusammen. Und Tatsache ist, die Flugbegleiter wollen streiken - offiziell für mehr Geld, inoffiziell gegen die mögliche Auslagerung ihrer Arbeitsplätze.

Jetzt, wo es zu Veränderungen kommen muss, offenbart sich besonders deutlich ein Mangel an Vertrauen und Kommunikation im Frankfurter Verkehrskonzern. Wer immer in diesen Tagen mit den eigentlich so von ihrer Firma überzeugten Lufthanseaten spricht, der gewinnt Einblicke in eine tief deprimierte Welt.

Quer durch den Konzern ist die Verunsicherung groß. Keiner weiß, wie es weitergeht und was persönlich droht. Paralysiert ist vor allem das Management. Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass nun ausgerechnet Beschäftigte streiken wollen, deren Arbeitsplätze (noch) nicht in Gefahr sind. Und die Verhandlungen mit den Piloten haben noch nicht einmal begonnen.