Wichtige Updates
Die Stunde der Fernbusse
Wo genau gestreikt wird
Es geht los
Keine Züge, deutlich weniger Flüge
Herzlich willkommen zu unserer Berichterstattung über den heutigen Streiktag! Es dürfte chaotisch werden, ähnlich womöglich wie am 27. März, als der öffentliche Verkehr in Deutschland schon einmal einen Tag lang brachlag. Heute sollen die Arbeitsniederlegungen bei der Bahn zwar nur am Vormittag stattfinden, das heißt aber mitnichten, dass dann alles wieder normal läuft.
Gestreikt wird nicht nur bei den Bahnangestellten, sondern, wie schon bereits gestern auch an einigen Flughäfen. Wir halten Sie über alle Entwicklungen auf dem Laufenden.
Gestreikt wird nicht nur bei den Bahnangestellten, sondern, wie schon bereits gestern auch an einigen Flughäfen. Wir halten Sie über alle Entwicklungen auf dem Laufenden.
Es geht los
Der mehrstündige Warnstreik im Bahnverkehr hat begonnen. "Die Warnstreiks beginnen in diesen Minuten. Die Schichten, die jetzt laufen, gehen jetzt in die Streikphase“, sagte ein Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Zahlreiche Beschäftigte seien dem Aufruf gefolgt und hätten ab 3 Uhr die Arbeit niedergelegt. Vor allem am Freitagvormittag dürfte kaum ein Zug fahren.
Was fordern die Gewerkschaften, was sagen die Arbeitgeber?
Eisenbahnpersonal: Zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 650 Euro mehr, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten - das verlangt die Bahn-Gewerkschaft EVG. Sie vertritt die etwa 180 000 Beschäftigten bei der Bahn und 50 000 weitere Angestellte bei anderen, kleineren Zug- und Busunternehmen. Die EVG begründet ihre im Vergleich durchaus üppige Forderung zum einen mit der hohen Inflation. Zum anderen habe man sich während der Corona-Pandemie bewusst zurückgehalten. 2020 gab es lediglich ein 1,5-Prozent-Plus. Die seitdem aufgelaufenen Reallohnverluste will die Gewerkschaft nun kompensiert sehen. Deutsche Bahn-Personalvorstand Martin Seiler hat fünf Prozent mehr Geld plus einen Inflationsausgleich bei einer Laufzeit von 27 Monaten geboten, zuletzt aber weitere Verbesserungen in Aussicht gestellt. Seiler kann sich einen Tarifabschluss vorstellen, der sich am Schlichterspruch im öffentlichen Dienst orientiert. Dieser würde, auf zwei Jahre gerechnet, eine Lohnerhöhung von zwölf Prozent und 300 Euro steuer- und sozialabgabenfreie Prämie bedeuten. Die EVG lehnt das als "Provokation" ab.
Sicherheits- und Servicekräfte an Flughäfen: Verdi fordert höhere Zuschläge für Nacht-, Samstags-, Sonntags- und Feiertagsarbeit sowie eine bessere Regelung bei den Überstunden. Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Zuschlagsregelungen seit 2006 nicht mehr verbessert wurden und die Arbeitgeber in dieser Frage seit Jahren mauern. Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) verurteilt die Arbeitsniederlegungen zum jetzigen Zeitpunkt. "Dieser Streik entbehrt jeglicher Verhältnismäßigkeit und ist völlig überzogen“, sagt Rainer Friebertshäuser, der Leiter der Tarifkommission des BDLS. Verdi habe den Stand der Verhandlungen bewusst negativ dargestellt. Die Arbeitgeber seien bereit, den Feiertagszuschlag von 100 auf 125 Prozent zu erhöhen und in der Zeit von 22 bis 6 Uhr morgens 20 statt bisher 15 Prozent Nachtzuschlag zu zahlen. Für Überstunden soll der Zuschlag von 25 auf 30 Prozent erhöht werden. Außerdem habe man die Einführung von Führungskräftezulagen angeboten. Verdi kritisiert vor allem, dass das Angebot der Arbeitgeber keine Verbesserung für die Arbeit an Samstagen und Sonntagen bringt und die Nachtzuschläge, wenn es nach den Arbeitgebern geht, erst von 22 Uhr und nicht von 20 Uhr an gezahlt werden.
Was tun, wenn der eigene Zug ausfällt?
Die Bahn weist darauf hin, dass alle Tickets für Freitag, die bis zum 18. April gekauft wurden, ihre Gültigkeit bis kommende Woche Mittwoch behalten, also bis zum 25. April. Auch im Falle eines Streiks gelten übrigens die bei der Bahn üblichen, in der gesamten EU gültigen Fahrgastrechte. Reisende können sich im Falle eines Streiks den Ticketpreis in voller Höhe zurückerstatten lassen, wenn sie die Reise nicht antreten wollen. Fahrgastrechte geltend machen geht am einfachsten über die App DB Navigator, die viele regelmäßige Bahnkunden auf ihrem Handy haben und zur Verbindungssuche nutzen. Das Einreichen des Antrages in Papierform ist aber ebenfalls möglich.
Weitere Einzelheiten zu den Rechten von Bahnreisenden finden Sie hier:
Weitere Einzelheiten zu den Rechten von Bahnreisenden finden Sie hier:
Gähnende Leere am Hamburger Hauptbahnhof
Die Hamburger S-Bahn warnte vor "massiven Beeinträchtigungen" bis in den Nachmittag. Bilder aus den frühen Morgenstunden zeigen den Hauptbahnhof wie leergefegt. Auch bei den Regionalzügen müsse mit starken Einschränkungen und Ausfällen gerechnet werden, teilte der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) mit. Nicht gestreikt wird hingegen bei der Hamburger Hochbahn. U-Bahnen und Busse der Hamburger Hochbahn sollen wie gewohnt fahren.
Der Hauptbahnhof in Hamburg. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Menschenleere Bahnsteige. Foto: Daniel Bockwoldt
In Hamburg geht außerdem der Warnstreik der Sicherheitskontrolleure am Flughafen in den zweiten Tag. Die Airlines haben erneut sämtliche Abflüge ab Hamburg gestrichen. Betroffen sind nach Angaben des Airports rund 39 000 Flugpassagiere. Und auch zahlreiche Ankünfte finden nicht statt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten im Luftsicherheitsbereich zur ganztägigen Niederlegung ihrer Arbeit aufgefordert.
Der Mann, der die neue Macht der Arbeitnehmer verkörpert
Frank Werneke ist das Gesicht von Verdi. In den vergangenen Monaten hat die Gewerkschaft zu einem Warnstreik nach dem anderen aufgerufen - alle hatten große Auswirkungen. In vielen Städten blieben die Kitas zu, Pakete kamen später, manche Klinik stellte auf Notbetrieb um. Vor drei Wochen legte Verdi mit der Bahngewerkschaft EVG einen Tag praktisch den gesamten Nah- und Fernverkehr lahm. Werneke verkörpert, wie die beiden SZ-Redakteure Alexander Hagelüken und Benedikt Peters schreiben, den "Prototyp eines aggressiven Gewerkschaftsführers, der, ausgestattet mit neuem Selbstbewusstsein, den Bürgern in den kommenden Jahren mehr Streiks bescheren könnte".
Lesen Sie das ausführliche Porträt über den Verdi-Chef (SZ Plus)
Lesen Sie das ausführliche Porträt über den Verdi-Chef (SZ Plus)
Wo genau gestreikt wird
Bahnverkehr
Die Gewerkschaft EVG hat den Warnstreik für den Zeitraum von 3 bis 11 Uhr angesetzt. Das heißt allerdings nicht, dass sofort um 11 Uhr wieder alle Züge rollen. Die Deutsche Bahn schreibt auf ihrer Website, dass der gesamte Fernverkehr zwischen 3 und voraussichtlich 13 Uhr zum Erliegen kommen wird. Bis in den späten Nachmittag hinein sei mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen. Das ist für die Bahn eine besonders empfindliche, weil extrem verkehrsstarke Tageszeit, da Wochenend-Reise und Feierabend-Verkehr zusammenfallen.
Auch der Nahverkehr der Deutschen Bahn wird komplett bestreikt. Hier dürfte der Verkehr am Mittag jedoch schneller wieder anlaufen als im Fernverkehr, so die Deutsche Bahn. Ein Ausweichen auf andere Bahn-Anbieter ist übrigens keine Option. Denn die EVG vertritt auch Beschäftigte bei weiteren etwa 50 Bus- und Bahnunternehmen, die ebenfalls zur Arbeitsniederlegung aufgerufen sind. Einzig private Fernbusunternehmen sind eine Ersatzmöglichkeit, bieten aber bei Weitem nicht die Kapazität, die die Bahnverkehre leisten.
Auch der Nahverkehr der Deutschen Bahn wird komplett bestreikt. Hier dürfte der Verkehr am Mittag jedoch schneller wieder anlaufen als im Fernverkehr, so die Deutsche Bahn. Ein Ausweichen auf andere Bahn-Anbieter ist übrigens keine Option. Denn die EVG vertritt auch Beschäftigte bei weiteren etwa 50 Bus- und Bahnunternehmen, die ebenfalls zur Arbeitsniederlegung aufgerufen sind. Einzig private Fernbusunternehmen sind eine Ersatzmöglichkeit, bieten aber bei Weitem nicht die Kapazität, die die Bahnverkehre leisten.
Flughäfen
An vier deutschen Airports legen Beschäftigte die Arbeit nieder, in Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn und Stuttgart. Alle vier sind durchaus wichtige Flughäfen mit vielen Verbindungen. Der Düsseldorfer Flughafen hatte im - freilich noch von der Corona-Krise beeinflussten - Jahr 2022 16 Millionen, der Hamburger Flughafen etwa elf, Köln/Bonn neun und Stuttgart etwa sieben Millionen Passagiere. Die beiden größten Drehkreuze in Frankfurt und München sind von den Streiks diesmal nicht betroffen.
Heimreise von der "Hannover Messe" erschwert
Spezialproblem in Hannover: Hier endet heute die "Hannover Messe", eine der weltweit größten Industriemessen. Tausende Messegäste und Aussteller werden dann die Heimreise antreten wollen, doch mit der Bahn geht zumindest bis zum Nachmittag gar nichts. Am Messebahnhof Laatzen, südlich von Hannover, sind die Gleise und Bahnsteige völlig leer.
Zu Beginn der Messe zeigten sich die Veranstalter optimistisch, dass diesmal deutlich mehr als 75 000 Menschen real bei der Messe vorbeischauen - das war die Zahl des vergangenen Jahres, als die Veranstaltung noch von Corona geprägt war. Vor der Pandemie waren es sogar mehr als 200 000 Besucherinnen und Besucher.
Zu Beginn der Messe zeigten sich die Veranstalter optimistisch, dass diesmal deutlich mehr als 75 000 Menschen real bei der Messe vorbeischauen - das war die Zahl des vergangenen Jahres, als die Veranstaltung noch von Corona geprägt war. Vor der Pandemie waren es sogar mehr als 200 000 Besucherinnen und Besucher.
Der Bahnhof Hannover-Messe/Laatzen am Morgen. Foto: Moritz Frankenberg/dpa
Die aktuelle Lage in München
Normalerweise bewegen sich auf der Live-Map der Münchner S-Bahn zahlreiche Punkte durch das MVV-Netz. An diesem Freitagmorgen ist kein einziger zu sehen. "Der S-Bahnverkehr ist aktuell wegen eines Streiks der Gewerkschaft EVG eingestellt", heißt es auf der Webseite der S-Bahn. "Wenn möglich verschieben Sie bitte geplante Fahrten in diesem Zeitraum."
Die gute Nachricht für die Münchnerinnen und Münchner: Die U-Bahnen, Busse und Tram-Bahnen sind diesmal nicht vom Streik betroffen. Es wird trotzdem mit massiven Auswirkungen auf den Verkehr gerechnet.
Die gute Nachricht für die Münchnerinnen und Münchner: Die U-Bahnen, Busse und Tram-Bahnen sind diesmal nicht vom Streik betroffen. Es wird trotzdem mit massiven Auswirkungen auf den Verkehr gerechnet.
Die Stunde der Fernbusse
Wenn es auf den Schienen leise wird, beginnt an anderer Stelle das Herz der Angebot-und-Nachfrage-Republik Deutschland stärker zu schlagen, was im heutigen Fall heißt: bei den Fernbusunternehmen. Am Flixbus-Terminal in München sind an diesem Vormittag die Trillerpfeifen der Streikenden vom nahen Hauptbahnhof nicht mehr zu hören. Umso lauter dafür: das Motorenbrummen der Busse, die fast schon demonstrativ pünktlich mit beachtlicher Rimova-Koffer-, Ikea-Tüten- und Menschenfracht nach Freiburg, Nürnberg, Ljubljana und Berlin losfahren.
"Alles voll“ ist ein Satz, den ein Mann derweil am Ticketschalter zu hören bekommt, der nach Stuttgart will, und zwar ziemlich dringend. Erst mittags wieder, sagt ihm der Mann in grüner Flixbus-Jacke, woraufhin sich die Stirn des Reisenden in Falten legt. “Ist okay.” Immerhin: Wer sich beeilt, sagt die Frau am Nebenschalter, bekommt jetzt noch für 11.30 Uhr einen Platz für eine Fahrt nach Berlin. Kostet 79 Euro.
"Alles voll“ ist ein Satz, den ein Mann derweil am Ticketschalter zu hören bekommt, der nach Stuttgart will, und zwar ziemlich dringend. Erst mittags wieder, sagt ihm der Mann in grüner Flixbus-Jacke, woraufhin sich die Stirn des Reisenden in Falten legt. “Ist okay.” Immerhin: Wer sich beeilt, sagt die Frau am Nebenschalter, bekommt jetzt noch für 11.30 Uhr einen Platz für eine Fahrt nach Berlin. Kostet 79 Euro.
Foto: Marcel Laskus
Vier Flughäfen streichen Großteil der Starts und Landungen
Dass an diesem Freitag auch an vier deutschen Flughäfen gestreikt wird, hat weit geringere Auswirkungen als der Ausstand bei der Bahn. Denn davon sind viel weniger Menschen betroffen - für die ist die Situation womöglich aber ebenfalls misslich. Ein Überblick:
- Hamburg: Nach Angaben des Betreibers kann keiner der 156 geplanten Abflüge stattfinden - da die Sicherheitskontrolle bestreikt wird, kommt kein Passagier zu seinem Flieger. Einzelne Airlines haben Abflüge nach Hannover, Bremen und Paderborn verlegt; die Passagiere werden mit Bussen dorthin transportiert. Auch 47 der 157 geplanten Landungen sind gestrichen worden. Der Flughafen spricht von insgesamt knapp 40 000 betroffenen Passagieren.
- Köln/Bonn: Bereits am Donnerstag wurde hier gestreikt, in Köln-Bonn fanden etwa 80 Prozent der eigentlich geplanten Flugbewegungen nicht statt, wie der Flughafen mitteilt. So wird es wohl auch an diesem Freitag aussehen: Die Auswirkungen seien weiter erheblich, gerade bei den Starts gehe wohl nahezu nichts, sagt ein Sprecher. Womöglich verlegen Airlines einige Flüge auch an Ausweichstandorte, etwa an die Flughäfen Münster-Osnabrück oder Paderborn-Lippstadt.
- Düsseldorf: Hier rechnet man ebenfalls mit großen Warnstreik-Folgen. Am Donnerstag fiel bereits etwa die Hälfte der Flugbewegungen aus. Der Flughafen bittet Passagiere, das Handgepäck auf ein Minimum zu reduzieren und die Kontrollen dadurch zu beschleunigen. Düsseldorf ist - gemessen an der Zahl der Passagiere - nach Frankfurt, München und Berlin der viertgrößte deutsche Airport.
- Stuttgart: Hier heben heute aller Voraussicht nach keine Maschinen ab, eigentlich wären etwa 110 Starts geplant gewesen. Auch etwa 50 Ankünfte sind gestrichen worden. Für Samstag rechne man dann wieder mit einem weitgehend normalen Betrieb, sagt eine Flughafensprecherin.
Auch das noch
Ein Bahnstreik kommt selten gelegen, der heutige Freitag ist aber in vielerlei Hinsicht ein Tag mit traditionell hohem Reiseaufkommen – Pendler und Wochenendausflügler sitzen dann für gewöhnlich gemeinsam in Bahn. Aber der Streik fällt auch noch mit einigen anderen Terminen zusammen:
- In Hessen und Schleswig-Holstein enden heute die Osterferien. Viele Urlauber wollen heute wieder nach Hause fahren.
- Außerdem fällt der Streik in die Abiturzeit. Zuletzt hatte das Land NRW die Abiturklausuren wegen technischer Probleme auf den heutigen Freitag verschoben. Zahlreiche Abiturienten müssen heute für ihre Prüfungen pünktlich zur Schule kommen.
- Außerdem endet heute auch der Fastenmonat Ramadan. Viele Musliminnen und Muslime treffen sich zum Zuckerfest mit ihren Familien, um gemeinsam zu feiern und die Moschee zu besuchen. Auch hier kann der Streik für Chaos sorgen - vergleichbar mit einem Bahnstreik während der Weihnachtszeit.
Auch Autofahrer-Bayern muss wegen Streik umdisponieren
In ländlicheren Gefilden Bayerns interessiert man sich offensichtlich eher für den Blitzermarathon als für den Streik. Die lokalen Blätter warten mit ausführlichen Karten auf. Auf Bus und Bahn sind die Menschen aber natürlich auch hier angewiesen, zumal die Schüler. Die kommunalen Busse und Trambahnen sind dieses Mal zwar nicht betroffen, doch gibt es in den ländlicheren Regionen viele private Anbieter, bei denen es Ausfälle gibt. Im Landkreis Regensburg etwa soll der Schulbusverkehr durch Umorganisation weiter gewährleistet werden. Informationen gibt es gebündelt vor allem auf den Seiten der größeren kommunalen Nahverkehrsgesellschaften wie etwa dem Regensburger Verkehrsverbund.
Gestrandet an Gleis 12
Zwei Stunden wird noch gestreikt, die Bahnsteige in München müssten also in der Theorie noch eine Weile allein den Tauben und den Befüllern der Snackautomaten gehören. Doch gibt es auch an diesem Tag Leute, die nichts vom Streik mitbekommen haben. Wie Rungsan Ruangsomboon (links auf dem Foto) aus Thailand zum Beispiel. "Whats Happening?", sagt er auf Höhe von Gleis 12 in die einigermaßen leere Bahnhofshalle hinein. Hinter ihm stapeln sich ein Dutzend Koffer, seit zwei Wochen ist er mit Freunden und Familie quer durch Europa unterwegs - Frankreich, Österreich, Schottland. Eine schöne, bisher sehr planmäßig verlaufene Reise sei das gewesen, von Paris nach Straßburg seien sie auch schon mit dem Zug gefahren. "Auf die Minute pünktlich", sagt Ruangsomboon. Und heute? Weiß der Himmel, wann sie in Salzburg ankommen.
Foto: Marcel Laskus
Deutschland, deine Bahnhöfe
In der Hektik der Berufspendelei ist oft gar keine Zeit, das Besondere im Alltäglichen zu sehen. Schnell die Rolltreppe runter und noch in die S-Bahn springen, oder mit steifem Nacken auf dem Display nachlesen, wie sich denn jetzt die Wagenreihung geändert hat. Wer soll da noch Zeit haben, mal kurz zu verweilen und den Blick schweifen zu lassen?
Ein Streiktag aber ist auch mal ein schöner Anlass, um die Bahnhofshallen zu würdigen. Denn frei von der Hektik und unverständlichen Durchsagen bleibt von den Bahnhöfen nur das Gefühl übrig, das die Gebäude auszustoßen vermögen: Melancholie und Fernweh.
Man müsste nur in diesen Zug hier einsteigen und man wäre fort von hier, ob in ein paar Stunden in Florenz oder nach ein paar Minuten in Hildesheim. Wer sich heute in den Bahnhof verirrt, findet dieses Gefühl in Reinkultur. Fast schade, dass kein Zug fährt.
Ein Streiktag aber ist auch mal ein schöner Anlass, um die Bahnhofshallen zu würdigen. Denn frei von der Hektik und unverständlichen Durchsagen bleibt von den Bahnhöfen nur das Gefühl übrig, das die Gebäude auszustoßen vermögen: Melancholie und Fernweh.
Man müsste nur in diesen Zug hier einsteigen und man wäre fort von hier, ob in ein paar Stunden in Florenz oder nach ein paar Minuten in Hildesheim. Wer sich heute in den Bahnhof verirrt, findet dieses Gefühl in Reinkultur. Fast schade, dass kein Zug fährt.
