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Steueroasen:Bafin prüft Offshore-Geschäfte der deutschen Banken

Hier verstecken Reiche ihr Geld: Die Finanzaufsicht Bafin will die Geschäfte deutscher Banken in Steuerparadiesen genauer untersuchen. Besonders die Vermögensverwaltung nehmen die Regulierer ins Visier. Die Deutsche Bank hat nach öffentlicher Aufregung ihre Werbung geändert.

Die Finanzaufsicht Bafin kündigt an, die Offshore-Geschäfte deutscher Banken genauer unter die Lupe zu nehmen. "Wir werden eine Erhebung unter den Banken zu ihren Geschäften in Steueroasen starten. Die Institute müssen uns erläutern, was genau sie dort machen - und mit wem sie da Geschäfte abschließen", sagte Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bankenaufsicht im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Röseler interessiert sich besonders für jene Geschäfte, die von den Banken als "Vermögensverwaltung" bezeichnet wird. "Da finden Sie dann die ganz Reichen dieser Welt. Aber was sich dahinter wirklich verbirgt, wollen wir jetzt genau wissen", so Röseler.

Die SZ hatte zuvor berichtet, dass beispielsweise die Deutsche Bank über ihre Niederlassung in Singapur mehr als 300 Firmen und Trusts in mehreren Steueroasen gegründet hat, größtenteils auf den Britischen Jungferninseln. Die Bank hatte offensiv für ihre Offshore-Dienste geworben. Auf einer Konzernwebsite hieß es, die Steueroase Mauritius böte "eine steuer-neutrale Umgebung". Nach der SZ-Veröffentlichung ist dieses Zitat von der Website verschwunden.

Zudem stellte Röseler klar, dass die Untersuchungen wegen des Verdachts der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor noch andauern. Unter anderem hat die Behörde dabei die Deutsche Bank im Visier. "Tatsache ist, dass die Sonderprüfungen nicht abgeschlossen sind. Wir werden an manchen Stellen noch tiefer bohren", so Röseler. Es sei nicht ausgeschlossen, dass auch Bankvorstände Konsequenzen fürchten müssen: "Es geht letztlich immer darum, inwieweit der Vorstand verantwortlich ist."

Meldungen, es werde von der Europäischen Bankenaufsicht EBA bald einen neuen und härteren Stresstest geben, widersprach Röseler: "Nein, das steht noch nicht fest, wir werden im Mai darüber entscheiden." Der Stresstest werde völlig anders laufen als die vergangenen: "Wir werden keine Szenarien mehr durchspielen, die eine Bank beim Test entweder besteht oder nicht", sagte Röseler. Deshalb werde es möglicherweise auch weniger Vergleichbarkeit geben.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.

© Süddeutsche.de/fzg /woja

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