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Stratolaunch:Microsoft-Mitgründer Paul Allen montiert das Fluggerät aus Teilen alter Jumbojets

Das Fluggerät ist selbst auf gewisse Weise auch sehr Old Economy: Denn viele seiner Komponenten stammen von zwei ausgemusterten Boeing 747-400 der United Airlines, die Vulcan Aerospace gekauft hat und nun ausschlachtet. Die komplette 747-Cockpitausstattung wird an Bord von Stratolaunch genutzt, inklusive der Pilotensitze. Auch Avionik (Bordelektronik), Hydraulik, das Fahrwerke und die Triebwerke stammen von den beiden alten United-Fliegern. Drum herum gebaut hat Scaled Composites allerdings Rümpfe und Tragflächen aus leichten Faserverbundwerkstoffen, denn trotz der gewaltigen Ausmaße muss das Ding leicht genug sein, um noch mitsamt einer bis zu 275 Tonnen schweren Last - Rakete und Satelliten - abheben zu können.

Die beiden Piloten und der Flugingenieur werden im rechten Rumpf untergebracht, der (in Flugrichtung) linke wird lediglich für alle möglichen Ausrüstungsteile genutzt. 2011 hatte Allen das Projekt erstmals angekündigt und damals einen Erstflug bis 2015 in Aussicht gestellt. Daraus ist nichts geworden, was Paul Allen finanziell verschmerzen wird - sein Vermögen wird derzeit auf rund 18 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Die Frage ist eher, ob Stratolaunch überhaupt ein sinnvolles Projekt ist oder sich bald als Fehlinvestition herausstellt. Denn das Konzept stammt noch aus einer Zeit, als es darum ging, große, schwere Satelliten ins All zu befördern. Doch die Nutzlasten, um die es heute geht, sind viel kleiner und leichter geworden. Es besteht also die Gefahr, dass Stratolaunch schlicht völlig überdimensioniert ist.

Bis Ende 2017 dürfte es mit dem Erstflug dauern

Projektchef Chuck Beames sieht das naturgemäß anders. Denn es spreche überhaupt nichts dagegen, statt eines großen Satelliten mehrere kleine an die Trägerrakete zu schnallen, die Vorteile wären aus seiner Sicht die gleichen. Doch auch die Branche selbst scheint skeptisch zu sein. Einst sollte Musks SpaceX die Trägerrakete, die unter das Riesen-Flugzeug montiert werden sollte, bauen, hat sich aber längst von der Idee wieder verabschiedet. Auch andere Raumfahrtfirmen wie Orbital ATK and Sierra Nevada waren zeitweilig im Gespräch, doch bis heute fehlt ein Partner, der die Rakete entwickeln würde.

Ein bisschen Zeit wäre allerdings noch. Beames zufolge ist Stratolaunch derzeit zu etwa drei Vierteln fertig gebaut, danach müsste die Maschine voraussichtlich noch monatelang am Boden getestet und für den Erstflug vorbereitet werden. Beames will sich deswegen auch nicht öffentlich auf ein Datum für den Erstflug festlegen lassen. Selbst wenn keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten auftreten, dürfte es aber noch bis Ende 2017 dauern, bis das Flugzeug zu seinem ersten Testflug abhebt.

© SZ vom 21.06.2016/jps

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