Steueroase Liechtenstein "Weißgeldstrategie konsequent fortsetzen"

Der 49-jährige Betriebswirt war bisher Polizeichef des Landes. Selbst im größten Terminstress wirkt der sportliche Familienvater ruhig, sachlich und konzentriert. Unaufgeregt will er auch sein neues Amt ausüben. "Wir werden die Weißgeldstrategie konsequent fortsetzen", sagt Hasler der SZ, "eine Abkehr davon wäre fatal." Speziell mit Deutschland gebe es diesbezüglich auch "keinerlei Reibungspunkte mehr". Zumwinkel? Geschichte!

"Deutschland hat mit uns, anders als mit der Schweiz, sogar ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen", sagt Hasler. Nun brauche man noch eine Altfallregelung: eine irgendwie geartete Legalisierung jener unversteuerten Milliarden von deutschen Anlegern, die noch unentdeckt im Fürstentum schlummern. Hasler macht sich jedoch keine Illusionen darüber, dass Berlin nach dem Nein zur Abgeltungsteuer mit der Schweiz einer ähnlichen Lösung mit Liechtenstein in absehbarer Zeit zustimmen wird.

Als sich Adrian Hasler am Mittwoch erstmals in der Regierungslimousine mit Standarte und flankiert von einer Motorradeskorte vom Regierungsgebäude hinauf zum Fürstenschloss über Vaduz chauffieren lässt, um am Altar der Schlosskapelle vor dem Erbprinzen den Amtseid abzulegen, übernimmt er mit dem Regierungsposten auch einen Zwiespalt: Das Ausland drängt Liechtenstein, ein sauberer Finanzplatz zu werden. Im Land selbst erwarten aber viele vom neuen Regierungschef, dass er das Reformtempo bremst. Mindestens.

Das ist eine Botschaft der Parlamentswahl vom Februar im konsensverliebten Fürstentum. Die Bevölkerung strafte die bürgerlich-konservativen Regierungsparteien VU und FBP ab. Gemeinsam stellen sie noch 18 statt wie früher 24 der 25 Abgeordneten. Die neue, bürgerliche Protestpartei DU wurde mit vier Mandaten auf Anhieb drittstärkste politische Kraft.

Wie tief Frust und Unmut sitzen, zeigt auch eine Personalie. Im erzkatholischen Liechtenstein, wo Frauen erst seit 1984 wählen dürfen, sitzt in Gestalt des Mechanikers Herbert Elkuch neuerdings ein DU-Abgeordneter im Parlament, der sich nicht nur gerne wie eine Frau schminkt, sondern am liebsten auch Frauenkleider trägt.

Beide Regierungsparteien werden für Misere verantwortlich gemacht

"Die Unzufriedenheit mit den beiden großen Regierungsparteien ist groß, weil sie für die Misere verantwortlich gemacht werden", sagt der Liechtensteiner Politologe Wilfried Marxer. Haushaltsloch und Finanzkrise, Steuererhöhungen, Angst vor Wohlstandsverlust und dazu noch die einflussreichen Treuhänder, denen durch die Weißgeldstrategie ihr Schwarzgeld-Geschäftsmodell davonschwimmt - es kam vieles zusammen. "Vor allem der Stil und die Kommunikation der alten Regierung sorgten für Unbehagen", sagt Marxer.