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Corona-Krise:Steuereinnahmen brechen im Juni ein

Steuerklärungen müssen bald beim Finanzamt sein.

Die Gemeinschaftsteuern, die Bund, Ländern und Kommunen gemeinschaftlich zustehen, gingen um gut 20 Prozent zurück.

(Foto: dpa)

Der Staat hat zuletzt fast 20 Prozent weniger Steuern eingenommen. Doch es gab auch Ausnahmen - die Einnahmen aus der Tabaksteuer etwa legten zu.

Wegen der Corona-Pandemie sind die Steuereinnahmen des Staates (ohne Gemeindesteuern) im Juni um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums hervor.

"Die konjunkturellen Auswirkungen der Corona-Krise sowie die aufgrund dieser Krise umgesetzten steuerlichen Maßnahmen belasteten weiterhin das Steueraufkommen signifikant", heißt es darin.

Unter anderem gehörten zu den Maßnahmen herabgesetzte Vorauszahlungen sowie gewährte Stundungen.

Plus bei der Tabaksteuer

Die Gemeinschaftsteuern, die Bund, Ländern und Kommunen gemeinschaftlich zustehen, gingen laut dem Monatsbericht um 20,6 Prozent zurück. Zu den Gemeinschaftsteuern gehört zum Beispiel die Lohnsteuer.

Die Bundessteuern sanken um 13,9 Prozent. Besonders stark war das Minus bei der Energiesteuer (25,8 Prozent), ein Plus gab es dagegen bei der Tabaksteuer (22,3 Prozent). Bei den Ländersteuern stand unter dem Strich ein Plus von 16,5 Prozent. Besonders die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer legten deutlich zu - um 44,7 Prozent.

Kaum noch Selbstanzeigen

Derweil haben die Finanzbehörden kaum noch mit Selbstanzeigen zu Schwarzgeldkonten im Ausland zu tun. Sie haben so stark abgenommen, dass sie in einigen Ländern überhaupt nicht mehr statistisch erfasst werden, wie eine dpa-Umfrage unter den 16 Finanzministerien ergab.

In Bayern meldeten sich im vergangenen Jahr nur noch 48 Steuerbetrüger mit Kapitalanlagen in der Schweiz - ein Jahr zuvor waren es noch fast dreimal so viele. In Rheinland-Pfalz, Sachsen und Berlin etwa zeigten sich nur noch halb so viele Kriminelle wegen ihrer Auslandskonten an als im Vorjahr.

Einen Grund für die Entwicklung sehen die Finanzministerien in deutlich schärferen Gesetzen. Seit Januar 2015 kommen deutlich weniger Steuerhinterzieher mit einer Selbstanzeige ohne Strafe davon. Steuerbetrug ist seitdem nur noch bis zu einer Summe von 25 000 Euro straffrei, anstatt wie zuvor bis 50 000 Euro. Zugleich tauschen die europäischen Staaten deutlich mehr Finanzdaten automatisch aus.

Vor Inkrafttreten der neuen Regeln hatten Zehntausende Steuerbetrüger ihr Schwarzgeld im Ausland noch schnell offengelegt. Viele der Selbstanzeigen standen zudem im Zusammenhang mit Daten-CDs aus der Schweiz, die deutsche Steuerbehörden gekauft hatten. 2014 erreichte die Zahl der Selbstanzeigen mit mindestens 38 300 einen Rekordwert.

© dpa
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