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Strafzölle gegen China:Es beginnt mit der Alufolie

Mit Alufolie kann man einiges anstellen. Jetzt wird sie sogar politisch.

(Foto: Imago)

Ist das der Anfang eines Handelskriegs? Amerikanische Aluminiumhersteller fordern hohe Strafzölle gegen chinesische Ware, die mutmaßlich subventioniert wird. Präsident Trump sehen die Unternehmen als ihren Verbündeten.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Noch hat es keine Twitter-Botschaft des obersten Handelsbeauftragten gegeben, kein öffentliches Getöse und keine Einbestellung von Botschaftern. Doch wenn die Zeichen nicht trügen, dann hat der viel befürchtete, von Präsident Donald Trump monatelang herbeigeredete Handelsfeldzug der USA gegen China schon begonnen. Und das an einem Ort, den man kaum vermutet hätte: im Kühlschrank.

Seit dieser Woche liegt im Handelsministerium eine Beschwerde des Verbands der US-Aluminiumhersteller (AA) auf dem Tisch, in dem China vorgeworfen wird, die Vereinigten Staaten seit Jahren mit staatlich subventionierter und damit künstlich verbilligter Alufolie zu überziehen. Binnen eines Jahrzehnts, so heißt es in dem Schreiben, sei der Marktanteil der Volksrepublik wegen unfairer Handelspraktiken von null auf 22 Prozent gestiegen, während der amerikanischer Produzenten von 84 auf 69 Prozent sank. Um mit der Dumping-Ware aus Fernost mithalten zu können, fordern die US-Hersteller, Strafzölle von bis zu 134 Prozent auf Importe aus China einzuführen. Das Ministerium hat nun 20 Tage Zeit zu prüfen, ob es eine förmliche Untersuchung der Vorwürfe einleitet.

Von der Beschwerde betroffen sind Alufolien, die man etwa zum Abdecken von Speiseresten im Kühlschrank verwendet, aber auch solche, die bei Verpackungen, im Auto sowie bei Heiz- und Klimaanlagen zum Einsatz kommen. In der Beschwerde listet der US-Verband insgesamt 27 staatliche Subventionsprogramme auf, mit denen die Regierung in Peking die heimische Branche angeblich unterstützt. Im Ergebnis sollen chinesische Hersteller die Alufolien in den USA nicht nur billiger als daheim und unterhalb der Selbstkosten verkaufen, sondern so günstig anbieten, dass die amerikanischen Produzenten massive "Rückgänge bei Produktion, Absatz, Arbeitsstunden, Preisen, Umsatz und Gewinnen erlitten" hätten. Viele Fabriken hätten gar schließen müssen. Der Antrag beim Handelsministerium ist den Angaben zufolge der erste, den der Verband in seiner fast 85-jährigen Geschichte je gestellt hat. Das zeige "die Schwere des Schadens", welchen China den US-Alufolienherstellern zugefügt habe, und wie groß der Wunsch nach Chancengleichheit für alle Anbieter sei, erklärte AA-Präsidentin Heidi Brock.

Die Industrie fühlt sich von Trump ermutigt. China wiederum wird wohl kontern

Aus der Mitteilung geht nicht hervor, ob der Verband sein Vorgehen mit der neuen US-Regierung abgesprochen hat oder sich durch Trumps Rhetorik zumindest ermutigt fühlte. So oder so ist davon auszugehen, dass die Beschwerde in Washington auf Wohlwollen stoßen wird, denn der Präsident, sein Berater Peter Navarro und Wirtschaftsminister Wilbur Ross haben die Stahl- und die Aluminiumindustrie wiederholt als eine der Branchen genannt, die mit Dumpingware chinesischer Konkurrenten zu kämpfen hätten. Ross hatte erst vor Tagen erklärt, er werde schon bald erste Schritte gegen unfaire Handelspraktiken der Volksrepublik einleiten.

Experten befürchten, dass das harsche Vorgehen beider Seiten in einen regelrechten Handelskrieg münden könnte. China hat in der Vergangenheit schon mehrmals Handelssanktionen anderer Staaten mit entsprechenden Gegenmaßnahmen gekontert, von einer Eskalation des Konflikts wären also mit Sicherheit auch US-Firmen betroffen - womöglich aus ganz anderen Branchen: Leidtragende könnten unter anderem amerikanische Flugzeug-, Auto- und Elektromaschinenhersteller sein, für die China ein wichtiger Exportmarkt ist. Auch die US-Landwirte könnten in den Fokus der Chinesen geraten.

Ob Trump und Ross ihren markigen Worten deshalb wirklich Taten folgen lassen, oder ob sie angesichts der möglichen Konsequenzen am Ende vor einer langjährigen Handelsfehde zurückschrecken, muss sich erst noch zeigen. Als etwas mildere vorübergehende Maßnahme hat der Präsident die US-Wirtschaft schon wiederholt dazu aufgefordert, bei allen Bauvorhaben nur noch Stahl aus heimischer Produktion zu verwenden. Ein Aufruf an die Amerikaner, ihr Pausenbrot nicht länger in Alufolie aus China einzuwickeln, steht hingegen noch aus.

© SZ vom 11.03.2017
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