bedeckt München
vgwortpixel

Strafe wegen Milliardenbetrüger:JP Morgan will sich von Madoff freikaufen

MADOFF MOVED TO MEDICAL FACILITY

Milliarden-Betrüger Bernard Madoff sitzt bereits seit einigen Jahren in Haft.

(Foto: AFP)

Vor genau fünf Jahren flog der Milliarden-Betrug von Bernie Madoff auf: Er hatte mit riesigen Summen jongliert und Anleger um Milliarden geprellt. JP Morgan soll davon gewusst haben, allerdings wurden die US-Finanzaufseher wohl nicht ausreichend informiert. Nun will die Bank mit dem Fall abschließen - das könnte teuer werden.

Am Schluss sollte Bernie Madoff doch Recht behalten. Der mutmaßlich größte Gauner der Finanzgeschichte prognostizierte kurz nach seiner Verurteilung im Jahr 2010: "Ohne eine riesige Strafzahlung kommt JP Morgan im Leben nicht davon" - schließlich hätten einige in der Großbank von seinen Betrügereien gewusst. Knapp zwei Jahrzehnte hatte der Amerikaner mit mehr als 170 Milliarden Dollar jongliert und Investoren um etwa 20 Milliarden Dollar gebracht.

Tatsächlich kann JP Morgan den Fall Madoff nur abschließen, wenn die Bank zahlt: Mehr als eine Milliarde Dollar soll an das amerikanische Justizministerium gehen, schreibt das Wall Street Journal. Ein entsprechender Vergleich könne sogar noch vor Ende des Jahres zustande kommen. JP Morgan könne sich damit endgültig von Madoff befreien, möglicherweise sei die Bank dann vor einer weiteren Strafverfolgung geschützt.

JP Morgan-Chef Jamie Dimon ließ der Financial Times zufolge erkennen, dass die Bank zahlt, um den Fall endlich hinter sich zu lassen - auch wenn das Institut die Vorwürfe noch immer als "haltlos" abtut. "Wir müssen diese Dinge hinter uns lassen, damit wir unseren Job machen können", sagte Dimon.

Der Bank wird vorgeworfen, bereits vor Jahren von den Betrügereien Madoffs gewusst zu haben. 1997 soll sie auffällige Transaktionen auf Madoffs Konto bemerkt haben. Das US-Justiziministerium geht daher der Frage nach, warum die Bank zwar die britischen, nicht jedoch die amerikanischen Finanzaufseher formell über ihren Verdacht informiert hatte.

Vor genau fünf Jahren, im Dezember 2008, wurde Madoff festgenommen. Vor Gericht bekannte er sich 2010 in allen Anklagepunkten schuldig: Geldwäsche, Diebstahl und Urkundenfälschung. Das klingt beinahe harmlos angesichts des Ausmaßes seiner Betrügereien.

Das Prinzip Madoff funktionierte wie ein Schneeballsystem: Er köderte Anleger mit hohen Gewinnen, nutzte die Einlagen neuer Kunden aber nur, um andere Investoren auszubezahlen. Madoff musste also ständig neue Sparer auftreiben. Nach der Lehman-Pleite flog der Schwindel auf: Anleger verloren ihr Vertrauen ins Finanzsystem, Madoff fand keine neuen Geldgeber, gleichzeitig forderten immer mehr Investoren ihr Geld zurück.

Madoff hinterließ weltweit Geschädigte - unter ihnen Banken, Unternehmen, Universitäten, Stiftungen und Privatleute. Zu den prominenten Opfern zählen beispielsweise der Schauspieler Kevin Bacon und eine Wohltätigkeitsorganisation von Regisseur Steven Spielberg. Madoff selbst war Multimillionär, bewegte sich unter den Superreichen, unterhielt eine Yacht und mehrere Häuser. Doch die Zeiten sind vorbei: Im Gefängnis verdient er gerade mal 40 Dollar im Monat - "Ich kümmere mich um die Telefone und Computerdienste", sagte Madoff dem Sender CNN.

Eine Liste von Madoffs Opfern in den USA hat das Wall Street Journal aufgestellt.

Die Gesichter des Madoff-Crashs

Reingelegt und abgezockt