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Steuerbetrug:Das bunte Leben des Nick D.

Im Cum-Ex-Strafprozess sagt der zweite Angeklagte vor dem Landgericht Bonn aus. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in 33 Fällen schwere Steuerhinterziehung vor. Nick D. erzählt von seinen Aktivitäten.

Um die halbe Welt hat es Nick D. bereits getragen, bevor er in einem Saal im Bonner Landgericht landete. In Großbritannien aufgewachsen, zog es den heute 38-Jährigen nach Australien und nach Gibraltar. Nach der Schulzeit hatte er ein Fernstudium begonnen, und geschmissen. Er fand einen Job bei einer Bank, stieg auf, arbeitete schließlich bei großen Finanzinstituten wie der Credit Suisse oder der Hypovereinsbank. Doch jetzt ist er einer von zwei Angeklagten im ersten Cum-Ex-Strafprozess in Deutschland.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann schwere Steuerhinterziehung in 33 Fällen vor, in einem weiteren Fall soll es beim Versuch geblieben ist. Die Beteiligten sollen mit Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividende gehandelt haben und sich so eine einmal gezahlte Steuer auf Dividenden mehrmals erstattet haben lassen. Durch diese sogenannten Cum-Ex-Geschäfte ist dem deutschen Staat ein Milliardenschaden entstanden.

Vor Gericht erzählte Nick D. am vierten Prozesstag viel von seinen Aktivitäten, etwa von seiner Arbeit für einen Broker im Februar 2000 in London. Trader hätten nach dem ersten Deal durch den Saal laufen und sich von anderen mit Dingen bewerfen lassen müssen, sagte er. Immer wieder soll viel getrunken worden sein. Nick D. wechselte später zur Credit Suisse, stieg dort auch weiter auf, ging dann zur HVB und schließlich zur Balance-Gruppe, gegründet von seinem Mentor Paul Mora. Bei den letzten beiden Arbeitgebern kam er laut Anklage der Staatsanwaltschaft mit Cum-Ex-Geschäften in Kontakt und soll zusammen mit Martin S. einen Schaden von rund 447 Millionen Euro verursacht haben.

Was Nick D. am Dienstag dem Gericht erzählte, war aus Zeitgründen allerdings nur ein Bruchteil dessen, was er bereits bei seinen Vernehmungen ausgesagt hatte. Seine Aussage geht an diesem Mittwoch weiter. Der gesamte Prozess ist bis 2020 angesetzt.